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"Handwerk hat immer mit Heimat zu tun"

Landkreis Görlitz 06.09.2019
Die Oelsaer Tischlermeisterin Ines Briesowsky-Graf ist neue Firmenbotschafterin der Oberlausitz. Ihre Devise: Leisten statt Meckern.

Ines Briesowsky-Graf hat diese gesunde Portion Heimatliebe. "Wenn man mal von hier weg ist und zurückkommt, sieht man immer richtig, wie schön es hier ist", sagt sie. Diese Einstellung ist einer der Gründe, warum die Tischler-Meisterin aus Oelsa nun von der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien (MGO) zur Firmenbotschafterin der Oberlausitz ernannt wurde.

Handwerk und Wagnis - das sind die Säulen, auf denen der Erfolg des Tischlereibetriebs von Ines Briesowsky-Graf beruht. Vor 55 Jahren gründete ihr mittlerweile verstorbener Vater Günter Briesowsky das Unternehmen in Oelsa. Und 1984, nach der 10. Klasse an der Schule in Lawalde, hätte die damals 16-jährige Ines gerne noch das Abitur gemacht. "Aber ich durfte nicht auf die Oberschule", erzählt sie. Politische Gründe. "Der Vater hat damals zu uns Kindern gesagt: Ihr werdet keine Pioniere und keine FDJ-ler", erinnert sich die Handwerksmeisterin. Und unter diesen Umständen war eine akademische Karriere damals in der DDR weitgehend verbaut. "Ich habe dann nach der Schule im väterlichen Betrieb das Tischlerhandwerk gelernt", erzählt Ines Briesowsky-Graf. Und sie hat es keinen einzigen Tag bereut.

Etwas später hat sie dann doch noch das Abitur gemacht - an der Abendschule in Löbau. "Das war anstrengend neben der Arbeit. Aber da hat niemand nach Linientreue gefragt", sagt sie. Dann kam die Wende. Da war dann auch keine Linientreue mehr gefragt. Das Problem aber war: Die Produkte des väterlichen Handwerksbetriebs auf einmal auch nicht mehr. "Wir haben damals Möbel gebaut. Das Geschäft brach mit der Wende komplett zusammen", erinnert sich Ines Briesowsky-Graf. Da hieß es: Investitionen wagen oder gehen. "Wir haben dann damals komplett umstrukturiert und investiert", sagt die Unternehmerin. Fortan bauten sie nur noch Holzfenster und Türen. Und mit den Jahren wurde die Oelsaer Tischlerei zu einem gefragten Lieferanten. Der Betrieb baute die Fenster für denkmalgeschützte Gebäude wie zahlreiche Schulen in Görlitz oder das Gerichtszentrum in Dresden. Auch die neuen Fenster für die aktuelle Sanierung der Kittlitzer Grundschule kommen aus Oelsa. 2011 übernahm sie den Betrieb von ihrem Vater.

2016 erhielt Ines Briesowsky-Graf den Oberlausitzer Unternehmerpreis. "Dadurch bin ich auf die MGO aufmerksam geworden", sagt sie und in ihr reifte die Idee, nicht bloß die Produkte ihres Betriebes, sondern auch den Heimat-Standort zu vermarkten. "Handwerk hat immer etwas mit Heimat zu tun", sagt sie. Die ersten Oberlausitz-Botschafter der MGO waren touristische. Aber nach und nach wollte die Marketinggesellschaft das Augenmerk eben auch auf die Wirtschaft in der Oberlausitz lenken. Und Ines Briesowsky-Graf möchte ihrer Heimat in jeder Hinsicht guttun. "Gemeckert wie schlecht hier alles ist, wird viel. Es ist gut, wenn man den Meckerern begegnet", sagt sie.

Und Ines Briesowsky-Graf begegnet Meckerern nicht mit schönen Worten, sondern mit Taten. Erst jüngst hat sie wieder ordentlich investiert. "Im April haben wir die neue computergesteuerte CNC-Fräsanlage in Betrieb genommen", sagt sie und: "Wir brauchen große Objekte, damit sich die Investitionen tragen." Genau das gebe dann auch Raum, die handwerklich kleineren und feinen Sachen erledigen zu können. "Hightech nutzt mir nichts, wenn ich von meinem Handwerk nichts verstehe", sagt Ines Briesowsky-Graf. Und genau dieses Handwerk will sie weiter pflegen. "Wir bilden stetig aus und haben gerade vier Lehrlinge, darunter eine junge Frau", sagt sie. 

Auch Holztechnik-Studenten verbringen immer wieder ihre Praxiszeit in dem Oelsaer Betrieb. "Gerade die jungen Leute sind wahnsinnig begeistert von der modernen Technologie. Um geeigneten Nachwuchs macht sie sich keine Sorgen. Und die nächste Generation steht auch schon in den Startlöchern. Ines Briesowsky-Grafs Söhne Andreas und Christopher arbeiten bereits in der Tischlerei ihrer Mutter. 

 

Von Markus van Appeldorn

Foto: ©  Matthias Weber
 

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