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Handwerkern droht das Geld auszugehen

16.09.2020
Die Geschäfte liefen bis in den März prächtig – dann kam Corona. Einen zweiten Lockdown würden viele nicht überleben.

Von Michael Rothe

Dresden. Im Handwerk drohen bei vielen Betrieben finanzielle Engpässe. „Die seit Pandemiebeginn bei fast der Hälfte der Betriebe deutlich verschlechterte Eigenkapitalsituation ist ein Warnzeichen“, sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. „Dieses Alarmzeichen sollten alle sehr ernst nehmen und wirklich alles tun, um einen erneuten Lockdown zu vermeiden.“

Dieses Szenario gelte es „um jeden Preis zu verhindern“, warnt auch Sachsens Oberhandwerker Roland Ermer. „Denn noch so einen globalen Tiefschlag würden die vielfach ohnehin stark eigenkapitalgeschwächten Betriebe nicht überleben“, sagt der Präsident des sächsischen Handwerkstags, der regionalen Dachorganisation der Kammern und Verbände. Im Freistaat agieren rund 56.000 Handwerksbetriebe mit gut 300.000 Beschäftigten.

Von einigen Hilfen ausgeschlossen

In einer Umfrage des Zentralverbands ZDH gaben 42 Prozent der Betriebe an, dass sich ihr Eigenkapital seit Beginn der Pandemie verringert habe, darunter überdurchschnittlich viele Dienstleister wie Friseure, Messebauer, Caterer. In die erste Massenquarantäne seien die Unternehmen noch mit einer gewissen Eigenkapitaldecke gegangen, erklärt ZDH-Präsident Wollseifer. Die sei jetzt „bestenfalls löchrig“ und stünde meist gar nicht mehr zur Verfügung. „Noch schneller als beim ersten Lockdown wären ganz viele Betriebe zahlungsunfähig und damit pleite“, prophezeit er. Demnach erwarten überdurchschnittlich häufig Soloselbstständige und Kleinstbetriebe, dass sich ihre finanziellen Engpässe vergrößern werden. Ursache sei, dass oft kein Eigenkapital aufgebaut werde, auf das in der Krise zurückgegriffen werden könne, und dass die privaten Reserven aufgezehrt seien. Auch seien Betriebe dieser Größe von einigen Hilfen wie Schnellkrediten über die Staatsbank KfW ausgeschlossen.

„Obwohl in Sachsen für coronageschädigte Unternehmen keineswegs alle staatlichen Hilfsinstrumente zielführend waren, ist das Gros der Handwerker besser durch die Krise gekommen als abzusehen war“, bilanziert Handwerkstagspräsident Ermer. Dennoch habe es einige hart getroffen. Nur zahlungsfähige Unternehmer seien in der Lage, Rechnungen zu begleichen und am Markt nach vorn zu schauen.

Demonstrativ würdigt der Bäckermeister aus Bernsdorf bei Hoyerswerda die „schnelle und effektive Unterstützung vom Bund“, so die verlängerten Überbrückungshilfen. Aber: Statt pauschaler Verlängerung der Kurzarbeiterregelung sollte es einen Schutzschirm nur noch für Betriebe jener Branchen geben, die durch staatliche Beschränkungen weiter benachteiligt seien, rät er. „Die Politik sollte alles unterlassen, was gesunden Unternehmen im Zuge der allmählichen Erholung schadet.“ (mit dpa)

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