4sag2eni10lmf5trhxgxihheyi1efect.jpg

Hat Corona zu einem "Kneipensterben" geführt, Herr Klein?

02.05.2022
Sachsens Dehoga-Chef Axel Klein im CoronaCast über den Effekt von Lockerungen, die Bilanz aus zwei Jahren Pandemie und die Folgen des Ukrainekrieges für die Gastronomie.

Von Fabian Deicke

Dresden. Seit dem 3. April können Restaurants in Sachsen wieder ohne den Nachweis von Impf- oder Testzertifikaten besucht werden. Auch das Tragen von Masken ist nicht mehr verpflichtend. Die Branche atmete auf, als diese Lockerungen in Kraft traten. Doch gab es auch den erwünschten Effekt? Im CoronaCast bei Sächsische.de blickt Axel Klein, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Sachsen (Dehoga), mit gemischten Gefühlen auf die aktuelle Lage.

Zum Hören: Der CoronaCast aus Dresden

"Der Optimismus ist wieder da, es gibt Umsätze und die Abhängigkeit der Unternehmen von Hilfen sinkt", sagt Klein. Das Ostergeschäft, das pandemiebedingt in den vergangenen Jahren größtenteils ausgefallen war, habe einen Schub gebracht. Dass der Infektionsschutz jetzt in den meisten Alltagsbereichen in die Verantwortung jedes Einzelnen übergegangen sei, begrüße Klein.

"Das soll nicht heißen, dass wir Schutzmaßnahmen kritisieren", stellt er allerdings klar. Nach wie vor sei es geboten, dass man sich schütze. Das gelte für Gäste wie Unternehmer. "Es nützt ihm [dem Gastwirt] schließlich auch nichts, wenn alle Mitarbeiter krank zu Hause sind." Der entscheidende Unterschied sei nun, dass Gastronomen ihre Hygienekonzepte an die jeweilige Infektionslage und ihre räumlichen Bedingungen anpassen könnten, statt pauschale Regeln umsetzen zu müssen.

Gesenkte Mehrwertsteuer als Puffer gegen hohe Preise?

Von einem anhaltenden Aufschwung im weiteren Verlauf des Frühjahrs und im Sommer ist Klein überzeugt. Die langfristige Perspektive bereitet dem Branchenvertreter jedoch Sorgen.

Die Liste der Herausforderungen ist lang: Die Pandemie hat das Personalproblem in der Branche verschärft, weil mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter gegangen sind. Zudem hätten viele Unternehmen Schulden angehäuft und stünden aufgrund der sich jetzt ändernden Zinspolitik vor ungewissen finanziellen Hürden. Klein warnt: "Das Kneipensterben wird schleichend weiter gehen."

Dass bei all diesen Vorzeichen die zu erwartende Coronalage im Herbst unklar sei, spiele auch eine Rolle. Noch mehr aber: "Der Krieg in der Ukraine und die Auswirkungen auch auf unser Land und Versorgungsengpässe. Das trifft natürlich auch unsere Unternehmen."

In Anbetracht steigender Kosten für Lebensmittel und Energie sagt Klein: "Es wird Preisanpassung geben. Wir werden aber nicht alles umlegen, das ist klar." Damit Restaurantbesuche künftig trotzdem für möglichst viele Einkommensklassen erschwinglich bleiben, wirbt der Dehoga-Chef für eine Verlängerung des gesenkten Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie. Infolge der Pandemie wurde dieser von 19 auf sieben Prozent gesenkt - vorerst bis Ende 2022.

Außerdem Themen in dieser Folge:

  • Wie die Gastronomie der Personalknappheit begegnet
  • Wie höhere Preise zu einem mehr Qualitätsbewusstsein führen kann
  • Wie Sachsens Hotel- und Gastrobranche Flüchtlingen aus der Ukraine hilft

Zum Hören: Der CoronaCast aus Dresden

Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.

Hier sind ergänzende Links zu Themen, auf die in der Folge Bezug genommen wird:

So können Sie den Podcast hören

???? auf Spotify hören
???? auf Deezer hören
???? mit Apple Podcast hören
???? mit Amazon Music hören

???? Alle Episoden auf Sächsische.de anhören

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Ruf nach freiwilligem Jahr im Handwerk

Ruf nach freiwilligem Jahr im Handwerk

Sachsens Handwerkstag warnt vor einem Fachkräfte-Fiasko. Den Betrieben machen aber auch noch andere Probleme zu schaffen.

Bahn-Auftrag bringt keine Jobs für Waggonbau Görlitz

Bahn-Auftrag bringt keine Jobs für Waggonbau Görlitz

Deutsche Bundesländer investieren Milliarden in neue Züge. Die Arbeit landet bei Alstom - doch im Ausland. Ist das der Preis von Liberalisierung und Globalisierung?

Porsche Leipzig feiert 20. Geburtstag mit eigener Eissorte

Porsche Leipzig feiert 20. Geburtstag mit eigener Eissorte

Porsche plant im August das große Jubiläumsfest in Leipzig. Das Waldfruchtsorbet gibt es für den guten Zweck.

Feralpi Riesa stellt erste Stahlwerker aus Mariupol ein

Feralpi Riesa stellt erste Stahlwerker aus Mariupol ein

Ehemalige Mitarbeiter von Asow-Stahl arbeiten jetzt im Riesaer Stahlwerk. Auch mit Spenden versucht das Unternehmen, zu helfen.