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Heidenaus einzige Fotografin

08.07.2020
Katja Sandig behauptet sich in einer Männerbranche, die im Wandel ist und in der sie eine Idee für eine Nische hat.

Von Heike Sabel 

Brauchte der Heidenauer ein Passbild, heiratete er oder wollte er Kinder und Familie verewigen, ging er zu Foto-Leo auf die Bahnhofstraße oder Foto-Walter auf die Pirnaer Straße. Leonhardt gibt es schon seit 2013 nach 85 Jahren Familiengeschichte nicht mehr,  in Walters Studio betreibt jetzt seine Tochter ihr Betreutes ambulantes Wohnen.  Andreas Meschke ist Heidenaus Fotografen-Senior in der Pechhütte, die Junioren sind die Fotografen von Makipictures um Erik Menz. Katja Sandig ist die einzige Frau in der Männerdomäne. 

Die aus dem Erzgebirge Stammende ist seit einigen Jahren mit einem Studio in Heidenau, erst auf der Dohnaer Straße, seit Herbst 2018 auf der August-Bebel-Straße. Im Studio fallen Stühle, Hocker, Sessel verschiedener Größe auf. Das sind die einzigen großen Requisiten. Schließlich kommt es beim Fotografieren auf den Menschen an - und die fotografiert Katja Sandig am liebsten draußen. Wenn sich die Leute Anfang Dezember einfallen lassen, dass sie der Oma zu Weihnachten ein schönes Familienbild schenken wollen, ist das draußen oft schwer. Richtige Winter gibt es in unseren Breitengraden zu wenige. Klar, kann man auch mal künstlichen Schnee rieseln lassen, doch so wie sie keine zu sehr gestellten Fotos mag, mag sie auch nichts Künstliches. Zu einem schönen Bild gehört ein schönes Drumherum. Davon gibt es in der Region genug. Die Schlösser, die Elbe, Parks, Gärten... Auch Hotels, wie die Elbresidenz in Bad Schandau, wo sie eine Hochzeit fotografierte.

14 Stunden Hochzeit fotografiert

Hochzeiten sind der Klassiker für Fotografen. Geheiratet wird immer und fotografiert dabei auch. Der Einsatz für die Fotografin kann mal 14 Stunden dauern oder auch nur eine. Entweder vom Ankleiden bis zur Torte oder nur die kleine Fotorunde zu zweit bzw. dritt. Bei ihrer längsten Hochzeit hat Katja Sandig rund 3.000 Fotos gemacht, von denen dann 1.000 übrig blieben. 

Für Hochzeiten gibt es inzwischen die verrücktesten Orte. Für Fotografen ist es manchmal nicht ganz einfach, dabei die perfekten Fotos zu machen. Auf einem Dampfer zum Beispiel stand Katja Sandig in der Ecke und hatte wenig Spielraum. "Dazu die Brücken, mal wurde es hell, mal dunkel." Das war eine Herausforderung für die Fotografin. Schön sei auch die Zeremonie in einem Bus in den Plantagen bei Kreischa gewesen. Auch  eine Hochzeit im Schnee durfte sie schon fotografieren. 

Nach den Hochzeitsfotos kommen dann die Fotos der Kinder mit und ohne Tiere. Die Fotos in den Kindergärten und Schulen fallen dieses Jahr weg. Die haben sonst wirtschaftlich auch über den Winter geholfen. 

Von der Geburt bis zum Tod

Fotos begleiten uns durch das Leben. Eine Geburt fotografisch begleiten, das könnte sich Katja Sandig vorstellen. "Das Abschneiden der Nabelschnur, der erste Schrei, das sind unvergessliche Momente für die Familie", sagt sie. Die 42-Jährige ist eine Fotografin, die sich im Hintergrund hält, Schnappschüsse einfängt. Vielleicht hängt das mit ihrer früheren Schüchternheit zusammen. Sie mag nicht, wenn die Leute ein Gesicht fürs Foto machen. Natürlich rückt sie bei Aufnahmen von Hochzeitspaaren oder im Studio die Leute "zurecht" und zupft schon mal am Jackett des Bräutigams. 

Beerdigungen hat Katja Sandig noch nicht fotografiert, dafür die Porträts von zwei Frauen, die für ihre Beerdigung alles vorbereiten wollten. Sie dachten an alles, eben auch an das Foto des Verstorbenen, das bei den Trauerfeiern aufgestellt wird. Locker, ohne Druck. Das beeindruckte Katja Sandig. 

Die Frage, die Fotografen nicht hören können

Als Kind fotografierte sie mit "total uralten Kameras" in ihrem Dorf. Es war immer eine Überraschung: Sind die Bilder was geworden oder nicht? Die Frage steht heute nicht mehr. Heute ist es eher so, dass jeder denkt, er kann fotografieren. Dass es jeder probiert, stört Katja Sandig nicht. Aber wenn dann Leute so unter der Hand, um nicht zu sagen schwarz gegen Geld fotografieren, ärgert es sie schon. Noch mehr als wenn die Leute sie fragen, ob sie denn auch den Film eingelegt hat. Nicht so sehr, weil  in der Regel nicht mehr mit den klassischen Filmen gearbeitet wird, sondern weil ihren männlichen Kollegen wohl so eine Frage nicht gestellt wird. 

Katja Sandig hat Gestaltungstechnische Assistentin gelernt. Da war auch Fotografie ein Teil. Zunächst arbeitete sie bei einer Werbefirma, was ihr viel Spaß machte, wegen der Fotografie und wegen der Vielseitigkeit. Als die Meisterpflicht für ein eigenes Fotostudio wegfiel, hat sie es probiert. Zunächst ohne Laden. "Vielleicht war das blauäugig", sagt sie. Aber es funktioniert. Heute mit drei modernen Kameras.

Das Leben findet draußen statt

Passbilder sind das Alltagsbrot von Fotografen, das ihnen heute mitunter Automaten streitig machen. Doch seit es Foto-Walter nicht mehr gibt, registriert Katja Sandig mehr Kunden. Weil sie jedoch nicht vordergründig dafür ausgestattet ist, müssen die mit Wartezeiten rechnen. Katja Sandig lässt die Fotos in einem Labor drucken und schickt sie dann zu. Die Meisten haben damit kein Problem. Katja Sandig mit Passbildern auch nicht, wenngleich sie am liebsten unterwegs ist und das Studio deshalb nicht immer geöffnet ist. Fotos sind Leben, und das Leben findet draußen statt.

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