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Hein-Mück-Gründer in Tunesien gestorben

Dresden 10.10.2019
Holger Köster führte mehrere Restaurants in Dresden, doch finanziell lief es nicht mehr rund. Jetzt ist er unerwartet verstorben - mit 60 Jahren.

Der Gründer des bekannten Dresdner Fischhandels Hein Mück ist tot. Nach Sächsische.de-Informationen ist Holger Köster plötzlich und unerwartet in Tunesien verstorben. Woran, ist unklar. Der Gastronom sei sehr gern in Tunesien gewesen und wolle auch dort beerdigt werden, erzählt man sich. Sein Lebensgefährte André Rütz war am Dienstag nicht zu erreichen.

Die Nachricht verbreitete sich rasant in der Dresdner Branche. „Ich bin tief betroffen, dass er so früh gestorben ist“, so Sushi&Wein-Chef Wolfgang „Wolle“ Förster. Er selbst arbeitete über 13 Jahre lang mit Köster zusammen und wurde auch von dessen Unternehmen beliefert. „Der beste Räucherlachs in der Stadt“, betont Förster. Auch Luisenhof-Chef Carsten Rühle war tief bewegt von der Botschaft. „Ich kannte ihn aus meinen Zeiten im Sophienkeller als zuverlässigen Geschäftspartner."

Köster, der Mitte Juli 60 geworden war, gehörte mit zu jenen Westdeutschen, die den Aufbau Ost wörtlich nahmen. Der Kaufmann aus Bremerhaven tat sich bereits 1990 mit dem zehn Jahre jüngeren, ebenfalls aus Bremerhaven stammenden Koch André Rütz zusammen und gründete im Nachbarort Langen an der Wesermündung die Hein Mück Fischhandel GmbH. Über eine Dresdner Kauffrau kamen die beiden bereits ein Jahr später an das ehemalige HO-Fischwarengeschäft in der Gewandhausstraße in Dresden. 

In einer Stellenmarktanzeige vom 1. August 1993 suchte das Duo bereits „drei Auszubildende als Verkäufer(-innen)“. Versehen war das Inserat mit ihrem Maskottchen Hein Mück. Er ist die Symbolfigur ihrer Heimat. Der akkordeonspielende und pfeifenrauchende Matrose aus der Segelschiffzeit steht für Lebensfreude, Weltoffenheit und Unbekümmertheit. Und Köster lebte das. Als bekennender Homosexueller, der mit seinem Partner André Rütz zusammenlebte, gehörte seine spätere Hein-Mück-Gruppe zu den wichtigsten Unterstützern und Sponsoren der Christopher Street Days (CSD) in Dresden.

Nur wenige Jahre nach dem Start in Dresden erwarben Köster und Rütz ein großes Grundstück an der Zwickauer Straße nahe des Hauptbahnhofs. Sie teilen ihr wachsendes Vermögens stets zur Hälfte untereinander auf. Über eine gemeinsame Eigentümergemeinschaft errichten sie dort ihre eigene Räucherei und bauen eine mobile Fischfahrzeugflotte für Wochenmärkte auf. Privat wohnen sie in einem recht mondän wirkenden Gebäude aus Sandstein, inklusive eines mit Zinnen bewehrten Rundturms und einer großen Papageien-Voliere im Vorgarten. Das Haus könnte auch als Kulisse in einem Vergnügungspark stehen. In dem Haus ist auch der örtliche CSD-Verein untergebracht.

Investitionen in Millionenhöhe

Bereits zur Jahrtausendwende starteten Köster und Rütz den Betrieb des Großrestaurants „Barococo“ am Altmarkt. 2004 ging die Expansion weiter: Auf ihrem Firmengelände eröffneten sie das „Gastmahl des Meeres“, der Name erinnert bewusst an ein in DDR-Zeiten beliebtes Restaurant am Pirnaischen Platz. 2010 übernehmen Köster und Rütz das Restaurant „Alberthafen“ . 2013 beginnen sie dort mit dem Bau einer eigenen Elblachsräucherei. Die Investitionen des Duos in Dresden werden auf rund zwölf Millionen Euro geschätzt, die Zahl ihrer Mitarbeiter auf circa 90.

Wirtschaftlich allerdings lief es den jüngsten vorliegenden Zahlen zufolge nicht mehr so toll. Die Elblachsräucherei Dresden GmbH & Co. KG, an der Köster als Kommanditist und indirekt auch als persönlich haftender Gesellschafter beteiligt war, meldete im Anfang Juni 2017 Insolvenz an; eine Sanierung in Eigenverwaltung scheiterte. Die Räucherei und der Fischhandel als Kernstück der Firmengruppe machte 2018 einen Verlust von 26.000 Euro; 2017 waren es sogar 201.000 Euro gewesen. Das Barococo-Restaurant am Altmarkt landete 2017 mit 130.000 Euro ebenfalls in den roten Zahlen. Zum Jahresende hatten sich Köster und Rütz zudem komplett aus der Gaststätte „Alberthafen“ zurückgezogen und das gesamte Geschäft dem Ehemann des Dresdner CSD-Chefs überlassen.

Im September 2018 hatte Thomas Kian-Zenker das Fischhaus-Alberthafen in der Magdeburger Straße 58 übernommen. Aus Altersgründen hätten sich die Betreiber von dem Restaurant getrennt, sagte Kian-Zenker im Sommer, als er dort einen neuen Biergarten eröffnete. Nicht nur die Speisekarte hatte der neue Küchenchef entschlackt, auch für das Außengelände wollte er etwas Neues aufbauen. Der Biergarten im Alberthafen ist an den Industriecharme des Geländes angepasst, erklärt er. Deshalb ist die Bar in einen alten Container gebaut, große Wassertanks sollen abends zu leuchtenden Ballons werden.

 

Von Ulrich Wolf & Julia Vollmer & Andreas Weller

Foto: © Steffen Füssel
 

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