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Hermes baut Logistikstandort an der A13 in Thiendorf

11.08.2022
Aus einer 160 Meter langen Halle im Gewerbegebiet Thiendorf soll die Region bis in die Landeshauptstadt Dresden hinein beliefert werden.

Von Manfred Müller

Thiendorf. Seit Ende des Jahres 2020 interessiert sich der Versand-Riese Hermes für den günstig an der Autobahn 13 gelegenen Standort Thiendorf. Nach zahlreichen Vorgesprächen mit der Gemeinde soll es nun zügig losgehen.

Mit einer Reihe von Bebauungsplan-Änderungen hat der Gemeinderat am Montagabend den Weg für den Bau eines Logistikzentrums freigemacht. „Zum Weihnachtsgeschäft 2023 wollen wir schon von hier ausliefern“, sagt Standort-Projektmanager Stefan Baunack von Hermes Germany. Der Logistikstandort soll auf einer sieben Hektar großen Fläche im Thiendorfer Gewerbegebiet gebaut werden – auf dem ehemaligen Imbau-Areal zwischen dem Netto-Zentrallager und dem Elsner Pac-Gartenbaubetrieb.

Kern des künftigen Sortier- und Verteilzentrums ist eine 166 mal 53 Meter große Halle, die mit modernster Technik ausgestattet wird. Die geplanten Hochgeschwindigkeits-Sortiersysteme können bis zu 20.000 Sendungen pro Stunde bewältigen.

Mauer soll Anwohner schützen

Neben der Halle werden ein Büro- und Sozialtrakt, ein Pfortengebäude mit Paketshop sowie Container-Plätze und Stellflächen für Lkw und Pkw errichtet. Nach Süden, zur Thiendorfer Wohnbebauung hin, soll der Logistikstandort mit einer fast 100 Meter langen und drei Meter hohen Schallschutzwand abgeschirmt werden.

Die Anlieferung per Lkw und der Abtransport der Sendungen per Sprinter soll über die Kreuzung zwischen Gewerbegebiet und Autobahn-Auffahrt erfolgen. „Wir haben im Vorfeld neben diversen anderen Gutachten auch ein Verkehrsgutachten anfertigen lassen“, erklärt Christian Helbig von Hermes Germany.

Verkehrslast in einzelnen Spitzenstunden

„Es besagt, dass die Ampelkreuzung den zu erwartenden Verkehr bewältigen kann. Unter anderem auch, weil er sich über den Tag verteilt und nicht geballt in einzelnen Spitzenstunden auftreten wird.“

Die Ampelanlage sei bereits mit einer Verkehrsmengenregelung ausgestattet, die bisher allerdings nicht funktionierte. Hermes habe sich darum gekümmert, dass das System in Ordnung gebracht wird. Sodass man schon jetzt eine Entspannung der Verkehrssituation beobachten könne. Der Haupt-Fahrzeugstrom wird künftig zwischen Gewerbegebiet und Autobahn laufen, kleinere Auslieferungsströme auf der B 98 durch Thiendorf und in Richtung Schönfeld.

Eine Schwierigkeit für die Genehmigung des Hermes-Logistikstandortes bestand darin, dass auf der verfügbaren Fläche zwei verschiedene Bebauungspläne lagen. „Das rührt noch vom Anfang der 1990er her, als das Gewerbegebiet je nach Ansiedlungsinteresse schrittweise erweitert wurde“, sagt Bürgermeister Dirk Mocker.

Der Thiendorfer Gemeinderat musste das Areal deshalb mit einer ganzen Reihe von Änderungsbeschlüssen erst passend machen. Es ging um Fragen, wie etwa die, ob eine Dachbegrünung vorgeschrieben werden soll oder ob man dem Wunsch von Hermes Rechnung trägt, dort Photovoltaik zu installieren. Oder auch um die Hallenhöhe, die mit knapp14 Metern etwas über den festgelegten Werten lag.

Auch die Standorte von Grünflächen und Schallschutzwand wurden an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Um keine Frage offenzulassen, waren am Montagabend gleich sechs Manager, Planer und Bauingenieure zur Ratssitzung angereist. Auch deshalb, weil der eigentliche Bau von einem Investor, dem Bremer Projektentwickler Peper & Söhne, übernommen wird. Hermes mietet sich dann langfristig in die Gebäude ein und finanziert die Ausrüstung, allem voran eine hochmoderne Sortieranlage.

Knackpunkt Wasserableitung

Ein Knackpunkt für die Errichtung des Hermes-Logistikzentrums wird die Entwässerung sein, die aber nicht in der Zuständigkeit der Gemeinde liegt. Thiendorf verfügt über keine größeren Fließgewässer, in die das bei Starkregen anfallende Wasser abgeleitet werden könnte. Deshalb muss die versiegelte Fläche mit ausreichend großen Regenrückhaltebecken ausgestattet werden. Wenn der straffe Zeitplan von Hermes eingehalten werden soll, muss der Versand-Riese diese Frage mit der zuständigen Wasserbehörde auf schnellstem Wege klären.

Über die Investitionssumme wollte sich der Immobilien-Verantwortliche Helbig angesichts der aktuellen Preis- und Lieferproblematik nicht allzu konkret äußern. Im Raum Münster/Osnabrück sei ein ähnlicher Standort mit einer Investitionssumme von zirka 45 Millionen Euro errichtet worden.

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