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Hier ticken Ost und West gleich

11.11.2020
Mühle Glashütte und Meister-Singer aus Münster bringen zu 30 Jahren Deutsche Einheit ein Uhrenset heraus. Die beiden Firmen haben noch mehr gemeinsam.

Von Maik Brückner 

Eigentlich sind Uhrenfirmen Konkurrenten. Doch es gibt auch Ausnahmen. Der Glashütter Hersteller Mühle und das Unternehmen Meister-Singer aus Münster haben sich zusammengetan, um aus Anlass des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit ein Uhrenset auf den Markt zu bringen. Die Idee dazu hatte der Geschäftsführer und Mitteilhaber von Meister-Singer, John van Steen, bei einem Treffen mit Mühle-Geschäftsführer Thilo Mühle. "Das konnte nur von jemanden kommen, der von außerhalb stammt. Ich wäre wohl nie auf die Idee gekommen", sagt Mühle.

Der Kontakt zwischen Mühle und Meister-Singer besteht indes seit sechs, sieben Jahren. "Wir haben gemeinsame Vertriebspartner im Ausland und das eine oder andere Event gemeinsam organisiert und finanziert", so Mühle.  

Mühle und van Steen wurden sich schnell einig. Es wurden drei- bis vierköpfige Teams gebildet, die step by step die Uhren entwickelten und die Gestaltung abstimmten. "Uns war wichtig, dass jede Firma ihre Ikone nimmt, etwas Wiedererkennbares", so Mühle. Die Glashütter setzten auf den Klassiker Teutonia IV, die Münsteraner entschieden sich für das Modell Meister-Singer Nummer 3. Die Unternehmen fertigten ihre Modelle in zwei Varianten an, die aufeinander abgestimmt waren. Neben einem Set sollte es auch Uhren geben, die jedes Unternehmen einzeln anbieten wollte. 

So schufen die Firmen zum einen ein auf 30 Exemplare limitiertes Uhrenset. Die dazugehörige Teutonia IV und der MeisterSinger Nummer 3 bekamen ein Zwei-Farben-Gehäuse mit einer Lünette aus Gelbgold. Bei der Teutonia finden sich die deutschen Nationalfarben wieder. So ist das Zifferblatt schwarz. Der Sekundenzeiger und die korrespondierenden Ziffern in der äußeren Sekunden- bzw. Minutenskala wurden Rot gehalten. Der Stunden- und Minutenzeiger sowie die Datumsangaben für 3, 10 und 30  wurden hingegen vergoldet. "Auch die MeisterSinger Nummer 3 greift dieses Farbspiel auf", sagt Mühle. Die zweiten, preiswerteren Varianten von beiden Modellen besitzen  Edelstahlgehäuse und wurden auf 60 Exemplare limitiert. 

Einheitsuhren im Eichsfeld vorgestellt

Vorgestellt wurden die Einheitsuhren im Eichsfeld in Heiligenstadt. Die Stadt sei bewusst gewählt worden, denn diese liegt etwa auf halber Strecke zwischen Glashütte und Münster und nahe der früheren deutsch-deutschen Grenze. Für Thilo Mühle hat diese Region auch eine persönliche Bedeutung: "Nach 30 Jahren habe ich immer noch ein komisches Gefühl. Hier war die Grenze, hier waren meine Entfaltungsmöglichkeiten zu Ende. Ich durfte nicht in den anderen Teil Deutschlands." Hätte es die Wende nicht gegeben, würde es sein Unternehmen nicht geben, so Mühle.

Nach dem Mauerfall wurde der frühere Grenzraum auf ostdeutscher Seite zum grünen Band, er blieb ein unbebauter Naturstreifen. Um die Pflege eines Teils dieser Flächen kümmert sich eine von Heinz Sielmann (1917-2006) gegründete Stiftung, sagt Mühle. Da der westdeutsche Tierfilmer auch in der früheren DDR gut bekannt war, wurden sich Mühle und van Steen schnell einig, die Arbeit der Heinz-Sielmann-Stiftung zu unterstützen. Denn diese führt Kinder an das Leben mit der Natur heran. Sielmanns Credo war: "Man schützt nur das, was man liebt." Diese Ideen wollten die Unternehmen auch fördern. Deshalb werden sie von jeder verkauften Uhr 100 Euro an diese Organisation spenden. 

Das Uhrenset zur Deutschen Einheit: die Teutonia IV von Mühle und der MeisterSinger Nummer 3, beide kosten je 3.490 Euro, inklusive 100 Euro Spende für die Heinz-Sielmann-Stiftung.
Das Uhrenset zur Deutschen Einheit: die Teutonia IV von Mühle und der MeisterSinger Nummer 3, beide kosten je 3.490 Euro, inklusive 100 Euro Spende für die Heinz-Sielmann-Stiftung. © Jesus Renedo/Sailing Energy

Bei der Heinz-Sielmann-Stiftung wird man sich freuen. Denn die Uhrensets waren schnell vergriffen. "Von der Stahlvariante hätten wir doppelt so viel verkaufen können", sagt Mühle. Uhrenfans suchen etwas Besonders und Mühle und Meister-Singer haben dies mit ihren Einheitsuhren geboten. 

Trotz des Erfolges ist zurzeit kein neues Projekt geplant, sagt Mühle. Zurzeit konzentriere man sich auf den nächsten Messeauftritt in München und neue Modelle, die 2021 vorgestellt werden sollen. Trotz der Einschränkungen durch den ersten Lockdown - viele Uhrenfachgeschäfte mussten sechs Wochen schließen - ist Thilo Mühle mit dem Verlauf des Jahres halbwegs zufrieden. 

Man werde zwar kein so gutes Ergebnis wie 2019 einfahren, meint er. Aber das sei nicht zu erwarten gewesen. Schließlich feierte Mühle im vorigen Jahr ein doppeltes Jubiläum:  den 150. Jahrestag der Firmengründung durch Robert Mühle und die Wiederbegründung der Firma als Nautische Instrumente Mühle-Glashütte durch Hans-Jürgen Mühle vor 25 Jahren. Der Uhrenhersteller hofft, dass er in diesem Jahr ein ähnliches Ergebnis wie 2017 und 2018 erreichen könne. Konkrete Zahlen wollte der Geschäftsführer nicht verraten. Eine Prognose, wie es 2021 laufen könnte, möchte er nicht wagen. Nur soviel: Mühle hat finanziell vorgesorgt und könnte eine Weile auch damit leben, keine Uhren zu verkaufen.

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