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Hightech aus dem Rödertal in die ganze Welt

Landkreis Bautzen 13.03.2019
Großröhrsdorfer Anlagenbauer der Firma Oni sorgen für wohltemperierte Maschinen: bei Bosch, Audi und vielen anderen Markenfirmen.

Dass es so schnell geht, hätten die Chefs Wolfgang Oehm und Falk Liebsch 2017 nicht gedacht. Damals zog die Firma ONI ins neue Firmengebäude im Großröhrsdorfer Gewerbegebiet Nord. Schon knapp zwei Jahre später plant die ONI Temperiertechnik Rhytemper GmbH die Erweiterung. Der Anlagenbauer platze aus allen Nähten. Die Auftragsbücher für die kommenden sechs Monate sind gefüllt.

Kunden weltweit von Brasilien bis Japan vertrauen inzwischen der Technik aus dem Rödertal. Es sind Spritzgießereien, die flüssigen Kunststoff in Form bringen. Ebenso Hersteller von Alu-Guss-Teilen. So entstehen Motorkomponenten für Autos oder Teile für die Innenverkleidung. Bis hin zu Drückern für die WC-Spülung und Kettensägen-Gehäusen. Bei der Herstellung ist viel Hitze und Druck im Spiel. Das Geheimnis der Großröhrsdorfer liegt – wie es schon der Name sagt – in ihrer Temperiertechnik für die Produktion. Die bringt die Werkzeuge punktgenau und im richtigen Moment auf die optimale Temperatur. So wird gekühlt oder auch erwärmt. Batterien von Ventilen und ein Netzwerk an Schläuchen sorgen dafür. Für den Laien mag es ein undurchsichtiges Dickicht von Bauteilen sein. Bei den Fachleuten sitzt jeder Handgriff. Sie montieren elektronische Steuerelemente und Schläuche in der Werkhalle. Sie schrauben an glänzenden Messingventilen und Rohren.

30 Prozent Energieeinsparung

Der Effekt ist für die Kunden enorm, versichert der Großröhrsdorfer ONI-Geschäftsführer Falk Liebsch: Die Großröhrsdorfer Technik verspricht bis zu 30 Prozent Energieeinsparung. Außerdem werden Produktionsprozesse beschleunigt und die Qualität der Produkte steigt. In kürzerer Zeit können mehr Teile vom Band laufen. Und Zeit ist Geld. So ist auch der Preisdruck für die Hersteller ein Grund, in Großröhrsdorfer Steuertechnik zu investieren. „Prozesse können so optimiert werden, dass sich die Hersteller sogar Investitionen in neue Maschinen sparen können“, sagt Falk Liebsch. Und die Umwelt schonen. Auch die Abluft werde wieder eingespeist und CO2 reduziert. Der Umweltgedanke sei Wolfgang Oehm, der geschäftsführende Gesellschafter und Inhaber des Mutterunternehmens in Lindlar bei Köln besonders wichtig, sagt Falk Liebsch.

Diese Möglichkeiten erkannten die Firmengründer 1997 – damals noch in Ottendorf-Okrilla als die Firma mit zwei/drei Leuten startete. Jetzt sind es über 50. So richtig durchstarten konnten die Großröhrsdorfer 2008 mit der mehrheitlichen Übernahme durch die Muttergesellschaft ONI-Wärmetrafo GmbH aus Nordrhein-Westfalen. Engagierte Mitarbeiter und Know-how vor Ort ergänzten sich mit den geschäftlichen Kontakten der Muttergesellschaft und einem klugen Vertriebskonzept. Marketing-Leiter Rüdiger Dzuban nennt zum Beispiel auch BMW, Bosch-Siemens, Liebherr und Mercedes Benz, die gewonnen werden konnten. Autozulieferer wie Magna setzten ebenso auf ONI wie der Druckgießer Georg Fischer in seinem Werk in North Carolina.

Im November 2018 verzeichnete die Temperiertechnik den höchsten Auftragseingang in einem Monat in der Firmengeschichte überhaupt, erklärt Wolfgang Oehm. So konnte für den November allein ein Auftragseingang in Höhe von über 1,8 Millionen Euro verbucht werden. Wurde noch vor fünf Jahren ein Umsatz von 5,2 Millionen Euro erzielt, so konnte für 2018 ein Umsatzvolumen von 10,8 Millionen Euro und damit eine Verdoppelung verzeichnet werden. Aktuell hat ONI Großröhrsdorf Aufträge mit einem Gesamtvolumen von 12,4 Millionen Euro. Ein Blick ins Hochregallager spricht Bände. Während die Monteure in der Produktion schrauben, haben die Kollegen vom Lager schon das Material für die nächsten Anlagen in Boxen zusammengestellt. Box an Box bis zur Decke. 20 Meter ist das Regal lang. So namhafte Hersteller wie Audi, der Maschinenbauer Krauss-Maffei oder Stihl – bekannt für seine Kettensägen – stehen auf den Begleitblättern. Diese Entwicklung verlangt nach dem Umzug 2017 erneut nach mehr Platz. Es ist gerade in der Montage viel zu eng geworden. Geschäftsführer Falk Liebsch rechnet gegen Jahresende mit den ersten Baggerarbeiten für den Neubau hinter der jetzigen Werkshalle. Die wird um 1 000 Quadratmeter erweitert. Mit der Einrichtung plant ONI eine Investitionssumme von 1,4 Millionen Euro. Im Obergeschoss sollen auch noch Büroräume entstehen. Und die Mitarbeiter erhalten einen neuen geräumigen Pausenraum.

„Für die Betriebserweiterung werden qualifizierte Fachkräfte gesucht“, sagt Wolfgang Oehm – unter anderem Industriemechaniker, Mechatroniker, Industrieelektroniker, Kunststoffformgeber. Er freut sich, dass die Unternehmensleistung nach der Anerkennung auf Wirtschaftsebene jetzt auch von politischer Seite wahrgenommen werde. Den großen Preis des Mittelstandes haben die Großröhrsdorfer schon eingeheimst. Im April will Sachsens Finanzminister Haß das Werk besuchen. Und für einen weiteren Wirtschaftspreis ist das Unternehmen schon nominiert.

 

Von Reiner Hanke

Foto: © Matthias Schumann

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