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Hirte meckert über die Politik, tut aber was

13.03.2020
Patrick Pietsch aus Königstein fordert eine Prämie für Ziegen- und Schafhalter schon ab 20 Tieren. Eine Petition ist nur der Anfang.

In Königstein ist er bekannt wie ein bunter Hund. In Sachsen könnte er sich jetzt auch viele Freunde machen - zumindest unter Tierhaltern. Ziegenhirte Patrick Pietsch aus Königstein hat eine Kampagne für Ziegen- und Schafhalter im Freistaat gestartet. Er kämpft dafür, dass kleine Betriebe bereits ab einer Größe von 20 Tieren eine finanzielle  Förderung bekommen. 

Im Moment gibt es nur für größere Betriebe eine Finanzspritze. Weidetierprämie heißt die Förderung, die das sächsische Kabinett im Sommer 2019 beschlossen hat. Pro Jahr und Alttier werden insgesamt 40 Euro ausgezahlt. Mit dem Geld sollen die Züchter Mehrausgaben kompensieren, die entstehen, um ihre Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen. Das Geld bekommen allerdings nur Betriebe, die mindestens 50 Tiere halten. Alles, was darunter angesiedelt ist, geht leer aus - so wie Patrick Pietsch. Der Ziegenhirte hält derzeit knapp 20 Tiere. Und damit zu wenige, um von der sächsischen Politik Beachtung zu finden. Eine Regelung, die der Königsteiner mehr als ungerecht findet. Größere Betriebe werden staatlich gestützt, kleinere nicht. "Das könnte künftig weitere kleine bäuerliche Betriebe zum Aufgeben zwingen", befürchtet er. 

Im vergangenen Jahr hätten nur zwölf Schaf- und Ziegen haltende Betriebe im gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Prämie beantragt. Einen Anspruch darauf hätten laut Statistik insgesamt 19 Landwirte gehabt. "Das liegt vorwiegend daran, dass die Region gar keine großen Schäfereien besitzt, weil die Kulturlandschaft das gar nicht hergibt, die kleinen Flächen aber trotzdem gepflegt werden müssen", erklärt Pietsch. 

Petition soll Druck auf Politiker erhöhen

Er fordert die Politik deshalb zu einem Umdenken auf und hat die Petition "Kultur.Weide.Elbtal" gestartet. Pietsch will sich dafür einsetzen, dass die Förderung für Ziegen- und Schafhalter bereits ab einem Mindestbestand von 20 Tieren ausgezahlt wird. In anderen Bundesländern wie Thüringen gilt diese Grenze bereits. 

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es laut Statistik deutlich mehr kleinere als größere Betriebe. Bei den Schafhaltern sind es knapp 60 Betriebe, die zwischen 20 und 50 Tiere zählen. Bei den Ziegenhaltern sind es immerhin vier. 18 Betriebe haben zudem mehr als 50 Schafe, bei den Ziegen ist nur ein Betrieb im Kreis mit dieser Größenordnung aufgelistet.  Ob 20 oder 50 Tiere: "Auch wenige Tiere machen Arbeit", weiß Patrick Pietsch. Gerade das sollte von der Politik honoriert werden. 

Kleine Schäfereien seien oft breit aufgestellt. Sie würden nicht nur Ziegen- oder Schafsmilch herstellen, sondern oft auch Gemüseanbau betreiben oder sich im Bereich Umweltbildung engagieren. "Diese Schäfereien arbeiten mit kleinen Tierbeständen und bewirtschaften meist sehr aufwendig unrentable Kleinstflächen", sagt Pietsch. Ohne sie würde die Landschaft verbuschen. Große Betriebe könnten ihre Produkte durch die Förderung zudem günstiger auf dem freien Markt platzieren. Pietsch sieht das als Wettbewerbsverzerrung. 

Der Ziegenhirte sieht durch die ungerechte Förderung auch die Artenvielfalt bedroht. Gerade kleine Betriebe würden mit unterschiedlichen Rassen arbeiten - angepasst an die Region und die Landschaft vor Ort. Sie würden dadurch für einen vielfältigen und stabilen Genpool sorgen. "Das ist nicht nur im Hinblick auf die Herausforderungen der Klimaveränderung züchterisch wertvoll", argumentiert Pietsch.

Eine Ungleichbehandlung sieht der Hirte auch im Hinblick auf die Bürokratie. Kleine und große Schäfereien müssten den gleichen Aufwand betreiben. Beide werden beispielsweise regelmäßig vom Veterinäramt und anderen Behörden kontrolliert. Die Anforderungen seien zuletzt stetig angestiegen. "Damit haben die kleinen Ziegen- und Schafhalter genauso zu kämpfen und müssen auch die gleichen Pflichten erfüllen wie große Betriebe", erklärt Patrick Pietsch. 

Ziegen-Patenschaft statt Fördergeld

Pietsch hofft, dass sich viele Menschen an seiner Petition beteiligen. Diese läuft noch bis Ende April. Wer nicht online eine Unterschrift geben will, kann ins Ziegen-Atelier nach Königstein, Bielatalstraße 13, kommen. Es ist dienstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Warten, bis die Politik sich bewegt, will Patrick Pietsch aber nicht. Er hat eine weitere Aktion gestartet, um kleinen Betrieben zu helfen. "Wer uns unterstützen will, kann Ziegen-Patenschaften übernehmen", kündigt Pietsch an. Diese kosten 40 Euro pro Tier und Jahr. Diese Summe entspricht genau der Förderhöhe, die große Schäfereien im Freistaat bekommen. "Dazu werden Ziegenbocklämmer, die sonst aus unwirtschaftlichen Gründen gleich nach der Geburt getötet werden, von einem befreundeten Ziegen-Projekt in Dresden aufgekauft", sagt er.

 

Von Katarina Gust

Foto: © Marko Förster

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