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Hofläden und Biokisten erzielen 2020 Rekordumsatz

19.02.2021
Der Öko-Anbau nimmt zu. Auch in Sachsen findet Bio immer mehr Anhänger. Das sorgt auch bei den Bauern für ein Umdenken.

Von Irena Güttel und Georg Moeritz

Wegen der Corona-Krise kochen viele Menschen mehr selbst – und auf den Tisch kommt verstärkt Öko-Ware. Im vergangenen Jahr erzielten die Bio-Lebensmittel einen Rekordumsatz von fast 15 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von mehr als 20 Prozent. Bio legte damit nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) doppelt so stark zu wie der Lebensmittelmarkt insgesamt.

„Da ist eine andere Wertschätzung entstanden“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch zur Eröffnung der größten Naturkostmesse der Welt, der Biofach in Nürnberg. Sie findet in diesem Jahr allerdings nur virtuell statt. Die Corona-Pandemie habe die Bewegung hin zu mehr Bio verstärkt, sagte Klöckner. Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) möchte diesen Trend verstetigen: Wenn Kunden mehr Wert auf artgerechte Tierhaltung legen, ist das eine Chance für spezialisierte Bauern.

Günther wirbt bei den Landwirten für mehr regionale Verarbeitung und Vermarktung. Sein Argument: Damit lasse sich auch mehr Geld verdienen. Zugleich würden Umwelt, Klima und Arten geschützt. Mit gut 16 Millionen Euro pro Jahr unterstützt Sachsen Biobauern über Flächenprämien während der Umstellungsphase. Außerdem gibt das Land Geld, damit sächsische Biobetriebe sich auf der Fachmesse in Nürnberg vorstellen.

Viele Höfe haben auf Bio umgestellt

Auf der Biofach und der parallel veranstalteten Naturkosmetikmesse Vivaness zeigen bis Freitag rund 1.400 Aussteller aus mehr als 80 Ländern ihre Neuheiten. Trends sind nach Angaben der Veranstalter unter anderem Fleisch-Ersatzprodukte, Lebensmittel mit weniger oder gar keinem Zucker, nachhaltige Verpackungskonzepte und Naturkosmetik ohne Wasser.

Aus Sachsen beteiligen sich allerdings lediglich sechs Unternehmen an der Messe, obwohl das Land die Hälfte der Kosten übernimmt. Mit dabei ist die Ölmühle Moog, die in Lommatzsch im Kreis Meißen und in Frankreich mit ihrer Marke Bio Planète 70 verschiedene Öle herstellt, ob aus Raps, Lein oder Walnuss. Fill-Systems aus Dresden stellt seine Abfüllmaschinen vor. Das Unternehmen ist spezialisiert auf cremige Produkte – etwa Honig.

Die deutlich gestiegene Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ließ sich laut Verband BÖLW dadurch bewältigen, dass viele Höfe in den vergangenen Jahren auf Bio umgestellt haben. Voriges Jahr bewirtschafteten in Deutschland mehr als 35.000 Höfe fast 1,7 Millionen Hektar Fläche ökologisch. Die Bio-Fläche stieg damit in einem Jahr um fünf Prozent. Für Sachsen machte Landwirtschaftsminister Günther folgende Rechnung auf: Mit nahezu 70.000 Hektar hat sich die Öko-Anbaufläche innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Nun wirtschaften zwölf Prozent der Landwirtschaftsbetriebe nach den Prinzipien des Öko-Landbaus. Die Erzeugergemeinschaft Ökobauernhöfe Sachsen mit mehr als 100 Bauern beteiligt sich auch an dem Messeauftritt.

Corona sorgt für Bio-Abokisten-Boom

Die Direkt- und Onlinevermarktung über Hofläden und Bio-Abokisten boomten nach BÖLW-Angaben im vergangenen Jahr. Ein Grund dafür könnte sein, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der Ansteckungsgefahr größere Supermärkte lieber mieden und stattdessen sich die Lebensmittel vor die Tür liefern ließen oder direkt beim Bauern kauften.

Eine weitere Erklärung liefert eine Umfrage des Marktforschungsinstituts AMM zur Glaubwürdigkeit von Bio. Danach genießen vor allem die Bio-Bauern großes Vertrauen. „Eine immer größere Zahl von Konsumenten sagt, sie beziehen am liebsten direkt vom Erzeuger“, sagte Studienleiter Joachim Riedl von der Hochschule Hof. An zweiter Stelle folgten Biofachhandel und danach die Wochenmärkte.

Die Abokisten-Betreiber brachte der vom ersten Lockdown ausgelöste Boom zum Teil an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Online-Shop sei unter den vielen Bestellungen zusammengebrochen, und man habe eine Zeit lang keine neuen Kunden mehr annehmen können, berichtet Franziska Rutscher vom Ökodorf Brodowin im brandenburgischen Eberswalde. Der beliefert mit seinem Ökokorb Berlin und Umland. „Wir haben plötzlich bis in die Nacht Kisten gepackt.“ In Eberswalde wurde eine zweite Packstraße eingerichtet.

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