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„Ich werde nicht das Handtuch schmeißen“

Dresden 08.01.2019
Die Städtischen Kliniken Dresden haben 2018 rund zehn Millionen Euro Verlust gemacht. Ihr Direktor sucht Lösungen.

Ein besonders schweres Jahr liegt hinter den Städtischen Kliniken. Im Interview erklärt der kaufmännische Direktor Jürgen Richter die Gründe, seine Lösungsideen für ein besseres, wirtschaftliches Ergebnis und äußert sich auch zu seiner Personalie.

Herr Richter, sind Sie denn mit einem guten Gefühl in das neue Jahr gestartet?

Ich glaube, ein gutes Gefühl kann man bei dem wirtschaftlichen Ergebnis 2018 nicht wirklich haben. Aber das Gefühl, dass wir nun alles eingeleitet haben, damit es dieses Jahr deutlich besser wird, das habe ich.

Was machen Sie denn, damit nicht wieder so ein hoher Verlust entsteht?

Das Sichtbarste war natürlich, dass der Stadtrat im Dezember den Wirtschaftsplan verabschiedet hat. Diesen setzen wir nun um. Darüber hinaus stellen wir sicher, dass wir unseren Anteil an der Versorgung leisten und dass der so attraktiv ist, dass viele Patienten zu uns kommen. Wir hatten auch 2018 schon sehr attraktive Abteilungen, die aber leider von internen Hemmnissen begrenzt waren.

Welche waren das?

Es fehlten Kapazitäten im OP oder auf der Intensivstation, zum Beispiel bei der Orthopädie, der Neurochirurgie, im Adipositaszentrum oder bei der Viszeralchirurgie. Diese Hindernisse haben wir ausgeräumt und die Kliniken so gestärkt, dass sie die nötige Leistungssteigerung hinkriegen.

Wodurch konnten Sie diese Probleme abstellen?

Wir haben in Neustadt zwei OP-Säle dazubekommen und in Friedrichstadt einen durch die Eröffnung von Haus N. Aber wir hatten nicht genügend Personal, um sie zu betreiben. Zuerst fehlten uns Funktionsdienste, später Ärzte. Wir haben etwa zehn neue Mitarbeiter gewonnen und bei den Ärzten umorganisiert. Es ist also eigentlich überschaubar. Aber es hat Kraft gekostet.

Um wie viel können denn die Fall- und Operationszahlen gesteigert werden?

Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr 2200 Fälle mehr als 2018 behandeln können. Das sind bei insgesamt 60 000 Fällen grob gerundet vier bis fünf Prozent. Das ist etwas mehr als das, was wir 2017 hatten. 2018 war dann ein richtig schlechtes Jahr.

Wieso war es denn am Ende in dieser Größenordnung so schlecht?

Wir hatten wandernde Kapazitätsprobleme. Von der Intensivstation über die Notaufnahme und dann am Schluss im OP. Das sind alles Bereiche, die untereinander nicht das Personal tauschen können. Wir konnten Fachkräfte für diese Bereiche auf einmal nicht mehr finden. Nun haben wir alle Auszubildenden übernommen und konnten einige in den OP steuern. Aber die werden eben nur einmal im Jahr fertig.

Vergangenes Jahr hatten Sie ja auch Probleme, Pflegestellen zu besetzen....

In diesem Bereich sind wir nun auf einem sehr hohen Niveau. Wir sind nah an einer vernünftigen Durchschnittsbesetzung mit 1 000 Pflegekräften. Offene Stellen haben wir keine. Aber eine noch bessere Besetzung würde dem Patienten noch mehr zugutekommen, also Zeit für persönlichen Kontakt oder besondere Maßnahmen ermöglichen. Dieses zusätzliche Personal wollen wir jetzt einstellen, wenn wir es finden. Dass wir im September alle 43 Lehrlinge übernommen haben, hat zu einem deutlichen Rückgang von zwei Dritteln der Belastungsanzeigen geführt.

Wiederholt blieben auch Arztposten lange frei. Haben Sie einfach ein schlechtes Betriebsklima?

Länger unbesetzt war nur der ärztliche Leiter der Thoraxchirurgie. Dort haben wir einen neuen Kandidaten, der zum 1. Juli kommt. Wir haben kein ungesundes Betriebsklima, aber Verbesserungsbedarf an der Stelle. Das ist vor allem eine Führungsaufgabe. Und es hängt auch noch mit der Fusion zusammen. Beide Standorte müssen sich dadurch ändern. Und der Prozess läuft noch. Manche sagen, diese Stimmungsphase sei typisch nach einer Fusion.

Aber die Fusion liegt ja schon zwei Jahre zurück. Wie lange soll es denn noch dauern, bis alles angepasst ist?

Bis man alles angepasst hat, nur noch ein oder zwei Jahre. Aber bis die Stimmung wieder im unkritischen Bereich ist, kann es schon noch länger dauern. Mir ist wichtig, dass es ab jetzt besser wird. Und wichtig ist natürlich auch, dass wir aus der Ergebnissituation mit den minus 9,8 Millionen Euro von 2018 herauskommen. So darf es nicht weitergehen. Die Leistungssteigerung ist das Schlüsselthema. Ich bin aber zuversichtlich, weil es realistisch ist.

Was wollen Sie tun? Nur noch besser bezahlte, komplizierte Fälle annehmen?

Nein. Ich will die Gesamtversorgung fördern und ich will, dass unsere Stärken anerkannt werden. Wir sind sehr gut geeignet für komplizierte Fälle. Und natürlich ist es betriebswirtschaftlich sinnvoll. Aber wir suchen uns nicht die Rosinen raus und machen auch keine OP, wenn sie nicht notwendig ist. Wir müssen die Leistungen steigern. Mit dem Personalschlüssel von 2018 sind wir dazu auch gut in der Lage, nur dass wir damals unser Ziel so verfehlt haben.

Das würde ja heißen, dass Ihr Personal 2018 unterfordert war.

Gefühlt nicht, kaufmännisch ja. Die Produktivität von 2017 zu 2018 ist gesunken. Die Dienste in der Klinik sind natürlich trotzdem ausgefüllt und anstrengend.

In den nächsten Jahren wollen Sie die Verluste bis auf 880 000 Euro senken. Wie soll das gehen?

Wir wollen die Fallzahlen jedes Jahr ähnlich steigern. 2020 ändert sich außerdem die Finanzierung der Pflege, sodass dann die Kosten am Krankenbett eins zu eins durch die Kassen ersetzt werden, unabhängig von den Fallpauschalen. Ein Teil unserer Probleme kommt ja auch daher, dass wir 2017 die neue Entgeltordnung hatten. Wir müssen jedes Jahr die Effizienz um ein bis zwei Prozent steigern, weil die Kosten für alle Nicht-Pflegekräfte auch weiterhin nicht komplett durch die Kassen gedeckt werden.

Wie viel Angst hatten Sie denn um Ihren Job zum Jahresende bei diesem hohen Verlust?

Ich habe keine Angst um meinen Job. Ich bin derjenige, der eine Antwort präsentiert. Ich stelle mich immer wieder innerlich selbst infrage, auch wenn ich meine, dass ich das sehr sehr gut darstellen kann, was wir vorbereitet haben. Ich werde selber nicht das Handtuch schmeißen. Ich möchte das Beste für das Klinikum und im Moment sind alle der Meinung, dass das mit mir zusammen am besten läuft.

 

Das Interview führte Juliane Richter.

Foto: © Marion Doering

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