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In Sachsen beginnt eine neue Silbersuche

20.07.2020
Seit Freitag werden die Bohrkerne in Freiberg von den Wissenschaftlern ausgewertet. Und es gibt erste Ergebnisse.

Von Stephan Schön

Freiberg. In einem Uralt-Bergbaugebiet unmittelbar vor Freiberg hat eine neue Suche nach Silber begonnen. Die Bohrungen laufen seit einigen Tagen schon. Und die ersten Bohrkerne sind nun am Freitag analysiert worden.

Die kanadische Firma Excellon Resources bohrt dort in den Berg, wo vor mehr als 750 Jahren der Silberbergbau einst begonnen hatte. 15 Bohrungen bis zu 450 Meter tief sind auf dem 165 Quadratkilometer großen Areal geplant. 2.500 Meter Bohrkerne werden es einmal sein. Strategischer Partner für die Bohrkernanalyse ist das Freiberger Ressourcen-Institut HIF, welches zum Helmholtz-Zentrum Dresden Rossendorf gehört. Auch die Bergakademie Freiberg ist mit ihren Forschern, mit dem Wissen von der Region und Geräten beteiligt. Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam bei der neuen Erzsuche, das gab es hier in den letzten Jahren so noch nicht.

Als die aufgesägten Bohrkerne vergangenen Freitag in den Scanner kommen, ist die SZ dabei. Die HIF-Wissenschaftler nutzen eines der weltweit modernsten Scannverfahren für Gestein. „Dieser Scanner ist ein Gerät mit 400 Augen“, sagt Richard Gloaguen, verantwortlich für diese optischen Analysen. Diese Multispektralkamera betrachtet den Bohrkern also mit bis zu 400 Lichtspektren gleichzeitig. Die Minerale verraten so ihr Vorhandensein und vor allem ihren chemischen Zustand und damit die Verwertbarkeit. Das ist wichtig für die Prognose vom HIF, ob und wie die Minerale sich aufarbeiten lassen. Neben Silber werden Blei, Zink, Indium und Germanium vermutet, auch Gold.

Was üblicherweise Tage braucht, passiert mit dem Scanner in Sekunden. Erste Ergebnisse liefert der Computer in Echtzeit. Die alles entscheidende Frage ist nun: Silber oder nicht Silber? „Wir sind geologisch in der richtigen Position“, sagt Jens Gutzmer, Institutsleiter vom HIF. Und setzt hinzu: „Wir haben Pfadfinderminerale für silberreiche Fundstätten gefunden.“ Diese zeigen zumindest schon mal, dass hier im Berg die Voraussetzungen für die Entstehung von Silbererz in geologischer Vorzeit vorhanden waren.

Excellon selbst erhält die anderen halben Bohrkerne für die exakte stoffliche Analyse. Alles zusammen könnte noch vor Jahresende zum Ergebnis kommen. Die detaillierte Auswertung wird dann das Bergbauunternehmen Excellon vorlegen. Bestätigen sich die Silber-Vermutungen und alten Berichte des vergangenen Bergbaus hier, dann würde wohl eine zweite und dritte Bohrstaffel folgen, sagt Gutzmer. Aber das sei noch völlig offen. Wenn alles extrem gut laufe, dann könnte, wenn überhaupt, vielleicht in sieben bis zehn Jahren mit einem Bergwerk begonnen werden.

Yuleika Madriz prüft die Qualität der Bohrkernaufnahmen, die mit hyperspektralen Sensoren erfasst werden.
Yuleika Madriz prüft die Qualität der Bohrkernaufnahmen, die mit hyperspektralen Sensoren erfasst werden. © HZDR/Detlev Müller

Kommt der Silberbergbau zurück?

Ein kleines Bergwerk wäre dies sicher, nur, nicht vergleichbar mit den großen Kupferminen in Polen beispielsweise. Aber selbst das würde wohl Millionenbeträge kosten. Allein die ersten 15 Bohrungen sollen den Angaben zufolge eine Million kanadische Dollar teuer sein.

Nach 150 Jahren Pause könnte damit der Silberbergbau nach Sachsen zurückkommen. Und anders als jemals zuvor wird nun mit modernster Wissenschaft nach dem Silber im Berg gesucht. Das geschah nie, obwohl hier offenbar so ziemlich die ertragreichsten Silber-Vorkommen vermutet werden.

Der Silberbergbau wurde Ende 19. Jahrhundert beendet, als Silber kein Zahlungsmittel mehr war. Die Lagerstätten sind damit noch vorhanden, sagt Jens Gutzmer. Während in normalen Bergwerken weltweit Vorkommen mit 100 Gramm Silber je Tonne abgebaut würden, seien hier Anteile im Kilogrammbereich zu erwarten. So viel, wie in der weltweit besten Lagerstätte in Mexiko auch. Und genau dort fördert Excellon bereits Silber.

Und Silber wird mehr denn je benötigt. Nicht für Münzen wie in der Freiberger Bergbauzeit damals. Die Mikro- und Nanoelektronik sowie die Hochtechnologie überhaupt brauchen diesen Rohstoff. Es ist der zweite Silberboom. Möglicherweise wieder aus Freiberg.

Robert Zimmermann vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie bereitet die Bohrkerne für die hyperspektralen Untersuchungen vor. Um zwei glatte Hälften zu bekommen, zersägt er sie in die Hälfte.
Robert Zimmermann vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie bereitet die Bohrkerne für die hyperspektralen Untersuchungen vor. Um zwei glatte Hälften zu bekommen, zersägt er sie in die Hälfte. © HZDR/Detlev Müller

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