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In Sachsen werden Wachleute knapp

23.11.2021
Sächsische Fachgeschäfte verlangen am Eingang den Impfnachweis. Alle Betriebe müssen eigene Angestellte ab Mittwoch kontrollieren – wie geht das?

Von Georg Moeritz 

Dresden. Sachsens neue Corona-Schutzregeln zwingen viele Unternehmer, rasch Kontrollen an Ladentüren und Personal-Eingängen zu organisieren. Andreas Sperl, Präsident der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK), befürwortete am Montag zwar die neuen 3G-Regeln für Arbeitsplätze. Doch sie kämen „sehr schnell“ und machten viele Umstellungen nötig, sagte Sperl.

Seit Montag gelten die sächsischen Regeln, die als „Wellenbrecher“ die Pandemie bremsen und bis zum dritten Adventssonntag gelten sollen. Von Mittwoch an gelten zudem die neuen Vorschriften des Bundes für den Zugang zu Arbeitsstätten.

Laut IHK-Sprecher Lars Fiehler in Dresden ist nun Sachsens „Security-Branche quasi ausgebucht“ und hat die Preise erhöht. Fachgeschäfte dürfen in den kommenden drei Wochen nur noch Kunden einlassen, die 2G nachweisen, also geimpft oder genesen sind.

Hotelgäste müssen bis Mittwoch abreisen

Viele Geschäfte brauchen daher jetzt zusätzliche Kontrolleure – auch innerhalb von Einkaufszentren. Kontrolleure gleich an den Haupteingängen der Einkaufspassagen sind laut Fiehler nicht sinnvoll, denn Lebensmittelläden und Drogerien dürfen weiterhin ohne Ausweiskontrolle betreten werden. Für Buchhandlungen und Blumengeschäfte gilt dagegen 2G, obwohl sie bei früheren Corona-Regeln zeitweise Vorrechte hatten.

Sachsens Hotels dürfen seit Montag keine Touristen mehr aufnehmen, nur noch Geschäftsreisende. Wer sich auf einen längeren Urlaub in einem sächsischen Hotel eingestellt hat, muss wieder abreisen – laut Fiehler spätestens am Mittwoch, bis dahin werde nicht kontrolliert.

Sachsens Landestourismusverband klagte am Montag, der „gesellschaftliche Kraftakt“ gegen die Pandemie sei zwar nötig, treffe manche Wirtschaftsbereiche aber unverhältnismäßig stark. Eine 2-G-Regelung für Touristen in Hotels wäre verhältnismäßig gewesen, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Markert, der Präsident des Verbandes ist.

Was findet jetzt noch statt? Der Elbeflohmarkt an der Dresdner Albertbrücke war am Sonnabend noch gut besucht und bot auch Glühwein - nun fällt er laut Veranstalter Melan erst einmal aus.
Was findet jetzt noch statt? Der Elbeflohmarkt an der Dresdner Albertbrücke war am Sonnabend noch gut besucht und bot auch Glühwein - nun fällt er laut Veranstalter Melan erst einmal aus. © Georg Moeritz

Internetseite des Ministeriums überlastet

Mit Fragen zu den neuen Einlasskontrollen an Arbeitsstätten wandten sich am Montag viele sächsische Unternehmer an die Hotline der IHK. Die Internetseite des Bundesarbeitsministeriums mit Fragen und Antworten war zeitweilig schwer zu erreichen.

Sächsische Firmenchefs wollten beispielsweise wissen, ob die Zeit für Corona-Schnelltests von ungeimpften Mitarbeitern als Arbeitszeit gilt (nein, außer bei Zustimmung des Arbeitgebers) und wie lange sie die Listen aufheben sollen – wegen des Datenschutzes müssen sie spätestens nach sechs Monaten vernichtet werden.

Manche Betriebe wie die Elbe-Flugzeugwerke unter Leitung des IHK-Präsidenten Sperl stellen nun ein Zelt zur Kontrolle vor den Eingang. Sperl sagte, Mitarbeiter-Ausweise mit Zugangs-Chip müssten blockiert und nach dem 3-G-Nachweis wieder freigegeben werden. Die Dokumentationspflichten dagegen sind laut Arbeitsministerium nicht schwer: Es genügt ein Haken auf einer Liste mit Zu- und Nachnamen der Beschäftigen.

Lieferschwierigkeiten bei Corona-Schnelltests

Wer sein EU-Impfzertifikat einmal vorgezeigt hat, kann danach von den täglichen Zugangskontrollen ausgenommen werden. Allerdings muss der Nachweis für Behördenkontrollen bereitgehalten werden, zum Beispiel im Spind. Bei Genesenen rät das Bundesarbeitsministerium den Arbeitgebern, das Ablaufdatum des Nachweises zu dokumentieren.

Alle anderen Beschäftigten brauchen einen Corona-Schnelltest, der zum Zeitpunkt der Zugangskontrolle höchstens 24 Stunden alt ist, oder den teuren PCR-Test, der 48 Stunden alt sein darf. Tests unter Aufsicht am Eingang sind erlaubt. Aber der Arbeitsplatz darf erst betreten werden, wenn ein negatives Testergebnis vorliegt. Derzeit gibt es Lieferschwierigkeiten bei Schnelltests, das steht auch an manchen Drogeriemärkten.

Wer hilft der Weihnachtsbranche?

Der stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Tino Günther klagte am Montag, die Absage der Weihnachtsmärkte treibe „die gesamte Weihnachtsbranche in Sachsen an den Rand des Ruins“. IHK-Sprecher Fiehler sagte, viele Händler hätten Lebensmittel und Saisonartikel bezahlt, die sie sonst mit hoher Gewinnspanne auf Weihnachtsmärkten verkaufen könnten und nun höchstens noch online oder in Buden vor Einkaufszentren loswürden.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sagte, auch für Weihnachtsmärkte gelte die Überbrückungshilfe III plus, und über eine Anschlussregelung werde mit dem Bund gesprochen. Die Überbrückungshilfe ersetzt allerdings nicht alle Ausfälle und ist laut Günther „viel zu bürokratisch“. Sie deckt Fixkosten ab, beispielsweise Mieten.

Aber auch der Wertverlust von verderblichen Lebensmitteln und Saisonware lässt sich berechnen, sodass zumindest ein Teil der Einkaufskosten vom Staat übernommen werden kann. Steuerberater müssen bei den Anträgen beteiligt werden, wie bei früheren Corona-Hilfsprogrammen.

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