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In Sachsens Gastronomie soll Kollegin Roboter helfen

27.07.2022
Am Lichtenhainer Wasserfall lässt sich Wirtin Elisabeth König vom Roboter Resi helfen. Andere Gastwirte in Sachsen setzen auf den digitalen Türöffner.

Von Georg Moeritz

Sebnitz. Wer sich für Technik interessiert, war am Lichtenhainer Wasserfall bei Bad Schandau schon immer richtig: Die Kirnitzschtalbahn fährt elektrisch durchs Tal, und der Wasserschwall wurde alle halbe Stunde in Gang gesetzt, wenn sich genügend Flüssigkeit angesammelt hatte.

Seit dem Unwetter vom Juli vorigen Jahres stehen Besucher zwar oft enttäuscht vor dem Rinnsal, denn das Staubecken muss noch repariert werden. Doch dafür wartet die Wirtin Elisabeth König in ihrer Gaststube nebenan mit einer neuen Attraktion auf: Der Service-Roboter Resi rollt heran.

Resi kann vier Tabletts aufnehmen und zum Tisch und zurück transportieren. Auf ihrem Display zeigt sie manchmal ein Comic-Katzengesicht und maunzt, wenn jemand die Kante streichelt. Wirtin König führt noch eine Sonderfunktion vor: das Geburtstagsständchen aus dem Lautsprecher, begleitet von blinkendem Blaulicht. Nach acht Stunden Einsatz braucht Resi allerdings eine Pause und frischen Strom.

Roboter soll Kellner entlasten, nicht ersetzen

Der Roboter zum Preis eines Kleinwagens ist für Elisabeth König keine Spielerei. Sie will damit auch keinen ihrer 15 Angestellten und Auszubildenden ersetzen. Vielmehr soll der Roboter Kellner entlasten, schließlich geht die Trage-Arbeit auf den Rücken.

Vielleicht hilft ihr die Vorreiterrolle bei Technik sogar beim Werben um neue Mitarbeiter: „Fachkräfte wachsen leider nicht mehr auf Bäumen“, sagt König. Sie hat den Betrieb vor fünf Jahren von ihrem Vater übernommen und ist nun Unternehmerin in fünfter Generation.

In Bewegung: Service-Roboter Resi hilft beim Servieren in der Gaststube. In den Biergarten schafft sie es aber noch nicht.

In Bewegung: Service-Roboter Resi hilft beim Servieren in der Gaststube. In den Biergarten schafft sie es aber noch nicht. © Jürgen Lösel

Als Tourismus- und Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) die Gaststätte und die Pension mit elf Zimmern am Montag besichtigte, sprach König sie gleich auf Fördergelder zur Reparatur des Wasserfalls an. Außerdem überlegt die ideenreiche Wirtin, wie sie den Roboter Resi auch im Biergarten einsetzen kann – denn noch schafft es die elektrische Servicehilfe nicht über die Straße und über die Schienen der Kirnitzschtalbahn. Auf der anderen Straßenseite steht allerdings auch schon ein Softeis-Automat: Bitte zwei Euro einwerfen, Waffel einsetzen, Sorte wählen.

Fast die Hälfte der Wirte bieten noch keine Online-Buchung

Weil nicht alle Wirte wie Elisabeth König zwischen Küche und Service noch den Kopf für neue Ideen frei haben, bekommen sie Beratung auf Staatskosten. Ministerin Klepsch verwies auf eine halbe Million Euro, die für Digital-Coaching bereitstehen.

Der Landestourismusverband hat ein fünfköpfiges Team zusammengestellt, das schon die ersten Gastronomen im Projekt „Tourismus 360 Grad digital“ beraten hat. Die haben nämlich meistens auch keine Zeit, Tagungen und Messen zu besuchen, sondern brauchen individuelle Tipps.

Vor dem Wasserfall hält die Kirnitzschtalbahn, in der Gaststätte rollt der Roboter.

Vor dem Wasserfall hält die Kirnitzschtalbahn, in der Gaststätte rollt der Roboter. © Jürgen Lösel

Berater Torsten Meier beispielsweise hat mit Pensionswirten im Erzgebirge über eine bessere Online-Sichtbarkeit gesprochen. Fast alle Gastronomiebetriebe in Sachsen haben zwar längst eine Internetseite, weiß der Direktor des Landestourismusverbands, Manfred Böhme. Doch fürs Handy müsse die häufig noch verbessert werden. Und fast die Hälfte der Unternehmen ermöglicht noch keine Buchungen über Internetportale sowie bargeldloses Bezahlen.

Viele Wirte wünschen sich auch bessere Software fürs Bestellen, fürs Disponieren des Personals und die Zeit-Abrechnung. Böhme sagt, in Österreich und in der Schweiz seien die Tourismusverbände häufig einen Schritt weiter als hierzulande. Auch dort gebe es Berater für die Digitalisierung. Doch ihre Arbeit sei vor allem auf den Umgang mit den Kunden ausgerichtet. Es gebe "ein Riesenleck" bei moderner Technik für interne Prozesse.

Kontaktloses Türöffnen im Hotel per Smartphone

Über Fördermöglichkeiten wüssten die Chefs oft zu wenig, sagt Böhme. Eigenes Kapital aber fehle vielen nach der Corona-Durststrecke. Ein Leitfaden des Verbands über digitale Werkzeuge listet auf, was alles technisch möglich ist. Dazu gehört auch der E-Concierge, also die digitale Kommunikation mit den Hotelgästen.

Schon bietet etwa das Hotel Elbpromenade in Bad Schandau zur Begrüßung das elektronische Tablet mit allen Informationen, und als Türöffner dient ein Code auf dem Smartphone. Zimmer-Schlüssel oder -Karten werden überflüssig, dafür hat auch der Mikrochip-Hersteller Infineon kontaktlose Technik erfunden. Berater Meier hat auch schon Gespräche mit Wirten über digitale Schließsysteme geführt, allerdings haben nach seiner Erfahrung meistens andere Themen Vorrang.

In Elisabeth Königs Pension gibt es den elektronischen Chip am Schlüsselbund, der die Tür öffnet – auch zum „Komfort-Einzelzimmer Burg Stolpen“. Jedes Zimmer hat einen Namen, dazu sind passende Großfotos zu sehen. Selbst die bodengleichen Duschen sind mit Fototapeten mit Motiven der Sächsischen Schweiz dekoriert. Der Weg zu den Zimmern im ersten Stock führt vorbei an Wäscherutsche und Schuhputzautomat. Technik hilft.

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