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In Zittau wird bald Militärtechnik produziert

08.07.2021
Die Firma Vimtec aus Hainewalde wächst und zieht auf eine viel größere Fläche nach Zittau. Im Oktober soll es losgehen. Parallel dazu wird noch angebaut.

Von Holger Gutte 

Zittau. Im Gewerbegebiet an der Hörnitzer Straße im Zittauer Ortsteil in Pethau tut sich etwas. Bald soll dort unter strengster Geheimhaltung produziert werden. Silvio Leschke will hier eine deutlich größere Produktionsstätte bauen, als er sie jetzt noch für seine beiden Firmen Gemtec und Vimtec in Hainewalde hat. Dafür hat er das Grundstück gleich linksseitig an der Einfahrt zum Gewerbegebiet, wo unter anderem auch OBI angesiedelt ist, gekauft. "Seit Freitag ist der Kauf nun perfekt. Wir hatten den Vorbesitzer noch etwas Zeit zum Beräumen gegeben", sagt der Geschäftsführer.

Während die Firma Gemtec fest montierbare Überwachungs- und Übertragungseinheiten - wie etwa für Sparkassen, Banken, Justizvollzugsanstalten, Abschiebehaften und Psychiatrien - entwickelt und baut, bietet das eigenständige Unternehmen Vimtec eine Alternative zu fest installierten Videokameras an. Vimtec produziert, vermarktet und vertreibt mobile Überwachungs- und Übertragungseinheiten, wie sie beispielsweise die Polizei verwendet. Die Videoüberwachung spielt eine immer größere Rolle bei der Kriminalitätsbekämpfung. Sie lässt sich je nach Einsatzort und Bedarf installieren. Selbst bei größter Dunkelheit können Personen erkennbar ran gezoomt werden.

Schon vor Corona stießen die mobilen Überwachungseinheiten aus Hainewalde bei der internen Polizeimesse auf großes Interesse. Nur unter strengster Geheimhaltung können die Produkte von Gemtec und Vimtec oftmals präsentiert werden. Die Auftragslage von Vimtec ist so gut, dass die angemietete Produktionshalle in der Talstraße 84 in Hainewalde nicht mehr ausreicht. "Deshalb ziehen wir mit Vimtec komplett nach Zittau-Pethau um", sagt Silvio Leschke.

Das Gebäude von ehemals "Dirk's Garage" im Gewerbegebiet an der Hörnitzer Straße 1 im Zittauer Ortsteil Pethau das nun die Firma Vimtec für sich ausbaut.
Das Gebäude von ehemals "Dirk's Garage" im Gewerbegebiet an der Hörnitzer Straße 1 im Zittauer Ortsteil Pethau das nun die Firma Vimtec für sich ausbaut. © Matthias Weber/photoweber.de

Der neue Standort ist die ehemalige "Dirk's Garage" in der Hörnitzer Straße 1. Das Gebäude wird dafür vollkommen umgebaut und energetisch saniert. Der Zweigeschosser ist zur Wendezeit gebaut worden. Um im Erdgeschoss die Produktionshalle sowie Sanitär- und Umkleideräume für die Mitarbeiter, Lager und die Warenannahme einrichten zu können, wird die Raumaufteilung total verändert. Im Obergeschoss befinden sich dann die Büros und die komplette Entwicklungsabteilung.

An die etwa 1.000 Quadratmeter große bestehende Halle wird noch ein 600 Quadratmeter großer Neubau drangesetzt, sodass beide Gebäude ineinander übergehen. Zum Vergleich: Die derzeitige Produktionshalle in Hainewalde misst gerade einmal 300 Quadratmeter.

Noch in diesem Jahr im Oktober will Silvio Leschke erst einmal mit der Produktion im Altbau beginnen. Für das Frühjahr 2023 ist dann der vollständige Umzug von Vimtec nach Pethau geplant. Dann soll auch der Neubau schon mit genutzt werden.

Seit der Zustimmung in der jüngsten Zittauer Stadtratssitzung ist nun auch geklärt, wie größere Lieferfahrzeuge auf das Grundstück fahren können. Der Parkplatz davor gehörte der Stadt. Das etwa 1.150 Quadratmeter große Grundstück kauft der Geschäftsführer ebenfalls. Da der Parkplatz auch als Zufahrt zum Mercedes-Autohaus genutzt wird, ist vertraglich ein Wegerecht zugesichert.

Für die Zufahrt zu Vimtec wird der Parkplatz allerdings etwas anders gestaltet. Parkflächen sollen aber weiterhin bleiben. Schließlich werden die für die eigenen Mitarbeiter gebraucht.

"Vimtec besteht inzwischen aus drei Sparten", berichtet der Geschäftsführer. Zu der bisherigen mobilen Sicherheitstechnik sind spezielle Video-Überwachungsanlagen zur Absicherung von Baustellen und ganz neu auch Anlagen für die Wehrtechnik hinzugekommen.

"Wir bauen jetzt schon seit einem halben Jahr Trägersysteme zur Abwehr von unbemannten Fluggeräten", verrät der Firmeninhaber. Die werden beim Militär zum Bekämpfen und Überwachen von Drohnen eingesetzt. Ein Prototyp wird bereits für einen Rüstungskonzern gebaut.Das schon jetzt eingezäunte Grundstück im Pethauer Gewerbegebiet erstreckt sich über 7.500 Quadratmeter. Es reicht von der Einfahrt zum Gewerbegebiet bis kurz vor die Eisenbahnbrücke. Der Geschäftsführer hat erst einmal das Grundstück von Wildwuchs befreien lassen. Weitere Firmenbauten sind erst einmal nicht vorgesehen. Falls aber doch Bedarf für eine Firmenerweiterung besteht, wäre der Platz dafür vorhanden.

Schließlich sprechen die Reverenzen von Gemtec und Vimtec für sich. Vier ihrer großen mobilen Bewachungseinheiten sind beispielsweise schon beim G-20-Gipfel in Hamburg 2017 im Einsatz gewesen. Trotz der Randale dort überstanden damals alle Wagen unbeschadet den Einsatz.

In mehreren Bundesländern setzt die Polizei inzwischen auf die mobile Video-Technik von Vimtec. Sie kommt bei verdeckten Ermittlungen, Fanmärschen, Weihnachtsmärkten und anderen Großveranstaltungen in Berlin, Hamburg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen zum Einsatz. Von der hessischen Polizei hatte Vimtec vor einem Jahr einen Rahmenvertrag bis 2021 für mehrere Fahrzeuge erhalten. "Der gilt noch", sagt der Geschäftsführer. Die Hightech-Produkte aus Hainewalde haben auch das Interesse der Bundespolizei in Potsdam geweckt. Paradoxerweise allerdings noch nicht in Sachsen, wo eigentlich der Firmensitz der beiden Hersteller-Unternehmen liegt.

Die Mitarbeiterzahl von Vimtec wird sich von sechs auf 20 erhöhen. Und auch zu den 60 Beschäftigten von Gemtec kommen drei weitere hinzu. Die beiden Unternehmen bilden zudem auch zwei Lehrlinge aus.

"Unser Verwaltungssitz bleibt aber in Hainewalde. Auch der Firmensitz von Gemtec", betont Silvio Leschke. In Hainewalde wird nach dem Umzug von Vimtec lediglich die angemietete Produktionsstätte in der Talstraße aufgegeben.

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