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Jahrestag mit Schnapszahl

Landkreis Mittelsachsen 10.10.2018
Die Firma Raumausstattung Dietrich wurde vor 55 Jahren gegründet. Gardinen gehen damals wie heute.

Döbeln. Jens Dietrich steckte fast noch in den Windeln, als sein Vater Manfred am 1. Oktober 1963 eine Tapezierwerkstatt eröffnete. Tapezierer – der Name führt in die Irre. Mit dem Tapezieren von Wänden hat der Beruf nicht zu tun, auch wenn es die Lehrlinge in der Ausbildung noch lernen, sagte Jens Dietrich, der heute die Geschäfte im 55. Jahr weiterführt. Der Tapezierer ist damals wie heute mit Dekorationen, Polstermöbeln und Fußböden beschäftigt. Also mit allem, was in eine Wohnung gehört.

Begonnen hatte alles in einer Werkstatt in der Fronstraße. 1970 kaufte Manfred Dietrich ein Haus in der Marktstraße, das die Firma heute noch nutzt. Das eigentliche Ladengeschäft mit Werkstatt ist 1993 an der Zwingerstraße neu gebaut worden. Dort verkauft und arbeitet die Firma bis heute. Im Laufe der Jahre gab es immer ein Auf und Ab. „Bis 1996 hatten wir viel zu tun, danach ließ der Bedarf wieder nach“, sagte Jens Dietrich. Derzeit laufen die Geschäfte gut. Allerdings ist es ein aussterbendes Handwerk. Viele Betriebe seien in den vergangenen Jahren verschwunden, oft, weil der Chef in den Ruhestand gegangen ist, erzählte Dietrich. 

Jens Dietrich hatte ab 1978 bei seinem Vater den Beruf des Facharbeiters für Polstertechnik gelernt, später seinen Meisterabschluss gemacht und 2001 das Geschäft übernommen. Der Beruf gewinnt wieder an Bedeutung. Früher ließen sich die Leute aufgrund des Mangels in der DDR ihre Möbel wieder neu aufpolstern und beziehen. Heute finden die Kunden im Überfluss oft nicht die Polstermöbel, die ihnen gefallen, und lassen sich die alten auffrischen, sagte Jens Dietrich. Gardinen sind damals wie heute gefragt. Außerdem verlegt die Firma Fußböden. Im Sommer fragen die Kunden auch häufiger nach Sonnen- und Insektenschutz.

Ehefrau Birgit ist seit 25 Jahren dabei. Ihr Reich ist das Ladengeschäft, dessen Regale voll sind mit Stoffen und den Mustersätzen der Hersteller. Der Beratungsbedarf der Kunden ist groß. Es sei ein großes Puzzlespiel, unter den vielen Mustern der Hersteller nach den Wünschen der Kunden die richtige Auswahl zu treffen, sagte sie. „Dienstleistung wird bei uns großgeschrieben.“ Die Gardinen werden im Haus genäht. In der Firma arbeiten neben dem Meister fünf Mitarbeiter.

 

 

Von Jens Hoyer

Foto: Dietmar Thomas

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