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Jede zweite Baufirma findet keinen Nachwuchs

07.10.2019
Die Personalnot wird für viele Unternehmen in Sachsen zur Existenzfrage. Der Verbandschef sieht ein dauerhaftes Imageproblem.

Sachsens Baufirmen leiden unter akuter Personalnot. Laut Robert Momberg, Chef des Bauindustrieverbands Ost, ist das Problem für viele Unternehmen sogar „existenziell“. Hatte sich die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe des Freistaats seit Mitte der 1990er-Jahre ohnehin schon mehr als halbiert, verschärft sich die Situation weiter.

Laut dem Verband, Sprachrohr von 260 größeren Firmen in Sachsen, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit rund 20 000 Beschäftigten, konnte nur jeder dritte Betrieb den durch anhaltenden Bauboom hohen Personalbedarf decken. Der Fachkräftemangel habe 2018 die Bautätigkeit jedes fünften Unternehmens behindert, heißt es nach Auswertung einer Umfrage. Zehn Jahre zuvor habe darüber nur jeder 50. Betrieb geklagt. In fast drei von vier Betrieben fehlen vor allem Maurer, Beton- und Gerüstbauer sowie Bauingenieure.

Die Personalnot wird sich noch verschärfen, weil bis 2030 rund 17 000 Beschäftigte, fast jeder Dritte, in Rente geht und der nötige Nachwuchs fehlt. 2018/19 konnte nur jeder zweite Betrieb seine Lehrstellen besetzen. Der zuletzt leichte Zuwachs stützt sich auf Zuwanderung. Weil sich Großbetriebe billiger Subunternehmen bedienen, spricht auf vielen Baustellen oft höchstens noch der Polier Deutsch.

Nicht nur das Problem sei bei den Unternehmen angekommen, „auch das Bewusstsein, dass, wer sich jetzt nicht kümmert, allein durch dieses Thema unternehmerisch scheitern kann“, sagt Hauptgeschäftsführer Momberg im Interview.. Zwar gebe es betriebliche Defizite, doch für ausreichende Ausbildungsbefähigung müsse die Gesellschaft sorgen. Die Schulabgänger seien „oft nicht in der Lage, sich im Bewerbungsgespräch, geschweige im Arbeitsprozess, einzubringen“.

Laut Momberg hat der Bau ein „dauerhaftes Imageproblem“. Der Beruf sei sichtbar, hörbar, dreckig, meist draußen und „erst auf den zweiten Blick sexy“. Digitalisierung soll die Jobs attraktiver machen. Am Bau, der lange kaum Produktivitätssprünge gemacht habe, sei sie der Schlüssel für viele Probleme: vom iPad auf der Baustelle bis zum 3-D-Druck von Bauteilen und Drohnenflügen zur Bauwerkserkundung.

Bleibt die Entlohnung. Wegen geringer Tarifbindung wird im Osten, vor allem in kleinen Betrieben, nur der Mindestlohn für Hilfskräfte von 12,20 Euro gezahlt. Momberg ist gegen Einführung der im Westen geltenden zweiten Untergrenze von 15,20 Euro für Facharbeiter – wegen Plausibilität und Bürokratie. Er sei für eine höhere Tarifbindung. Dann müssten öffentliche Auftraggeber aber auch nicht mehr die billigsten, sondern die wirtschaftlichsten Angebote einholen.

 

Von Michael Rothe

Foto: © Jan Woitas/dpa
 

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