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Jenoptik baut neues Werk für 70 Millionen Euro in Dresden

12.09.2022
Der Konzern aus Thüringen stemmt die größte Investition in seiner Firmengeschichte in Sachsen. Aus einem ganz bestimmten Grund.

Von Nora Miethke

DresdenJenoptik ist kein Neuling im Silicon Saxony. Der Technologiekonzern aus Thüringen ist schon seit 2007 in Dresden aktiv und produziert seit gut acht Jahren in der Landeshauptstadt photonische Module für die Maschinen, mit denen die Chiphersteller dann die winzig kleinen Halbleiter fertigen, die überall so dringend gebraucht werden. 60 Mitarbeitende zählt Jenoptik in Dresden, die jedoch als Untermieter bei der Frauenhofer-Gesellschaft tätig sind.

Das wird sich ändern. Am Dienstag startete das ostdeutsche Unternehmen den Bau seiner Hightech-Fabrik im Dresdner Norden, gleich neben dem Chipwerk von Bosch. Dort sollen ab 2025 Mikrooptiken und Sensoren gefertigt werden, die hauptsächlich in Anlagen für die Halbleiter-Lithografie zum Einsatz kommen. Mit der Fabrik sollen noch einmal zusätzlich 60 Arbeitsplätze hinzukommen.

Mit mehr als 70 Millionen Euro Finanzierungskosten ist es die höchste Einzelinvestition in der Firmengeschichte von Jenoptik. Das Unternehmen hatte auf Fördermittel im Rahmen der europäischen IPCEI-Großprojekte für die Mikroelektronik gehofft, kam mit seinen Anträgen jedoch zu spät. Die Sachsen zustehenden Mittel für die Förderung der Mikroelektronik waren laut Michael Kretschmer alle schon verplant. „Umso mehr freut es mich, dass sie das Projekt dennoch durchziehen“, sagte der sächsische Ministerpräsident am Dienstag beim Spatenstich für die neue Reinraumfabrik. Dies sei ein wichtiges Signal für die Halbleiterindustrie.

Nicht nur produzieren, auch forschen

Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen, schloss sich der Einschätzung seines Chefs an. „Die Investition des traditionsreichen Unternehmens wird den Mikroelektronikstandort weiter stärken“, so Horn. Jenoptik baue seine Position als wichtiger Teil der Wertschöpfungskette für die Ausrüstung von Chipfabriken aus, was wiederum positiv für den Dresdner Standort sei. Das Unternehmen will in der neuen Fabrik nicht nur produzieren, sondern auch forschen. Deshalb wäre diese Investition eine Win-Win-Situation. Die Hochschulen bilden die gesuchten Fachkräfte aus, und Jenoptik bekommt mehr Sichtbarkeit, um als internationaler Arbeitgeber weltweit Wissenschaftler anzuziehen.

Der Photonik-Spezialist hat sich bewusst für Dresden entschieden, weil da der Zugang zu hoch qualifizierten Fachkräften für die Halbleiterindustrie leichter ist, die an sächsischen Hochschulen ausgebildet werden. Dagegen stehen an Universitäten in Thüringen die Kompetenzen in Feinoptik und Glas im Vordergrund. Deshalb hätte auch die Belegschaft am Stammsitz verstanden, warum die größte Einzelinvestition nicht in Jena, sondern in Dresden getätigt wird.

Mitarbeitende in Jena befürchteten, dass ihre Arbeitsplätze nach Sachsen verlagert werden. Aber diese Angst hätte man ihnen nehmen können, denn die Zahl der Beschäftigten werde wachsen, und die Mitarbeiter in Jena würden neue Aufgaben bekommen, hieß es. Grund ist die rasant gestiegene Nachfrage nach Lösungen und Komponenten für die Halbleiterausrüstungsindustrien. Jenoptik wird mit Aufträgen überrannt. Zwar würden nicht alle Geschäftsbereiche zulegen, „aber was wir in Dresden machen und was durch die Digitalisierung und die Mikroelektronik getrieben wird, ist klar im Wachstum“, betonte Jenoptik-Vorstandschef Stefan Traeger. Im Jahr 2025 sollen aus der Photonik-Sparte 75 Prozent des dann angestrebten Umsatzes von 1,2 Milliarden Euro kommen.

Staubfrei Umziehen

Bis es so weit ist, muss Jenoptik aber erst noch die Herausforderung bewältigen, vom jetzigen kleinen Reinraum in den 2.000 Quadratmeter großen neuen Reinraum umzuziehen, und das ohne Staub. Die neue Fabrik soll Aushängeschild werden - auch bei der Energieeffizienz. Die Thüringer streben an, die derzeit strengsten Gebäudekriterien in Sachen Nachhaltigkeit zu erfüllen. Um das zu erreichen, werden unter anderem auf allen Dächern Fotovoltaik-Anlagen installiert, recycelte Materialien verwendet und auf eine hocheffiziente Fassade inklusive Begrünung gesetzt.

Auf die Frage, was es braucht, um in diesen Krisenzeiten und angesichts knapper Rohstoffe, fehlender Handwerker und Baumaterialien dieses Projekt umzusetzen, antwortete Traeger „Mut und Zuversicht“. Das sei „für uns alle wichtig“, es gäbe keinen Grund zu Pessimismus, so der Jenoptikchef.

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