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Karpfen so begehrt wie lange nicht mehr

16.12.2021
Kurz vor den Feiertagen ist die Nachfrage bei den Teichwirten rund um

Von Frank-Uwe Michel 

Rüdiger Richter ist regelrecht happy. Schon seit Wochen rennen ihm Kunden die Bude ein. Speisekarpfen sind so gefragt wie lange nicht mehr. Die Telefone stehen kaum noch still. Vor allem Großhändler sind dann am Apparat. "Nach Preisen fragen die oft gar nicht mehr. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Habt ihr noch?" Deshalb kommt der Inhaber der Teichwirtschaft aus Kreba zuweilen leicht ins Grübeln. "Die Menge reicht hinten und vorne nicht. Wir hätten gut und gerne noch einige Tonnen mehr produzieren können." Doch keiner habe diesen Nachfrageboom zu Beginn des Jahres ahnen können.

Ganz ausverkauft ist der Betrieb von Rüdiger Richter natürlich nicht. "Wir haben uns gezielt ein paar Exemplare aufgehoben, damit wir noch was für die Kunden rund um Niesky haben." Außerdem steht nach Weihnachten und Silvester auch Ostern gleich wieder vor der Tür. Da sind Karpfen aus heimischer Aufzucht ebenfalls gefragt.

Absatzboom bei Nieskyer Teichwirten

Auch bei der Kreba Fisch GmbH ist man zufrieden. Die Nachfrage sei "spürbar besser" als im vergangenen Jahr, sagt Geschäftsführer Dietmar Mühle. Wie bei seinem Kollegen gebe es auch hier keine Absatzprobleme. Durch langfristige Lieferverpflichtungen werde an Großhändler vor dem Fest noch einiges abverkauft. Aber auch die Direktvermarktung im Hofladen in Sproitz und auf den Märkten der Region laufe sehr gut.

Doch woher kommt der plötzliche Absatzboom? Andreas Stummer, Geschäftsführer des sächsischen Landesfischereiverbandes spricht von einem Novum, dass es in den vergangenen Jahren so nicht gegeben habe. Die Gründe dafür seien noch nicht so recht klar, aber - davon geht er aus - recht vielfältig. Einen Aspekt sieht er in den Werbekampagnen des Verbandes für Lausitzer Fisch. "Die Leute nehmen unsere Produkte einfach viel stärker wahr." Aber auch der Regionalitätseffekt sei nicht zu verachten. Es werde wieder mehr von Produzenten vor der eigenen Haustür gekauft. Schließlich führt Stummer auch Corona an. "Die Menschen sind verstärkt zu Hause geblieben und entdecken Fisch für ihre Ernährung völlig neu."

Produzenten im Ausland haben Probleme

Ein wesentlicher Punkt dürfte aber auch die Konkurrenzsituation der einheimischen Fischer mit ausländischen Produzenten sein. Bisher kam ein großer Teil der in Deutschland verkauften Karpfen aus Polen, Tschechien und Ungarn. Offenbar ist diese Lieferkette in Teilen nicht mehr durchlässig genug. Der Chef der sächsischen Fischer will das zwar nicht bestätigen, weil es noch keine Zahlen dafür gebe. Auf jeden Fall hat sich der Großhandel in diesem Jahr aber zum Vorteil der einheimischen Erzeuger teilweise umgestellt.

Nach SZ-Informationen soll es in Polen angeblich eine erhöhte Nachfrage geben, die von den dortigen Produzenten nicht mehr komplett befriedigt werden kann. So haben Händler aus dem Nachbarland ihre Fühler nach Deutschland ausgestreckt - eine Geschäftsbeziehung, die bisher eher in umgekehrter Richtung lief. In Ungarn dagegen werden strengere, der EU entsprechende, Umweltauflagen eingeführt. Das hat offenbar zu Verunsicherung und zu geringeren Karpfenmengen bei den dortigen Teichwirten geführt.

Die Bedingungen für die Karpfenzucht waren 2021 in den Teichen rund um Niesky so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Deshalb sind stattliche Tiere herangewachsen.
Die Bedingungen für die Karpfenzucht waren 2021 in den Teichen rund um Niesky so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Deshalb sind stattliche Tiere herangewachsen. © André Schulze

Die Bedingungen in den Oberlausitzer Teichen waren dagegen in diesem Jahr fast optimal. "Wir hatten erstmals seit längerer Zeit keine Wasserprobleme, sind aber auch von Krankheitserregern in den Beständen verschont geblieben", erklärt Dietmar Mühle. Ganz anders als in den vergangenen drei Jahren, als es massive Schwierigkeiten mit den Produktionsbedingungen - vor allem mit den ausgetrockneten Teichen - gab.

Futterkosten sind "exorbitant" gestiegen

Völlig problemlos sind aber auch die Fischer rund um Niesky nicht durchs Jahr gekommen. Laut Rüdiger Richter ist zum Beispiel der Preis für Futterweizen "exorbitant gestiegen". Habe die Tonne früher 200 Euro gekostet, müsse er jetzt 260 Euro zahlen. Dietmar Mühle ergänzt: "Auch Energie, der Betrieb von Maschinen und Geräten, außerdem der Treibstoff, sind in den letzten Monaten erheblich nach oben gegangen."

So gibt es für den nach Ansicht der Teichwirte "moderaten Preisanstieg" bei den Karpfen vor allem zwei Gründe: Höhere Betriebskosten und gestiegene Nachfrage. Verlangt werden nun je Kilo etwa 30 Cent mehr, ein Aufschlag von rund fünf Prozent. Lag der Kilopreis im letzten Jahr je nach Erzeuger meist zwischen 2,00 und 2,10 Euro, dürfte er sich jetzt bei knapp unter 2,50 Euro bewegen.

 

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