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Kein Pfefferkuchenmarkt wegen Corona

01.10.2020
Viele Auflagen, weniger Besucher - die Organisatoren des Pulsnitzer Festes haben sich für ein Absage entschieden. Sie planen aber eine Alternative.

Von Heike Garten 

Pulsnitz. Lange gab es in Pulsnitz Diskussionen und viele Gespräche. Wird es in diesem Jahr einen Pfefferkuchenmarkt geben? Kann aufgrund der Corona-Bestimmungen eine derartige Großveranstaltung überhaupt stattfinden? Die Ungewissheit ist in vielen Städten groß, was überhaupt vorbereitet werden soll. In Pulsnitz gibt es jetzt seit Montag Gewissheit. Der Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt findet nicht statt. Das bestätigte Peter Kotzsch vom Team des Pulsnitzer Pfefferkuchenmarktes, der Innungsobermeister der Pfefferküchler ist, auf Anfrage von Sächsische.de.

Am Montag hatten sich die Pfefferküchler und Mitarbeiter vom Vorbereitungsteam getroffen. Die Absage des Marktes ist einstimmig gefallen. "Wir haben die Entscheidung insbesondere zum Schutz der Besucher, Kunden und der Gewerbetreibenden gefällt", so Peter Kotzsch. Bei einer solchen Großveranstaltung wie dem Pfefferkuchenmarkt sei dieser Schutz aktuell nicht möglich. Man könne keine Kontakte nachverfolgen, und es sei schwer, die Hygiene- und Abstandsregeln konsequent einzuhalten. Im Vorfeld hat es auch Gespräche mit Vertretern des Gesundheitsamtes des Landratsamtes gegeben. "Vom Gesundheitsamt wurde uns genau gesagt, welche Forderungen wir einhalten müssen", so Peter Kotzsch. 

Zu viele Ungewissheiten bei der Planung

Die Entscheidung haben sich die Pfefferküchler nicht leicht gemacht. "Wir hätten gern Anfang November ein schönes Wochenendemit den Besuchern verbracht", heißt es vom Team des Pfefferkuchenmarktes. Immerhin kamen zu den bisherigen Pfefferkuchenmärkten an den drei Tagen insgesamt bis zu 80.000 Besucher nicht nur aus dem Landkreis Bautzen, sondern aus ganz Sachsen und oft auch aus anderen Bundesländern.

Zu den Sicherheitsproblemen bei der diesjährigen Auflage kam auch der immense Zeitdruck. Die meisten Weihnachtsmärkte finden im Dezember statt, doch der Pfefferkuchenmarkt in Pulsnitz ist immer am ersten Novemberwochenende - in diesem Jahr war er für den 6. bis 8. November geplant. Das wären noch reichlich acht Wochen. "Man weiß auch nicht, wie sich die Corona-Zahlen entwickeln und wann welches politische Gremium, ob Bund oder Land oder Kreis, welche Entscheidung trifft", so Peter Kotzsch. Die Situation war den Pfefferküchlern einfach zu ungewiss, schließlich braucht so ein Markt auch eine Menge Vorbereitung.

Hinzu kommt die Finanzierung des Pfefferkuchenmarktes. Das Team zur Vorbereitung rechnete mit Kosten von etwa 30.000 Euro. Durch die Corona-Bestimmungen kämen noch einmal 20.000 Euro hinzu, zum Beispiel für zusätzliche Sicherheitskräfte auf dem Markt und an den Eingängen sowie für die Erfassung der Besucherdaten. "Wir hätten also insgesamt erst einmal 50.000 Euro an Ausgaben", erklärt Peter Kotzsch. Außerdem müsse man davon ausgehen, dass nur etwa ein Drittel der sonstigen Besucher zum Markt nach Pulsnitz gekommen wären - einfach, weil viele Leute derzeit solche Großveranstaltungen meiden.

Geteilte Meinungen zu Absage

Der Innungsmeister macht noch eine zweite Rechnung auf: Bei den geltenden Regeln wäre es nur möglich, etwa 3.000 Besucher gleichzeitig in den Marktbereich zu lassen. An drei Tagen käme man so auf etwa 18.000 Besucher, also viel weniger als sonst. Peter Kotzsch denkt auch an die Bewohner der Innenstadt. "Selbst Pulsnitzer könnten nicht zum Pfefferkuchenmarkt kommen, wenn die maximale Besucherzahl erreicht ist. Das würde viele Diskussionen und böses Blut ergeben", schätzt er ein. Entsprechend dieser vielen Aspekte habe man die Entscheidung, den Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt in diesem Jahr nicht durchzuführen, sehr schweren Herzens getroffen, heißt es vom Team des Pfefferkuchenmarktes.

Bereits kurz nach Bekanntwerden der Entscheidung entfachte sich in den sozialen Netzwerken eine heftige Diskussion, wobei die Meinungen zur Absage geteilt sind. Ein Teil der Leute kann die Entscheidung nachvollziehen, auch mit dem Hinweis auf aktuell zahlreiche Ansteckungen bei Feiern, wo Leute auf engstem Raum zusammen waren. Ein anderer Kommentator spricht von einem Schlag ins Gesicht der vielen Kinder, Eltern, Omas und Opas.

Ganz auf Pfefferkuchen und deren Verkauf wollen die Pulsnitzer Pfefferküchler am ersten Novemberwochenende allerdings nicht verzichten. "Wir starten vom 6. bis 8. November in die diesjährige Pfefferkuchensaison", Peter Kotzsch. Die Pfefferküchler wollen dann ihre Geschäfte öffnen. Am Freitag ist sowie so auf. Für Sonnabend sind offene Türen von 9 bis 18 Uhr geplant, für Sonntag von 11 bis 16 Uhr.       

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