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Keine Pläne für eine Gebührenerhöhung

Landkreis Meißen 12.04.2019
Der neue Vorstand der Sparkasse Meißen sieht Wachstumschancen trotz Niedrigzinsen. Aber er hat ein Jugend-Problem.

Herr Höhn, Sie sind schon einige Wochen in Riesa. Wie gefällt Ihnen die Stadt, der Landkreis Meißen?

Sehr gut. Als gebürtiger Großenhainer kenne ich die Region natürlich. Ich bin sehr froh, seit dem 1. März wieder hier zu sein. Allerdings gab es arbeitsbedingt bisher nur wenige Möglichkeiten für mich, die Welt außerhalb der Sparkasse genauer in Augenschein zu nehmen. Aber das wird nachgeholt.

Sie waren zuvor Vorstand der Sparkasse Altenburger Land. Weshalb haben Sie gewechselt?

Persönlich fand ich, dass es Zeit für etwas Neues war. Ich war 14 Jahre in der Sparkasse Altenburger Land und zuletzt dort auch sechs Jahre Vorstandsmitglied. Diesen Job habe ich sehr gern gemacht. Doch die neue Chance, jetzt hier in der Sparkasse Meißen, ist sehr reizvoll für mich.

Was sind die Unterschiede zwischen den beiden Sparkassen?

Die Bilanzsumme der Sparkasse Meißen beträgt etwa 2,9 Milliarden Euro, im Altenburger Land liegt sie bei circa 1,1 Milliarden. Die Wirtschaftskraft im Landkreis Meißen ist wesentlich stärker, das gesamte Umfeld ist wirtschaftlich freundlicher. Es gibt hier mehr Unternehmen, etwa 10 000, und vor allem mehr Einwohner. 244 000 sind es, im Altenburger Land wohnen nur etwa 90 000 Menschen. Die Sparkasse Meißen kann also von einer recht starken Position heraus agieren.

Ich bin hier für das gesamte Kundengeschäft zuständig. Dazu gehört die Verantwortung für alle Geschäftsstellen, für das Firmenkundengeschäft, das Private Banking, unsere Eigenanlagen, die Vertriebssteuerung und die Öffentlichkeitsarbeit. Mein Vorstandskollege und Vorsitzender des Vorstandes Rainer Schikatzki ist für den gesamten Innendienst zuständig, für die Steuerung und Überwachung.

Was möchten Sie anders machen?

Wir sind uns im Vorstand einig, dass wir an der strategischen Grundausrichtung festhalten. Die Sparkasse Meißen ist gut aufgestellt. Dennoch müssen wir uns weiter entwickeln. Da sehen wir Ansätze vor allem im Geschäft mit unseren Kunden und im Management der Eigenanlagen.Doch zunächst möchte ich eine Bestandsaufnahme machen, mich mit all unseren Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken vertraut machen. Danach werden wir die nächsten Schritte besprechen. Unser erklärtes Ziel ist: Wir wollen für jeden Kunden der erste und wichtigste Ansprechpartner in allen finanziellen Angelegenheiten sein. Egal ob Privatkunde, Unternehmer oder die öffentliche Hand. Dabei wollen wir in allen Segmenten wachsen.

Prinzipiell haben alle Sparkassen und Banken das gleiche Problem: Die Differenz der Zinsen zwischen Einlagen und Krediten ist sehr klein geworden. Sie müssen die Kosten senken und Gebühren anheben oder sich etwas einfallen lassen. Wie wollen Sie das machen?

Das sehen wir ähnlich. Die niedrigen Zinsen werden uns wohl die nächsten Jahre leider erhalten bleiben. Zudem sind wir einer wachsenden Regulatorik durch die Bankenaufsicht und dem Druck der Digitalisierung ausgesetzt. Das zwingt uns tatsächlich zu Kostensenkungen, ohne dass aber akuter Handlungsdruck besteht. Generell ist unsere Ausgangsbasis gut. Wir haben circa 1,2 Milliarden Euro Darlehen an Kunden ausgereicht, wir betreuen 2,4 Milliarden Euro Kundengelder, weitere 575 Millionen Euro in Wertpapieren. Wir sehen die Chance, mehr Provisionen einzunehmen.  Auch bei der Kreditvergabe an Privatpersonen und Unternehmen können wir noch wachsen und damit Geld verdienen und unsere Erträge steigern. Die Digitalisierung kostet am Anfang und auch die Regulatorik kostet immer Geld, sodass wir sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen müssen.

Werden Sie weitere Filialen schließen und Geldautomaten abmontieren?

Nein, das ist für 2019 und 2020 nicht vorgesehen. Es gibt dazu keine Pläne und Gespräche. Dennoch werden wir in regelmäßigen Abständen unsere Präsenz auf den Prüfstand stellen. Aktuell bieten wir 18 Geschäftsstellen, 16 Automatenstandorte, eine moderne Internetfiliale, ein telefonisch erreichbares Kundenservicecenter und 128 Selbstbedienungsautomaten. Dieses Angebot betrachte ich heute als angemessen. Im nächsten Jahr werden wir es erneut überprüfen und in Absprache mit dem Verwaltungsrat gegebenenfalls anpassen. Das ist nötig, damit die Sparkasse gesund bleibt. Die Region profitiert ja auch von einer gesunden Sparkasse. Immerhin schütten wir zum Beispiel 650 000 Euro pro Jahr an Vereine aus.

Wann gibt es die nächste Gebührenerhöhung?

Dafür existieren keine entsprechenden Pläne.

Sie haben immer noch einen sehr hohen Marktanteil im Landkreis Meißen. Dennoch haben sich Direktbanken mit ihren geringeren Kosten etabliert. Wie begegnen Sie dieser Konkurrenz?

Wir haben ein internes Vertriebsprojekt gestartet. Die junge Zielgruppe ist uns wichtig. Da wünschte ich mir einen größeren Marktanteil. Das Problem ist, dass viele junge Leute zwar ein kostenloses Konto bei uns unterhalten, wenn es aber dann nach der Ausbildung eine Gebühr kosten soll, verlassen sie uns. Manche auch, wenn sie zum Studium oder zur Ausbildung in ein anderes Bundesland wechseln. Da müssen wir Lösungen finden.

Ab Januar 2020 soll es speziell für reine Onlinekunden über eine App ein neues kostenloses Konto geben, welches mit Kreditkarte und weiteren Zusatzfunktionen ergänzt werden kann. Insgesamt halten wir im Landkreis Meißen einen Marktanteil von 56 Prozent - und den wollen wir ausbauen.

Werden Sie mit weiteren neuen digitalen Projekten in den Markt gehen? Vielleicht mit speziellen Tools für Kredite oder Wertpapiere?

Die Sparkasse hat in diesem Bereich einiges unternommen. Schon jetzt gibt es für Kredite bis 75 000 Euro in wenigen Minuten eine Kreditzusage. Auch bei Immobilienkredite geht es sehr schnell. Das wollen wir weiter ausbauen, auch im Wertpapierbereich oder bei Versicherungen.

Viele Ihrer Kunden wollen nur diese eine Antwort wissen: Wann endlich steigen die Zinsen wieder?

Noch im Januar 2019 haben viele Experten steigende Zinsen prognostiziert. Heute sehen das viele anders: Die niedrigen Zinsen werden uns noch Jahre erhalten bleiben. Wir müssen einfach damit leben und uns nach alternativen Anlagemöglichkeiten, auch im Wertpapierbereich, umschauen. Das bedeutet aber auch, dass das Baugeld billig bleibt.

 

Das Gespräch führte Ulf Mallek.

Foto: ©  Sebastian Schultz

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