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KI in Verwendung für Kontrolle von Spielsucht

07.09.2021
KI als Mittel der Spielsuchtprävention – was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier!

Beim Begriff Künstliche Intelligenz denken viele Menschen an Roboter und glauben, dass diese nur in Fabriken eingesetzt werden. Doch die KI, wie die Künstliche Intelligenz auch genannt wird, kann so vieles mehr. Sie ist bereits in unser alltägliches Leben eingezogen. Ob als Sprachassistent im Smartphone oder als intelligentes Smart-Home-System. Auch beim Online-Shopping, auf Social Media und bei Streaming-Diensten finden wir Künstliche Intelligenz, die uns mithilfe von Algorithmen genau das anzeigt, was uns interessiert. Oft ist uns all das gar nicht bewusst, doch die KI ist in vielen unserer Lebensbereiche vorzufinden und soll unser Leben erleichtern.

Was ist Künstliche Intelligenz?

Der Begriff Künstliche Intelligenz, zu Englisch Artificial Intelligence (AI), wurde 1956 geschaffen. Dies geschah durch den amerikanischen Informatiker John McCarthy im Rahmen einer Konferenz am Dartmouth College in New Hampshire. Heute existieren zahlreiche Definitionen für Künstliche Intelligenz. Eine von ihnen besagt, dass die Künstliche Intelligenz die Fähigkeit einer Maschine ist, menschenähnliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren. Zu unterscheiden ist dabei zwischen zwei Arten der KI – der schwachen und starken KI. Bei einer schwachen KI werden die KI-Systeme nur für bestimmte Aufgaben entwickelt, beispielsweise Siri von Apple. Eine starke KI umfasst jedoch allgemeine kognitive Fähigkeiten, sodass selbst eine unbekannte Aufgabe mithilfe der neuronalen Verbindungen gelöst werden kann. Der 1950 entwickelte Turing-Test ist unter anderem eine Methode, um festzustellen, ob eine Maschine tatsächlich wie ein Mensch denken kann.

Wie funktioniert Künstliche Intelligenz?

Eine Künstliche Intelligenz funktioniert ähnlich wie das menschliche Gehirn: Künstliche neuronale Netze dienen der Informationsaufnahme, -verarbeitung und -ausgabe. Grundlage der Informationsaufnahme sind Datensätze in Form von Texten, Bildern oder Sprache. Mittels Algorithmen werden diese Informationen verarbeitet. Die KI erkennt dabei Muster und kann die Informationen, ähnlich wie unser Gehirn, vernetzen und zuordnen. Starke KI-Systeme können zudem aus ihren vorherigen Handlungen lernen und Aufgaben mit der Zeit immer besser erfüllen.

Was hat Künstliche Intelligenz nun aber mit Glücksspiel zu tun?

Durch die Legalisierung der Online-Casinos in Deutschland boomt momentan die Glücksspielbranche. Die Casinobetreiber haben seit Juli 2021 die Chance, eine offizielle deutsche Glücksspiel-Lizenz zu erwerben. Jedoch nur unter der Voraussetzung, dass sie die im Glücksspielstaatsvertrag 2021 beschlossenen Regelungen einhalten. Darin enthalten sind unter anderem Maßnahmen zum Jugend- und Spielerschutz sowie zur Suchtprävention. Und genau an dieser Stelle kommt die Künstliche Intelligenz ins Spiel. Denn die Online-Glücksspielanbieter müssen über jede Aktion auf Ihrer Webseite Bescheid wissen. Wann welcher Spieler welchen Slot spielt, bis hin zur Höhe und Häufigkeit der Einzahlungen. Das möchte der Gesetzgeber nutzen und verpflichtet somit die Lizenznehmer, wissenschaftliche Kriterien zu nutzen, um mithilfe von Algorithmen Glücksspielsucht zu erkennen.

So gibt es bereits eine Spielerschutz-Software des österreichischen Unternehmens Neccton, welche im Hintergrund die Aktivitäten des Spielers verfolgt und auf Auffälligkeiten sofort reagieren kann. Die KI-gestützte Software erkennt die typischen Verhaltensweisen von Spielern, die an Spielsucht leiden oder spielsuchtgefährdet sind. Im besten Fall können problematische Spieler frühzeitig erkannt und die Entstehung extrem ausgeprägten Suchtverhaltens verhindert werden.

Was ist Spielsucht und wie kann sie erkannt werden?

Die Spielsucht ist eine psychologische Erkrankung in Form einer Impulskontrollstörung. Unter Spielsucht leidende Personen verspüren einen zwanghaften Drang, Glücksspiele zu spielen. Laut einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen rund 1 % der 16- bis 70-Jährigen in Deutschland ein problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten – das sind etwa 400.000 Menschen, auf die das zutrifft. Häufiger betroffen sind zudem Männer.

Eine Spielsucht zu diagnostizieren ist nicht einfach, denn es muss ein zwanghaftes, schädigendes und andauerndes Spielverhalten vorliegen. Die folgenden Kriterien können jedoch dabei helfen, eine Spielsucht zu erkennen:

  • Starkes Gedankenkreisen ums Glücksspiel
  • Kontrollverlust (Steigerung von Einsätzen, Hinterherjagen von Gewinnen, …)
  • Vergebliche Versuche, das Spielen einzuschränken
  • Gereiztes und unruhiges Verhalten, wenn nicht gespielt werden kann
  • Häufige Beschwerden beim Kundendienst der Spielbank
  • Finanzielle Schwierigkeiten
  • Vernachlässigung der Pflichten (Arbeit, Haushalt, Familie, Freunde, …)

Sollten Sie unter Spielsucht leiden oder sich unsicher sein, hilft die BZgA etwa mit dem Beratungstelefon für Spielsüchtige und deren Angehörige. Das vielfältige Angebot der Beratungsstelle hilft, den Teufelskreis zu durchbrechen.

Fazit zum Einsatz von KI zur Spielsuchtprävention

Mathematisch gesehen ist es eigentlich glasklar: Am Ende gewinnt immer das Casino. Doch viele Spieler sehen in den rein zufälligen Gewinnen und Verlusten nicht existente Muster und glauben, das nach zahlreichen Niederlagen der große Jackpot auf sie wartet. Bei der KI-gestützten Software kommt es jedoch nicht zu Fehlinterpretationen, da sich das System nur an den Fakten orientiert. Daher ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Erkennung von Spielsüchtigen und Suchtverhaltensmustern ein sehr fortschrittlicher Lösungsansatz in Bezug auf die Suchtprävention und wird für die Casinobetreiber wahrscheinlich eine Grundvoraussetzung werden, um die Regelungen zum Schutz der Spielinteressenten überhaupt umsetzen zu können.

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