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Kindersachen zur Miete - ein Dresdner Erfolgsmodell

02.05.2022
Eine Dresdnerin vermietet übers Internet gebrauchte Strampler, Pullover und Kinder-Hosen. Das kommt gut an. Nun eröffnet sie einen Laden in der Stadt.

Von Nora Domschke

Dresden. Wieder verwenden statt wieder verschwenden - mit diesem Motto hat sich die Dresdnerin Sara Schlüter mit ihrem Mann Patrick im Frühjahr 2021 selbstständig gemacht und vermietet seitdem Baby- und Kindersachen. Ein voller Erfolg, verkündet die Jungunternehmerin und selbst Zweifach-Mama genau ein Jahr später. Und hat schon die nächste Stufe ihrer Geschäftsidee geplant. In Dresden eröffnet sie Mitte Mai einen Laden, in dem Eltern die Sachen vor Ort auswählen und mitnehmen können.

Die Vermietung läuft bislang ausschließlich über ihren Internet-Shop Relisa. Mittlerweile beliefert Sara Schlüter, gelernte Einzelhandelskauffrau und vorher im Direktvertrieb tätig, Stammkunden in ganz Deutschland, die auf das Konzept der Dresdnerin vertrauen. Das war anfangs gar nicht so einfach, räumt sie ein. "Ich war zuerst enttäuscht, weil ich dachte, die Idee ist so gut, dass mir die Leute die Bude einrennen."

Doch das war nicht der Fall. Also verschickte Sara Schlüter ihre Pakete mit Erstausstattungen für Neugeborene zunächst kostenlos an Interessenten. "Viele Mütter haben mit gebrauchten Sachen schlechte Erfahrung gemacht und denken bei Second-Hand-Kleidung, dass sie Flecken oder Löcher hat."

Von der Wohnung in den eigenen Laden

Sara Schlüter weiß, dass es Eltern auf Qualität ankommt, wenn es um ihren geliebten Nachwuchs geht. Sorgfältig sichtet sie die Baby- und Kindersachen, sortiert Verschlissenes aus oder setzt sich an die Nähmaschine. Mittlerweile habe sich rumgesprochen, dass ihre Kleidungsstücke neuwertig, sauber und in Ordnung sind, berichtet sie. Immer mehr Mütter fragen bei ihr an, ob sie wieder ein Paket fertigmachen könne, denn das Kind sei aus den Sachen herausgewachsen. Die Eltern schicken die zu klein gewordene Kleidung an Sara Schlüter zurück und bekommen ein Set in der passenden Größe geliefert.

Was bisher in den eigenen vier Wänden funktionierte, benötigt heute viel mehr Platz - das kleine Dresdner Unternehmen wächst. Für Kisten, Kartons und Kleiderständer musste ein Lager her. Also mieteten Sara Schlüter und ihr Mann einen Laden direkt neben ihrem Wohnhaus an. In der Bahnhofstraße 56, neben Post und Reformhaus, wird das Geschäft derzeit umgebaut. An der Kreuzung zur Pirnaer Landstraße und in unmittelbarer Nähe zum Einkaufszentrum Zschach ist viel Laufkundschaft unterwegs. Wer zur Post geht, wird auch auf den Kindersachenladen aufmerksam, so ihre Hoffnung.

Sachentausch nach drei Monaten

Tatsächlich können Eltern jede Menge Geld sparen, wenn sie die Kleidung für ihre Kleinen mieten anstatt sie zu kaufen. Ein Babybody, der oft nur wenige Wochen passt, kostet bei Sara Schlüter zwischen einem und 1,20 Euro pro Monat. Die maximale Mietdauer beträgt sechs Monate, im Schnitt bekomme sie die Sachen nach drei Monaten von den Eltern zurück, die dann die nächste Größe bei ihr ordern. Vor allem bei teureren Kleidungsstücken, die nur selten benutzt werden wie etwa ein Schneeanzug, rechne sich das Mietmodell, so die Unternehmerin. Ein solcher Anzug kostet bei ihr rund acht Euro im Monat.

Doch nicht nur das Geld spiele eine Rolle, wenn Eltern bei ihr Kunden werden, erzählt sie. Nachhaltigkeit, Zeitersparnis, immer die passende Kleidung zur Saison und Sachen, die durch mehrmaliges Waschen frei von Chemikalien sind - auch das seien Themen, die jungen Eltern heute wichtig sind. Wenn ein Kind bestimmte Sachen nicht gern trägt, bleiben die nicht ungenutzt im Kleiderschrank, sondern werden einfach ausgetauscht.

Von der Erstausstattung bis Größe 116

Auf dieses Konzept, das online sehr gut funktioniere, setzt Sara Schlüter nun auch in ihrem Laden. Vermietet werden Baby- und Kindersachen von der Erstausstattung bis zur Größe 110/116, also für Vier- bis Fünfjährige. Bodys, Strampler, Hosen, Kleider, Jacken, sogar Schlafsäcke hat Sara Schlüter im Angebot. "Nur Schuhe und Strümpfe vermieten wir nicht, das ist mit der Reinigung schwierig." Wer will, kann aber neue Schühchen kaufen.

Das Risiko trägt ihre Firma, erklärt die junge Frau. Denn sie nimmt alle Kleidungsstücke von den Eltern zurück, auch wenn sie Flecken haben oder beschädigt sind. Weil die Qualität so wichtig ist, will sie künftig weg von No-Name-Sachen und setzt stattdessen auf noch mehr Markenware, die oft auch deutlich länger halte.

Ab kommender Woche richtet sie mit einer Mitarbeiterin den Laden an der Bahnhofstraße 56 in Großzschachwitz ein, den die 34-Jährige am 15. Mai von 14 bis 17 Uhr zum ersten Mal öffnet. Danach können Eltern montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr bei ihr reinschauen. Samstags ist er von 9 bis 12 Uhr geöffnet. "In den Mittagspausen kümmern wir uns dann um das Online-Geschäft." Das heißt, Bestellungen checken, Sachen zurechtlegen und Pakete packen.

 

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