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Kleine Firma für die ganz großen Schrauben

10.06.2022
Ob Windräder oder Industrieanlagen: Zwischen Kamenz und Bautzen fertigt ein kleiner Spezialbetrieb besondere Schraub-Systeme - und baut jetzt aus.

Von Heike Garten

Ralbitz-Rosenthal. Es sieht fast so aus wie in jeder anderen Werkstatt eines Betriebes. In einer Halle prägen lange Regale mit den unterschiedlichsten Teilen das Bild. Es ist das Lager. In einem anderen Raum stehen Werkstatt-Arbeitsplätze nebeneinander. Alles ist bestens sortiert und aufgeräumt. Auch Computer gehören zur Ausstattung. Und doch gibt es eine Besonderheit. Im Lager liegen Akku-Schrauber oder Schraubsysteme, die weit über die handelsüblichen Größen hinausgehen.

Das Unternehmen M-PT Matjeschk-PowerTools im Ralbitz-Rosenthaler Ortsteil Zerna hat sich auf die Entwicklung und die Produktion von Schraubsystemen spezialisiert, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn handelsübliche Schrauber nicht mehr ausreichen. Als Beispiel nennt Geschäftsführerin Carmen Hebestreit die Montage von Windkrafträdern: "Diese müssen sehr großen Belastungen aus der Umwelt standhalten. Daher bestehen für die Schraubverbindungen besonders hohe Anforderungen mit genormten Schraubverfahren und Montageprozessen. Die speziellen Werkzeuge dafür werden in unserem Unternehmen entwickelt und hergestellt."

Zum Einsatz kommen diese Schraubsysteme auch im Tagebau bei Förderbrücken, im Stahlbau, bei der Konstruktion und Montage von Brücken, in der Chemie-Industrie oder auch bei Industrieanlagen wie bei Sachsenmilch.

"Mit unseren Werkzeugen können Schrauben im Durchmesser von durchschnittlich 70 mm bis 145 mm und noch größer angezogen und gelöst werden", sagt die Geschäftsführerin. Dazu kommt, dass die Schraubgeräte mit einer eigens entwickelten Elektronik ausgestattet sind, durch die sich Drehmoment und Drehwinkel einstellen lassen.

M-PT entwickelt und produziert nach den Wünschen der Kunden genau das, was diese benötigen, um ihre Arbeiten ausführen zu können. Kunden gibt es weltweit, aber vor allem in Deutschland. In Berlin, Köln und in der Nähe von Karlsruhe gibt Vertriebsmitarbeiter im Außendienst. Weitere werden derzeit in Bayern und Niedersachsen gesucht.

Seinen Ursprung fand M-PT vor 30 Jahren, als Michael Matjeschk – Gründer und ebenfalls Geschäftsführer – die Ost-Vertretung der Firma BAHCO Dortmund übernahm. "Ich war als Gebietsvertreter für Hydraulik- und Druckluftwerkzeuge unterwegs. Als der Markt gesättigt war, musste ich mich neu orientieren.", blickt Michael Matjeschk zurück. Er spezialisierte sich auf Schraubtechnik und gründete das Unternehmen M-PT.

Begonnen hat alles noch in der heimischen Garage, später wechselte man in das Gebäude am ehemaligen Sägewerk in Zerna. Das war im Jahr 2010. Zwischenzeitlich entstand eine Kooperation mit dem kanadischen Unternehmen RAD Torque Systems, das auf dem selben Gebiet aktiv ist. M-PT ist inzwischen alleiniger Vertriebspartner des kanadischen Unternehmens in Deutschland.

"Während ihrer Studienzeit zum Maschinenbauingenieur hat mir meine Tochter Carmen bei der anfänglichen Kommunikation mit dem kanadischen Unternehmen geholfen. Außerdem war anfangs viel Kommunikation per E-Mail notwendig, um für die Schraubtechnik Ersatzteillisten anzufragen bzw. zu bewerten sowie an der Entwicklung der Steuerelektronik mitzuwirken. Mit ihren Kenntnissen im technischen und wirtschaftlichen Englisch hat sie mich in den Verhandlungen unterstützt", erläutert Michael Matjeschk.

Das Zernaer Unternehmen ist vor allem in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen, auch aufgrund einer stetigen Geschäftserweiterung und neuer Kunden. Waren anfangs noch fünf Mitarbeiter beschäftigt, sind es inzwischen 23. "Wir platzen derzeit aus allen Nähten, die Büro wurden immer voller, wie auch die Werkstatt", erklärt Carmen Hebestreit.

Ein Erweiterungsbau war also unumgänglich, auch um die sanitären Einrichtungen wie Umkleidemöglichkeiten und Ähnliches zu verbessern. Dieser Tatsache geschuldet plant die Firma den Neubau einer Halle sowie die Sanierung des jetzigen Lagers und der Produktionsstätten. Bereits Ende April war der erste Spatenstich, jetzt haben die Bauleute die Regie übernommen. Der Neubau entsteht auf dem jetzigen Betriebsgelände, gleich neben der alten Halle mit Werkstatt, Lager und Büros.

Im Neubau sollen dann Büros und Besprechungs- und Schulungsräume untergebracht werden. Parallel ist es möglich, das Lager und die Werkstatt sowie Umkleide- und Pausenräume zu vergrößern. Der Neubau hat später eine Nutzfläche von reichlich 600 Quadratmetern.

In den nächsten Wochen und Monaten entstehen die Fundamente und der Rohbau, mit dem man im Herbst fertig sein will. Im Winter könnte dann der Innenausbau erfolgen. Der Neubau erfordert zeitintensive Vorbereitung, Planung und Absprachen mit den einzelnen Gewerken. Dies alles geschieht neben dem Tagesgeschäft. "Meine Tochter Carmen übernimmt dazu bereits einige meiner bisherigen Aufgaben. Aber dieser Aufwand lohnt sich, denn demnächst werden unsere Mitarbeiter bessere Bedingungen haben, als gegenwärtig", sagt Michael Matjeschk.

Im Neubau sollen dann Büros und Besprechungs- und Schulungsräume untergebracht werden. Parallel ist es möglich, das Lager und die Werkstatt sowie Umkleide- und Pausenräume zu vergrößern. Der Neubau hat später eine Nutzfläche von reichlich 600 Quadratmetern.

In den nächsten Wochen und Monaten entstehen die Fundamente und der Rohbau, mit dem man im Herbst fertig sein will. Im Winter könnte dann der Innenausbau erfolgen. Der Neubau erfordert zeitintensive Vorbereitung, Planung und Absprachen mit den einzelnen Gewerken. Dies alles geschieht neben dem Tagesgeschäft. "Meine Tochter Carmen übernimmt dazu bereits einige meiner bisherigen Aufgaben. Aber dieser Aufwand lohnt sich, denn demnächst werden unsere Mitarbeiter bessere Bedingungen haben, als gegenwärtig", sagt Michael Matjeschk.

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