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Kleineres Elite-Team wäscht Leisnig den Kopf

16.07.2020
Mitten im Insolvenzverfahren hat Friseurin Antje Reinwardt der Corona-Lookdown erwischt. Mit Verwalter Nils Freudenberg will sie Geschäft und Jobs retten.

Von Heike Heisig

Leisnig.  Es ist ein Gerücht und nicht richtig, dass der Friseursalon „Elite“ an der Colditzer Straße schließt. Wahr ist allerdings, dass Inhaberin Antje Reinwardt in wirtschaftliche Schieflage geraten ist. Das hat Konsequenzen.

Noch vor Corona ist ein Insolvenzverfahren eröffnet und Dr. Nils Freudenberg zum Verwalter bestellt worden. Der Antrag sei gestellt worden, weil die Kostenstruktur nicht mehr den tatsächlichen Umsätzen entsprach, so der Rechtsanwalt: „Es gab zu viel Personal.“ Bei Verfahrenseröffnung seien es elf Mitarbeiter gewesen, mittlerweile laufe der Betrieb mit drei Vollzeitbeschäftigten, einem Lehrling und der Inhaberin weiter. „Eingeschränkt, aber das nur deshalb, weil gerade Urlaubszeit ist und die Vertretung mit dem kleinen Stamm schwieriger ist als vorher mit einem größeren Team“, begründet Freudenberg. Nach der Urlaubszeit solle es mit den regulären Geschäftszeiten weitergehen.

„Insgesamt ist es unser Ziel, das Unternehmen mit Frau Reinwardt an Bord zu erhalten“, so der Insolvenzverwalter. Er bescheinigt der Leisniger Geschäftsfrau, zu einem guten Zeitpunkt noch die Reißleine gezogen zu haben. „Sie hätte sich auch um ein Darlehn bemühen können. Doch das hätte an der Gesamtsituation wenig geändert.“ Antje Reinwardt selbst will zur Insolvenz nichts sagen.

In dem laufenden Insolvenzverfahren, so der Verwalter, seien die Corona-Einschränkungen erschwerend hinzugekommen. Auch für ihn war das eine besondere Situation. Während des mehrwöchigen Lockdowns seien keinerlei Umsätze erzielt worden. „Der Neustart ist dann entsprechend der Strategie, Kosten und Verluste zu reduzieren, mit verkleinertem Team erfolgt“, so Dr. Nils Freudenberg. Das sei ausschließlich im Bereich Friseur unterwegs. Die bekannten weiteren Angebote wie Fußpflege und Kosmetik bieten dem Verwalter zufolge mittlerweile eigenständige Dienstleister an, die sich in dem Wohn- und Geschäftshaus eingemietet haben.

Abgebrannt und wieder aufgebaut

Das gibt es so in dieser Form eigentlich erst seit reichlich zwei Jahren – und doch schon viel länger. Ein Dachstuhlbrand im September 2015, ausgelöst durch den defekten Trafo einer LED-Lampe, machte die Familie von Antje Reinwardt über Nacht obdachlos und entzog der Friseurmeisterin zumindest für kurze Zeit ihre Geschäftsgrundlage. Denn das Löschwasser, das die Feuerwehrleute einsetzen musste, löschte nicht nur die Flammen, sondern machte auch ein Bedienen von Kunden im Erdgeschoss unmöglich. Auf das Feuer hatte die Familienkatze aufmerksam gemacht. Eine Nachbildung von ihr schmückt seit dem Richtfest das neue Dach.

Aufgeben war weder für die Familie noch für die Geschäftsfrau eine Option. Kurze Zeit nach dem Unglück bekam die Familie nicht nur das zweite Kind, sondern Antje Reinwardt eröffnete im ehemaligen Einkaufseck Lamm an der Ecke Chemnitzer Straße/Lindenplatz, der sogenannten Hundert, einen Übergangssalon. Das Inventar war zum Teil gespendet. Viele Kunden zogen mit um. Einige besuchten die Friseurinnen auch zuhause.

Der Weg bis zum Wiedereinzug in die Colditzer Straße 4 war steinig. Erst nach acht Monaten lag ein Versicherungsgutachten vor, konnte der Wiederaufbau des Hauses beginnen. Von dem Gebäude blieben lediglich die Außenmauern stehen. Die Innenaufteilung wurde neu konzipiert und in den Arbeitsbereichen auch den aktuellen Erfordernissen angepasst. Statt Kosmetikkabinen gibt es zum Beispiel eigene Räume für die Kosmetikbehandlung. Im März 2018 konnte Antje Reinwardt mit damals 17 Mitarbeitern, Kunden und Helfern die Neueröffnung feiern.

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