0f11wxp6nvsy8u09ujsvkguw62hhkajd.jpg

Klosterbergbaude: Jetzt gibt es erste Kaufangebote

01.06.2021
Nach über vier Jahrzehnten will sich Gottfried Lange von seiner Berggaststätte in Demitz-Thumitz trennen. Doch er überlässt sie nicht jedem.

Von Richard Walde 

Demitz-Thumitz. Es ist ruhig geworden auf dem Demitz-Thumitzer Klosterberg. Statt vollen Sitzen mit hungrigen Gästen ist Wirt Gottfried Lange hier oben meist alleine. Doch nicht etwa die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt. Die Zeit sei für ihn nun einfach gekommen, das Gasthaus an einen Nachfolger zu übergeben, sagt er. "Von den 1980ern bis 2019 haben wir hier volles Programm geboten, mit Festen und vielem mehr", erzählt Lange im Gespräch mit Sächsische.de.

Bei der Suche nach einem neuen Eigentümer hilft ihm die Bischofswerdaer Maklerin Carla Schöne. "Herr Lange beabsichtigt schon seit einiger Zeit, die Immobilie zu veräußern, den Klosterberg also in gute Hände abzugeben", sagt sie. Doch müsse vorab einiges geklärt werden, damit das möglich sei. Beispielsweise das Wegerecht, denn der Gasthof ist mit dem Auto nur über einen Weg erreichbar, der der Basalt-Actien-Gesellschaft gehört. Dort sei man aber auf einem guten Weg, wie Schöne bestätigt.

Mittlerweile gebe es auch schon erste Angebote von möglichen Käufern des Gasthauses und des insgesamt 5.000 Quadratmeter großen Grundstücks. "Die Suche läuft gerade an, es gibt erste Interessenten, und die prüfen jetzt auch ihre Dinge. Bis jetzt sind das Leute aus unserer Region, und wenn da ein Plan funktionieren würde, wäre das natürlich perfekt", betont Schöne. Denn von zwielichtigen Investoren oder Aktionären möchte man sich fernhalten, sagt auch der Wirt selbst. "So ohne Weiteres verschleudere ich das hier nicht".

In jahrelanger Handarbeit aufgebaut

Eröffnet hat Gottfried Lange seine Gaststätte im Jahr 1980. Dass es "seine Gaststätte" ist, darauf besteht er auch im Jahr 2021. Denn er habe sie in mehrjähriger Handarbeit mit zahlreichen Helfern errichtet. "Die Leute, die mir geholfen haben, sind erst den ganzen Tag arbeiten gewesen und waren dann am Abend hier auf dem Klosterberg", sagt er, während er in der Vergangenheit schwelgt. Zeitweise habe er sogar 15 Helfer gehabt. Doch auch selbst habe er Tag und Nacht geschuftet.

"Die Fensterbänke habe ich hier einzeln mit meinem Motorrad hochgefahren, über 40 Mal", sagt Lange, dem die vier Jahrzehnte auf dem Klosterberg sehr viel bedeuten. "Ich möchte mich bei all den Menschen bedanken, die mir beim Bau geholfen haben, und natürlich auch bei allen meinen wundervollen Gästen", betont er. An einen Gast kann er sich noch heute ganz genau erinnern. "Sogar Putin hat mal hier oben gesessen und gegessen", erzählt Lange.

Einen ganz besonderen Dank schickt er auch an seine Frau Erna, die im vergangenen Jahr verstorben ist. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen, ist sich Lange sicher. "Meine Frau hat viele Jahre mit bedient, es gab keine Festangestellten", sagt er. Als Duo meisterten die beiden alle Aufgaben fast ausschließlich im Alleingang. "Die Küche habe ich immer alleine gemacht, bis zu 120 Essen am Tag und dazu noch abgewaschen, Kartoffeln geschält und saubergemacht", sagt er.

Gemeinde unterstützt Inhaber und Interessenten

Mittlerweile sei das anders. "Zeitweise hatte ich bis zu 70 Schafe hier, jetzt können sie mich alten Bock hier alleine besuchen", scherzt Lange. Denn wenn er auf dem Klosterberg ist, gibt es hin und wieder noch Getränke zum Mitnehmen für vorbeikommende Wanderer. "Ich habe noch das Gewerbe angemeldet und öffne immer, wenn ich hier oben bin", versichert er.

Damit das nicht auch noch wegfällt, hat auch der Demitz-Thumitzer Bürgermeister seine Unterstützung angeboten, egal worum es geht. "Ich stehe immer gerne für Gespräche zur Verfügung, sei es für Herrn Lange oder für einen möglichen neuen Inhaber und würde mich sehr freuen, wenn der Erwerber dort oben eine Gaststätte oder ähnliches fortführen würde", sagt Jens Glowienka (CDU).

Denn ob die Berggaststätte Klosterberg tatsächlich als Gasthaus weitergeführt wird, ist noch nicht sicher. Viele Leute hoffen das aber. Denn sonst würde möglicherweise die vier Jahrzehnte lange Geschichte rund um Gottfried Lange wohl oder übel in Vergessenheit geraten und die Region ein Ausflugsziel verlieren.

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Wo Tischler ein Traumberuf ist

Wo Tischler ein Traumberuf ist

Während der Pandemie ist das Interesse für eine Ausbildung im Handwerk gestiegen. 900 freie Lehrstellen gibt’s noch.

Die tiefgekühlte Hoffnung der Wirtschaft

Die tiefgekühlte Hoffnung der Wirtschaft

Bei Stuttgart wird der erste Quantencomputer Europas enthüllt. Mit ihm startet Deutschland in die Technologiezukunft.

Niederschlesien eröffnet Regionalbüro in Dresden

Niederschlesien eröffnet Regionalbüro in Dresden

Die Nachbarregion und Sachsen wollen die Kooperation vertiefen - vor allem im Energiebereich.

Tablets neben Lenkrad und Maurerkelle

Tablets neben Lenkrad und Maurerkelle

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig wirbt für Digitalisierung in Firmen – und versucht, die Angst vor Jobverlusten zu nehmen.