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Kommt Karls Erdbeerhof nach Sachsen?

17.09.2019
Das Reich von Erdbeerbär Karlchen soll wachsen. Neue Standorte der Erlebnisdörfer könnten Leipzig und Dresden sein.

Das Reich von Erdbeerbär Karlchen reicht seit einigen Wochen nicht mehr nur bis nach Elstal bei Berlin. Karlchen hat auch auf dem Rittergut von Barby im Jerichower Land ein neues Zuhause gefunden. Das weitläufige Anwesen gehörte einst den Großeltern von Robert Dahl. Er führt den Familienbetrieb und damit auch die Karls Erlebnisdörfer in dritter Generation. Den Wunsch des Großvaters, das einst enteignete Gut solle wieder Familienbesitz werden, verstand Robert Dahl als Auftrag. Er kaufte das Anwesen für 80.000 Euro und investierte rund vier Millionen Euro in ein Café und ein Restaurant mit gutbürgerlicher Küche. Erdbeerfelder sucht man rund um Barby vergebens. Dafür gibt es hier vermutlich Deutschlands größte zusammenhängende Walnussplantage.

Dort, wo Karlchen, der feuerwehrrote Teddybär mit dem sonnengelben Bauch und grasgrünem Hut Zuhause ist, müssen nicht unbedingt Erdbeeren wachsen. „Die haben wir hier, rund um Rövershagen, reichlich“, sagt Robert Dahl. Auch wenn sich der Chef des Erdbeer-Imperiums mit Geschäftszahlen ansonsten eher zurückhält, soviel verrät er dann doch: Sein Unternehmen baut auf einer Fläche von 410 Hektar rund um Rostock jährlich rund 8.000 Tonnen Erdbeeren an und vermarktet sie im Direktvertrieb bis nach Leipzig oder Dresden.

Die Hauptsaison für die rote Beere ist seit Anfang August vorbei, doch die späten Sorten auf den Feldern im Erdbeerreich tragen bis in den Oktober hinein. Der August, der immer wieder einen Wechsel aus Sonne und Regen brachte, freute Erdbeerbauer Dahl. Das Wasser war dringend nötig, denn die Regenrückhaltebecken, in denen die Nässe des Winters gesammelt wird, waren fast leer. „Dass wir unsere Beeren bewässern müssen, ist selbstverständlich. In jeder Reihe liegt ein Schlauch“, sagt Robert Dahl. Doch 2018 und auch 2019 drohte nach viel zu langen Dürreperioden das gespeicherte Regenwasser auszugehen.

Mix aus Bauernhof und Disneyland

Bei Karls versucht man deshalb, die Anbaumethoden weiter zu verfeinern, die Sortenauswahl zu überprüfen und auf den Einsatz von Unkrautvernichtern gänzlich zu verzichten. Das ist 2019 erstmals komplett gelungen, sagt Robert Dahl, der gerade aus einem Gespräch mit Vertretern des Anbauverbandes Bioland kommt. Ob die Rövershagener Beeren irgendwann einmal tatsächlich ein Ökosiegel tragen werden, das sei noch offen, so der Geschäftsführer. Es sei als Direktvermarkter auch nicht so entscheidend. „Aber mir ist wichtig, dass wir den Ökogedanken leben, auf den Feldern und auch in unseren Erlebnisdörfern“, so Robert Dahl. Es sei, so der Unternehmer, seine innere Überzeugung, auch als Vater von drei Kindern, dass man mit Ressourcen schonend umgehen müsse.

Sieben Standorte des Erlebnisdorfes gibt es mittlerweile bundesweit und bald könnten zwei weitere dazukommen. Karlchen sucht in Sachsen ein neues Zuhause. „Wir wissen aus unseren Social Media-Aktivitäten und auch aus den Einkäufen im Onlineshop, dass wir in Sachsen eine sehr große und sehr treue Fangemeinde haben. Das verstehen wir natürlich auch als Ansporn, uns dort zu engagieren“, sagt Robert Dahl. Bereits 2016 gab es Gespräche mit der Stadt Leipzig. Die Messemetropole wäre interessant für ein Einzugsgebiet bis nach Thüringen und Sachsen-Anhalt. Für Dresden spräche hingegen die Nähe zu Tschechien und Polen. Einen genauen Zeitplan wollte Robert Dahl nicht benennen, aber grundsätzlich sei der Bau eines Karls Erlebnisdorfes in Sachsen denkbar.

Zunächst müsse allerdings noch die große Fotovoltaik-Anlage in Rövershagen, dem Stammsitz des Imperiums, vollendet werden. Auch sie sei ein Schritt, damit das Erlebnisdorf grüner werde. Finanziert wird das Millionenprojekt mit Unterstützung von Banken. Andere Investitionen, wie der Hotelneubau in Elstal bei Berlin, werden aus laufenden Einnahmen finanziert. „Das limitiert zwar die Geschwindigkeit des Wachstums, man schläft aber deutlich ruhiger“, sagt Robert Dahl.

Alles andere als perfekt

Ideen für Karls Erdbeerwelt hat er viele. Und die Mischung aus überdimensionalem Bauernmarkt und Disneyland kommt gut an, zumindest bei dem Gros der Altersgruppen. Lediglich im Teenageralter sorgt ein Besuch des Erlebnisdorfes mit Traktor- und Raupenbahn, Kartoffelsackrutsche und Indoor-Spielplatz für weniger Begeisterung. „Das werden wir vermutlich auch mit unserer neuen Computer-App nicht ändern“, ist Robert Dahl realistisch. Sie soll in wenigen Monaten starten und den Besuch noch abwechslungsreicher machen. Bei der digitalen Schnitzeljagd können bestimmte Stationen innerhalb der Dörfer ausprobiert und Punkte gesammelt werden, die gegen eine Patenschaft für eine Wildblumenwiese angerechnet werden. Doch nicht nur bei der Schnitzeljagd 2.0 setzt Robert Dahl auf die digitale Zukunft. Auch die Werbekampagnen der Erlebnisdörfer laufen vorrangig im Netz. Youtube oder Facebook sind die Plattformen, über die man die Zielgruppe erreicht und mit ihr im Gespräch bleibt.

Bewertungen des Besuchs werden von den Besuchern auch gegeben. „Sie verraten uns, dass wir alles andere als perfekt sind“, sagt Robert Dahl. Genau das scheint aber die Gäste zu faszinieren. Durchschnittlich drei Millionen Besucher wurden in den Erdbeerdörfern in den letzten Jahren gezählt. 2019 rechnet Robert Dahl mit einem spürbaren Zuwachs, vor allem in Rövershagen, wo 2018 das mehrfach ausgezeichnete Hotel „Alles Paletti“ eröffnet hat. Hier werden Marmeladengläser zu Nachttischleuchten, Schlitten zu Handtuchregalen und Einkaufskörbe zu Deckenlampen. Upcycling heißt der Trend, bei dem Gebrauchtes in neuen Zusammenhängen eingesetzt wird. „Und der passt gut zu unserem Konzept der Nachhaltigkeit“, sagt Dahl.

Die betagten Einrichtungsgegenstände werden von dem Karls-Team gezielt auf Flohmärkten oder Onlineportalen gesucht. Die Mehrzahl aber kommt von den Besuchern selbst, die beim Hausputz auf alte Zinkbadewannen, Waschschüsseln oder Holzrechen stoßen. Wer seine Dachbodenfunde bei Karls abgibt, erhält Freitickets für die Erlebnisdörfer. Über die Jahre ist so ein riesiger Fundus zusammengekommen, der in einer eigens angemieteten Halle nahe Rövershagen lagert.

Inzwischen gibt es immer mehr Vermarkter, die die Idee von Karls, eine Erlebniswelt um ein Produkt zu stricken, kopieren. Robert Dahl sieht darin keine Bedrohung, es sei, sagt er, vielmehr ein Zeichen, dass das Geschäftsmodell funktioniere. Kopiert werde nur, was gut sei, so Dahl, und patentieren lassen könne man sich die Idee ohnehin nicht.

 

Von Ines Mallek-Klein

Foto: © Jens Büttner/dpa

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