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Kommt langsam wieder Leben in die Stadt?

26.01.2022
Lokale dürfen länger öffnen, Kinos sind offen. Das zieht vor allem am Wochenende Besucher in die Dresdner City. Warum das nicht reicht.

Dresden. Seit dem 14. Januar dürfen Touristen wieder in Sachsens Hotels übernachten, die Geschäfte locken mit reduzierten Angeboten, Restaurants sind nun bis 22 Uhr geöffnet und die Museen dürfen wieder Besucher empfangen. In der Dresdner Innenstadt gibt es zudem einen 2G-Stempel, der Kunden das Einkaufen erleichtern soll. Die Stadt scheint am Samstag auch deutlich voller, als an den Tagen zuvor. Haben die Händler, Gastronomen und Hoteliers die Talsohle jetzt durchschritten?

Sind wieder Touristen in Dresden?

Die Hoteliers sind froh, dass sie nun wieder Touristen beherbergen könne, aber so richtig nimmt das Geschäft noch keine Fahrt auf. "Auch wenn zu unser aller Freude touristische Übernachtungen seit 14. Januar unter 2G+ wieder möglich sind, haben wir keine wesentlichen Änderungen im Gästeaufkommen am ersten Wochenende verzeichnen können", sagt Cindy Knobloch vom Bilderberg Bellevue Hotel. Allerdings gehörten Januar und Februar aber schon vor der Pandemie zu den umsatzschwächeren Monaten in der Hotellerie in Dresden. Es gibt aber schon erste Buchungen für 2022. "Wir merken, dass Highlights in 2022 wie die Kaisermania, das Konzert von Udo Lindenberg oder das Triathlon-Event Ironman schon sehr gut nachgefragt sind. Außerdem freuen wir uns im Vergleich zur selben Zeit im Vorjahr über mehr Anfragen für Veranstaltungen – auch wenn sich die Zahl noch nicht auf Vorkrisenniveau bewegt."

Das Kempinski hat erst seit 19. Januar wieder offen. Sprecher Clemens Degenhardt berichtet, die Gäste seien in ihren Buchungen für 2022 abwartend oder sehr verhalten. "Insbesondere im Bereich Veranstaltungen und Events, eines unserer Kernbereiche, fehlt die Planungssicherheit für unsere Gäste."

Florian Leisentritt, Chef der Dresdner Hotel-Allianz, bezeichnet die Situation in vielen Hotels und Lokalen nach rund 20 Monaten „Stille“ als existenzbedrohend. "Kürzlich haben in einer Umfrage des Dehoga 65 Prozent der teilnehmenden Betriebe angegeben, dass ihre Betriebe in der Existenz gefährdet sind", sagt er. Die Politik müsse die Branche endlich ernst nehmen. "Es kann doch nicht sein, dass wir immer als erstes genannt werden, wenn es um Schließungen oder Verschärfungen der Maßnahmen geht, und dann aber auch wieder als letzte Branche in den Normalbetrieb übergehen dürfen", sagt Leisentritt.

Was sagen Innenstadt-Händler?

Noch keine Entwarnung für den Handel sieht Christian Polkow, der Centermanager der Altmarktgalerie. "Der vorletzte Samstag war unter den aktuellen Bedingungen gut besucht, aber unverändert liegen die Frequenzen weit unter den Vor-Coronazeiten und auch deutlich unter denen aus dem Herbst 2021, wo es noch keine 2G-Regelungen gab", sagt er. Die in der Dresdner Innenstadt angelaufene Stempellösung ermögliche den Kunden zwar eine neue Option, die das Einkaufen in mehreren Geschäften ohne immer wiederkehrende Kontrollen erleichtert. "Aber perspektivisch würde uns viel mehr eine Aufhebung der 2G-Regelung helfen."

Dafür gebe es mit der Studie zur Sicherheit von FFP2-Masken des Göttinger Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation neue, sehr stichhaltige Argumente. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass, wenn sich ein infizierter und ein gesunder Mensch jeweils mit FFP2-Maske in einem Innenraum auf kurzer Distanz begegnen, die Ansteckungsgefahr auch nach 20 Minuten bei nur 1 zu 1.000 liege, so Polkow. Mit Niedersachsen, Bayern und dem Saarland gebe es inzwischen drei Bundesländer, wo es basierend auf Gerichtsurteilen keine 2G-Regelungen im Einzelhandel mehr gibt.

Die Stempellösung sei aber gut von den Kunden angenommen worden, insbesondere Sport Scheck in der Altmarktgalerie habe gute Erfahrungen damit gemacht.

Kommen mehr Gäste in die Restaurants?

Über diese Frage kann Thomas Widmann nur den Kopf schütteln. Der Innenstadtgastronom hat seine acht Läden in der Weißen Gasse, auf dem Neumarkt und an der Dreikönigskirche deshalb im Januar komplett geschlossen. "In der Woche kommt so gut wie gar kein Kunde, am Wochenende wären es mehr, aber auch das ist noch unwirtschaftlich", sagt er. "Ich bin jeden Tag in der Weißen Gasse, dort ist kaum Kundenfrequenz. Von Touristen ist nichts zu sehen."

Im Februar will Widmann jedoch wieder öffnen, dazu will er sich in der kommenden Woche mit seinen Mitarbeitern abstimmen. Doch das hat auch damit zu tun, dass es dann keine staatlichen Hilfen mehr gibt. Er sei gespannt, wie das Geschäft anlaufe. Im Sommer 2021 konnten er und seine Familie wieder viel aufholen und Umsatz erwirtschafte. Aber ob das dieses Jahr auch so funktioniert?

"Wir haben gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise. Am Ende wird ein Gaststättenbesuch ein Luxus für die Kunden, das kommt noch dazu", sagt Widmann. Er befürchtet, dass es die individuelle Gastronomie schwer haben wird, zu überleben, denn die bundesweit agierenden Ketten könnten ihre Preise über den zentralen Einkauf besser steuern.

Wie gut besucht sind Zoo und Kinos?

Seit dem 14. Januar haben die Dresdner nun wieder mehr Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Auch der Zoo hat wieder geöffnet und ist zufrieden. "Die Besucherzahlen am vergangenen Wochenende waren sehr zufriedenstellend. Am vorigen Sonntag konnten wir mehr als 3.000 Besucher zählen, was sicher darauf zurückzuführen ist, dass wir nun auch wieder unsere Tierhäuser öffnen dürfen", sagt Sprecherin Katrin Kretschmer. Gerade in der kalten Jahreszeit gewinne der Zoobesuch damit deutlich an Attraktivität. "Ob mehr Touristen in der Stadt sind, haben wir bei uns jedoch noch nicht gespürt."

Auch in den Kinos ist wieder Betrieb in den Sälen. "Dank der Lockerungen hatten wir auch endlich wieder die Gelegenheit Kinofilme zu zeigen. Die Besucherzahlen waren noch zurückhaltend, weil viele nicht mitbekommen haben, dass Kinos wieder öffnen dürfen", sagt Frederic Riech vom Ufa-Palast. Gerade am Sonntag hätten viele Familien im Kino das Angebot aber gern angenommen.

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