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Lichtdesigner planen neue Manufaktur

Landkreis Bautzen 12.04.2019
Die Kamenzer Firma Corporate Friends wächst und wächst. Sie liefert Vitrinenleuchten bis nach Katar und Neuseeland.

Jetzt ist es so gut wie amtlich. Die Firma Corporate Friends GmbH von Jan Eickhoff wird ihr Domizil auf der Pulsnitzer Straße in Kamenz über kurz oder lang verlassen. Dabei war man doch erst im letzten Dezember mit einem Teil des Unternehmens in den Zwischenbau neben der Produktion gezogen! Aber der Platz reicht trotzdem nicht mehr aus. Denn die LED-Spezialleuchten-Firma wächst und wächst, seit sie 2011 vom gebürtigen Saarländer in Kamenz aus der Taufe gehoben wurde. „Wir haben uns jetzt entschlossen, auf der grünen Wiese ganz neu zu bauen.“ Die Fläche am Siedlungsweg, gleich neben dem Edeka-Supermarkt, wurde dafür bereits gekauft. Mit dem Planungsbüro von Mario Schubert aus Radeberg und Architekt Zoltan Magyari hat man die richtigen Partner für die 1,5 Millionen-Gesamtinvestition an der Seite. Geplant ist eine moderne Manufaktur, die zunächst 800 Quadratmeter Nutzfläche auf zwei Etagen haben wird, aber jederzeit erweitert werden kann.

Und, wenn die Entwicklung so weiter geht wie bisher, kann getrost schon jetzt davon ausgegangen werden. Prokuristin Gesine Kutter: „Wir werden ab Mai dieses Jahres auf zwölf 12 Leute gewachsen sein und rechnen am Siedlungsweg mit bis zu 30 Leuten in der Produktion.“ Wenn alles klar gehe, übrigens auch in Sachen Investitionsförderung, könne noch 2020 der Bau starten und bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Wie sich aber die Auftragslage bis dahin weiterentwickelt haben wird, das kann nur relativ vage prognostiziert werden. Zuletzt kam man kaum den vielen Anfragen hinterher. „Unser Exportanteil ist bereits auf über 40 Prozent gewachsen“, sagt Gesine Kutter. In jüngster Zeit gab es Interesse aus der Türkei, aus Italien, Neuseeland und Australien. „Bei uns wird fast nur noch englisch gesprochen“, sagt die junge Frau.

Woher rührt das besondere Interesse der Kundschaft? Jan Eickhoff, studierter Industriedesigner, hat eher als alle anderen erkannt, welch enormes Potenzial in der LED-Technik steckt. Er entwickelte eine eigene Produktlinie für punktgenaue Vitrinenbeleuchtung. Bereits mehrfach hat er wichtige Produktpreise für seine vielfältig einsetzbaren Erzeugnisse erhalten. Die eigentliche Erfolgsgarantie aber steckt in der fortwährenden Weiterentwicklung der Produkte. Jan Eickhoff ist ein Tüftler, der immer weiter in die Materie eindringt. Was die Beweglichkeit der Strahler, ihre variable Einsetzbarkeit auf den Strommagnetschienen oder ihre Lichtstreuung betrifft. Die speziell konstruierten Lösungen für die unterschiedlichsten Abnehmer fußen auf Lichtmessungen, die wiederum eine Wissenschaft für sich sind. „Was wir machen, können andere nicht.“

Das beweist auch ein Blick auf die Referenzliste. Erst am 28. März wurde das Qatar-Nationalmuseum in Doha („die Wüstenrose“) eröffnet und eine Woche später das Bauhausmuseum in Weimar – mit hunderten LED-Leuchten aus der Lessingstadt, auf die deutschsprachige Vitrinenbauer ausgesprochen gern zurückgreifen. Mit Abstand größter Auftrag aber ist das Humboldt-Forum in Berlin. Dass man dort die Ausschreibung für bis zu 6000 Vitrinenstrahler gewinnen konnte, sagt eigentlich alles aus über die enorme Leistungsstärke des immer noch kleinen Start-Up-Unternehmens. Noch im Herbst 2019 soll im Berliner Schloss der erste Teil fertig werden. Spätestens dann werden die Spots der Welt auch wieder auf das Lichtdesign made in Kamenz gerichtet sein ...

 

Von Frank Oehl  

Foto: © René Plaul

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