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Lockdown: Sachsens Händler verlieren täglich 50 Millionen

11.12.2020
Der erneute Lockdown wird Sachsens Händler hart treffen. Ihr Verbandschef fordert nun neue Staatshilfen und sagt, wie sich Betroffene selbst helfen können.

Dresden. „Geschockt“ hat der Handelsverband Sachsen auf Sachsens Ankündigung reagiert, die Geschäfte jenseits der Lebensmittelbranche ab Montag zu schließen. Sächsische.de sprach mit seinem Chef René Glaser über die Folgen der Verschärfung der Corona-Regeln.

Herr Glaser, wie tief sitzt der Frust?

Wir sind sehr enttäuscht. Diese Anordnung der Regierung war nicht gut vorbereitet.

Was sagen Sie ihren Händlern?

Ihr dürft den Optimismus nicht verlieren, wenn es am 11. Januar wieder losgeht. Der Verband kämpft für Euch, auch um Hilfen.

Was schwebt Ihnen vor?

Es braucht eine schnelle Überbrückungshilfe III. Und wir fordern die gleiche Hilfe, wie sie Gaststätten erfahren: Erstattung des Umsatzausfalls auf Basis von 75 Prozent des Dezembergeschäfts 2019. Immerhin ist der Handel mit 112.000 Beschäftigten Sachsens drittgrößte Branche. Sie verliert 50 Millionen Euro pro Tag – ohne Lebensmittelgeschäfte, Drogerien und Onlinehandel.

Wer soll den Ausfall begleichen?

Egal, ob die Erstattung vom Bund oder vom Land kommt. Wir wollen nur nicht Opfer zwischen zwei Mühlsteinen werden. Da Sachsen die Schließung beschlossen hat, muss es zahlen, wenn’s der Bund nicht tut.

Werden sie notfalls klagen?

Weder Bundes- noch Landesverband sind klagebefugt. Ich kenne aber Händler, die als Betroffene vor Gericht ziehen wollen.

Können sich die Läden selbst helfen?

Wer einen Onlineshop hat oder via Amazon & Co verkauft, kann den Einbruch abmildern. Aber der Onlineumsatz kann stationäre Ausfälle nicht ansatzweise ausgleichen, schon gar nicht im Advent.

Und wer keinen Onlineshop hat?

Der kann per Website ein digitales Schaufenster öffnen und Lieferdienste nutzen. Wem beides fehlt, und das sind nur noch wenige, kann über soziale Medien für sich werben.

Nach Umfragen sieht sich fast jeder zweite Laden in der Existenz bedroht.

Unser Hauptverband rechnet in Deutschland mit 50.000 Pleiten. Das will ich nicht auf Sachsen runterrechnen. Da spielen regional Unterschiede eine große Rolle.

Erwarten Sie bis zum Lockdown am Montag chaotische Zustände?

Der Kundenstrom wird zunehmen, aber ohne Chaos. Daher kann es, auch wegen Zugangsbeschränkungen zu Wartezeiten kommen, für die ich um Verständnis bitte.

Kein Verständnis hat die Gewerkschaft Verdi, dass vor allem Discounter Sicherheitsauflagen nur noch lax umsetzen.

Diese Ansicht teile ich nicht. Die Zugangsbeschränkung wird durch weniger Körbe realisiert, Desinfektionsmittel stehen bereit. Mehr Sicherheitspersonal braucht es nicht, denn die Mitarbeiter setzen die Maskenpflicht durch. Statt unberechtigter Pauschalkritik wünsche ich mir ein konstruktives Miteinander - bis hin zur Sonntagsöffnung im Advent.

Für kommenden Sonntag kommt das zu spät, oder?

Wir sind die Letzten, die nicht kurzfristig reagieren könnten. Aber leider hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nicht mal eindeutig erklärt, ob Baumärkte öffnen dürfen. Sie verkaufen auch derzeit „systemrelevante“ Christbäume.

Die Fragen stellte Michael Rothe.

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