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Luxusmöbel aus dem Rödertal

Dresden 01.10.2019
Die Deutschen Werkstätten Hellerau investieren vier Millionen Euro. Das bringt auch neue Jobs.

Betreten verboten! heißt es derzeit am neuen Standort der Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau. Der entsteht nicht am Stammsitz, aber auch nicht so weit entfernt. Gebaut wird in Großröhrsdorf. Gleich gegenüber des Rödertalparks. Dort steht bereits der Rohbau für eine Fertigung mit Bürotrakt. Die Produktionshalle haben Bauleute gerade mit einem Teppich aus Stahlgittern ausgelegt. Dort kommt jetzt die Fußbodenheizung drauf. Deshalb müssen Besucher draußen bleiben.

Der Bau startete vor gut sechs Monaten und geht rasant voran. Zum Jahresende soll hier auf 2 000 Quadratmetern produziert werden. Wie es dazu kam, „ist eine lange Geschichte“, sagt Fritz Straub, Geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Werkstätten. Sie begann vor elf Jahren und hatte mit einer kleinen Ohorner Tischlerei zu tun. Die war für das Dresdner Unternehmen tätig. Der Chef wollte in den Ruhestand gehen und sorgte sich um die Zukunft seiner fünf Mitarbeiter. „Damals sind wir schon gewachsen“, sagt Fritz Straub. Es fehlten Kapazitäten für kleinere Aufträge. Für den Innenausbau von Wohnungen oder Appartements, Villen, ab und zu ein Büro. Dazu passte das Angebot aus Ohorn. So entstand die Deutsche Werkstätten Ohorn GmbH. Geschäftsführer der Tochtergesellschaft ist Thomas Milkuhn. Inzwischen entspreche die kleine Werkstatt in Ohorn nicht mehr dem wachsenden Geschäft. Deshalb habe das Unternehmen nach Alternativen gesucht, lange überlegt, die Auftragslage überprüft, so Fritz Straub. Der Standort sollte weder zu weit von Hellerau noch von Ohorn entfernt sein. Da keine geeignete Halle zu finden gewesen sei, fiel die Entscheidung zugunsten eines Neubaus. Der entsteht nun in Großröhrsdorf. Die Stadt habe mit dem Areal eines früheren Futtermittelwerkes ein geeignetes Grundstück mit einer Fläche von 20 000 Quadratmetern anbieten können.

Die wirtschaftlichen Aussichten seien gut, schätzt Fritz Straub ein: Die Nachfrage beim Innenausbau von Wohnungen im Luxusbereich sei steigend. Deshalb sei er froh, dass das Areal auch noch groß genug für Erweiterungspläne ist. Letztlich werde es von den Aufträgen abhängen, „wie wir reagieren“, sagt er.

Schon jetzt sei klar, dass es mit einer Handvoll Mitarbeiter nicht weitergehen könne. So übernehmen die Werkstätten 20 Mitarbeiter eines insolventen Möbelspezialisten aus Coswig. Mit etwa 30 Beschäftigten plant das Unternehmen derzeit insgesamt für Großröhrsdorf. Sie werden in dem künftigen Bearbeitungszentrum Möbel, Wand- und Deckenverkleidungen fertigen – mit modernster Säge-, Hobel- und Frästechnik bis zur Furnierbearbeitung und Lackierung. Die Materialien seien vielfältig, erklärt Thomas Milkuhn. Natürlich Holz, aber auch Naturstein, Glas, Kunststoffe und Metall. Thomas Milkuhn versichert: „Hier kommt nichts aus dem Katalog. Wir fertigen nur Unikate.“ Natürlich auch für das eigene neue Haus in Großröhrsdorf. Das werde in den repräsentativen Bereichen zu sehen sein. Fritz Straub: „Sie werden das Gebäude nicht mehr verlassen wollen.“ Um den Fertigungsbereich ist die Fassade fast fertig und in anthrazit gehalten. Ein Band in der Firmenfarbe Orange ums Gebäude soll ein Blickfang werden. Geheizt werde über Wärmepumpentechnik. Aufs Dach komme eine Photovoltaikanlage, „um eigenen Strom zu gewinnen“, erklärt Thomas Milkuhn. Der gesamte Bürobereich im vorderen Teil des Gebäudes werde außen mit Lärchenholz verkleidet, um architektonische Akzente zu setzen.

Im Wesentlichen habe man aber auf klare Farben und Formen orientiert. Es sei ein würdiger Bruder des Hellerauer Firmengebäudes und ordne sich zurückhaltend in seine Umgebung ein. Insgesamt rund vier Millionen Euro investieren die Werkstätten in den Neubau .

Die lenkt Fritz Straub nun seit 1992. Nach der politischen Wende in der DDR habe ihn damals die Treuhand auf den Möbelhersteller in Dresden-Hellerau aufmerksam gemacht. Der Manager aus dem Saarland orientierte sich in dieser Zeit neu. Er habe sich sofort in die Werkstätten „verliebt“ und überlegt, wie er das Werk retten könne. So habe Straub nicht die Möbelserienfertigung, sondern den Spezialbau übernommen. Dessen Fachleute hatten zum Beispiel schon Erfahrungen aus der Semperoper und von Regierungsbauten. Aus 80 Mitarbeitern damals werden nun 370 zum Jahresende mit Großröhrsdorf. Straub formte das Unternehmen zu einem Spezialisten für den Innenausbau. Jachten machen dabei einen großen Anteil aus. Das liest sich dann so über den Luxus der 124 Meter langen Jacht Katara: „Das wunderbar satte Rotbraun des Sapeli-Baumes bestimmt Wand- und Deckenverkleidungen der Gäste-Kabinen.“ Dazu kommen Aufträge für Banken, Firmen, Theater. Im Sächsischen Landtag in Dresden bauten die Hellerauer u. a. den Plenarsaal aus und möblierten Abgeordnetenzimmer. Im Kamenzer Jägermeister-Werk bauten sie den Empfangsbereich, die Kräuterausstellung und die Speiseräume aus.

Vor dem Neubau in Großröhrsdorf lässt sich unterdessen schon ausmachen, wo der Parkplatz entstehen wird. Daneben sieht es auf dem Nachbargrundstück etwas wüst aus. Dort war mal der Eingang zum Trockenwerk und jahrelang ein Imbiss. Der ist längst dicht. Die Deutschen Werkstätten wollen dieses Grundstück erwerben. Dann könnte der Schandfleck verschwinden.

 

Von Reiner Hanke

Foto: © Matthias Schumann

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