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Magere Ernte – nur nicht für Baywa Sachsen

18.04.2019
Der Händler gewinnt immer: Der Umsatz mit Getreide ist gestiegen, nun wird investiert.

Sächsische Apfelbäume blühen in diesem Jahr anderthalb Wochen früher als üblich, und die ersten Rapsfelder zeigen gelbe Spitzen. Nun müsste nach Ostern noch einmal Regen fallen, sagt Matthias Eckstein. Der sächsische Agrar-Experte im bayerischen Warenhandelskonzern Baywa AG findet zwar, dass die Pflanzen auf den Feldern derzeit gut aussehen und genügend Wasser in den obersten Bodenschichten finden. Doch in den nächsten zwei bis drei Wochen sei „flächendeckend mehr Niederschlag“ nötig.

Voriges Jahr war die Getreide-Ernte wegen langer Trockenheit vor allem im nördlichen Sachsen mager ausgefallen. Der Händler Baywa hat allerdings trotzdem Gewinne gemacht. Weil Getreide aufgrund der Knappheit teurer wurde, stiegen die Baywa-Agrarumsätze in Sachsen. Außerdem verlangte die Nahrungsmittelindustrie schneller nach Nachschub, sodass weniger Rohstoffe in den Silos blieben.

Ecksteins gute Nachricht: Die Pflanzen waren voriges Jahr sehr gesund, sodass die Landwirte weniger Pflanzenschutzmittel verbrauchten. Zunehmend dosieren sie auch den Stickstoffdünger angepasst an Bodenart und Nährstoffzusammensetzung – satellitengesteuert. Das Wort „digital“ fällt häufig in Vorträgen von Agrar-Experten. Eckstein räumt allerdings ein, vieles stecke noch „in der Entwicklungsphase“.

Sachsen sei bei Getreide weiterhin eine „Überschussregion“: Weizen wird von großen Lagern wie Reichenbach bei Görlitz oder Kämmereiforst bei Eilenburg per Bahn an die Ostsee nach Mukran und Vierow gebracht und zum Teil nach Afrika verschifft. Großbritannien ist unter den Abnehmern – auch nach dem Brexit „findet die Ware ihren Weg“, sagt Baywa-Sprecherin Marion Danneboom. Voriges Jahr ist nach der schlechten Ernte allerdings laut Eckstein nicht viel für den Export übrig geblieben. Er rechnet damit, dass die Nachfrage nach Futter hoch bleibt. Auch die Schweinemäster bei Oldenburg kaufen Rohstoffe aus Sachsen „zur Veredelung“, wie die Fleischproduktion in der Agrarsprache heißt. In diesem Jahr wird der Umsatz in der sächsischen Baywa-Agrarsparte laut Eckstein weiter steigen, selbst wenn nur eine durchschnittliche Witterung herrscht.

Regionalchef Dieter Popp zeigte sich mit der geschäftlichen Entwicklung in Sachsen „sehr zufrieden“, denn auch die Umsätze mit Landtechnik, Energie und Baustoffen sind gestiegen. Insgesamt setzte die Region 740 Millionen Euro um, gut neun Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Der Handelskonzern investiert auch weiter in große sächsische Standorte. Kleinere allerdings werden künftig auf den Prüfstand gestellt, das hat Konzernchef Klaus Josef Lutz bereits in München angekündigt. In diesem Jahr beginnt der Neubau des Technik-Standorts mit rund 20 Mitarbeitern in Großenhain für rund zwei Millionen Euro. Wenn er fertig ist, werden die Hallen im benachbarten Cunnersdorf mit rund 15 Mitarbeitern aufgegeben. Der laufende Ausbau des Lagers in Reichenbach bei Görlitz soll nächstes Jahr beendet sein. Vergrößert werden auch das Lager Kämmereiforst bei Eilenburg und eine Werkstatt in Neumark im Vogtland. Doch laut Eckstein werden Landwirtschaftsbetriebe immer größer, auch in Sachsen, wo sie häufig viel mehr Fläche haben als in Bayern. Die Agrarhändler müssten dabei mithalten.

Trotz der schlechten Ernte sieht Technik-Chef Reinhold Bichle eine stabile Nachfrage nach Landmaschinen – auch nach Striegeln und Hacken für den Ökolandbau. Am weiter wachsenden Baugeschäft will die Baustoff-Sparte laut Chef Siegmund Mader dieses Jahr möglichst mit mehr als sechs Prozent Zuwachs beteiligt sein. 

 

Von Georg Moeritz  

Foto: © Georg Moeritz

 

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