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„Mama-Hotel für Unternehmen“

22.07.2022
Firmen können jetzt Arbeitsplätze in Dresdens Co-Innovation Campus buchen.

Von Nora Miethke

Dresden ist um einen Ort reicher, an dem sich Kreative und Gründerteams treffen, vernetzen, zusammenarbeiten können. Vor Kurzem eröffnete der Co-Innovation Campus gegenüber vom Bahnhof Dresden-Neustadt. Ursprünglich wurde das Gebäude in der Antonstraße 25 als Hotel gebaut. Deshalb bezeichnet Martin Fiedler den Co-Innovation Campus gern als „Mama-Hotel für Unternehmen“. Er und seine Firma Ljnk betreiben das Gebäude gemeinsam mit dem Smart Systems Hub.
Unternehmen können Arbeitsplätze buchen, 62 gibt es insgesamt. Mobiliar, Internetanschluss, Strom – alles wird geliefert, bis auf Essen und Trinken. Darum muss sich selbst gekümmert werden. Aber der Co-Innovation Campus ist nicht einfach nur ein Start-up-Inkubator oder ein Coworking Space. „Das Besondere ist, dass alle Unternehmen hier im gleichen Technologieumfeld unterwegs sind, und zwar Technologien für das Internet der Dinge (IoT )entwickeln“, erklärt Michael Kaiser, Geschäftsführer des Smart Systems Hub.
Das Internet of Things (IoT) ist die Bezeichnung für das Netzwerk physischer Objekte („Things“), die mit Sensoren, Software und anderer Technik ausgestattet sind, um diese mit anderen Geräten und Systemen über das Internet zu vernetzen, sodass zwischen den Geräten Daten ausgetauscht werden können. Die Palette reicht von normalen Haushaltsgegenständen bis hin zu anspruchsvollen Industriewerkzeugen.


Kaiser hatte bereits vor fünf Jahren die Idee zu diesem Campus. Das Internet der Dinge sei so komplex, dass ein einzelnes Unternehmen allein die Systeme nicht entwickeln kann. Auf dem Campus in Dresden sollen Systemgeber, die eine Lösung für konkrete Problemstellungen suchen, Start-ups finden, die das gemeinsam entwickeln, ohne das schon klar ist, wie eine Lösung aussehen kann. Auf einer Etage ist ein IoT-Lab untergebracht, wo experimentiert werden kann.


Ein konkretes Beispiel: Der Chiphersteller Globalfoundries brauchte ein System für die Zustandsüberwachung und vorausschauende Wartung von Reinstwasserventilen. Auf dem Co-Innovation Campus fanden sich fünf Partner zusammen, darunter Infineon und T-Systems MMS, um in einem „Innovationssprint“ gemeinsam eine Lösung zu finden. Hinter dem Begriff „Innovationssprint“ verbirgt sich ein dreimonatiges, moderiertes Co-Innovationsformat im geschützten Raum, an deren Ende eine erste Systemlösung vorliegen soll. Darin sieht Kaiser das Alleinstellungsmerkmal, denn das Internet der Dinge sei so komplex, dass kein einzelnes Unternehmen allein Anwendungen entwickeln kann. Es müssten also die richtigen Partner gefunden werden, die das Risiko eingehen, zusammenzuarbeiten, ohne zu wissen, wie die Lösung am Ende aussehen wird, und eventuell auch zu scheitern. Neben der Geschwindigkeit ist die Einbeziehung von Start-ups und Studierenden in den Prozess eine weitere Besonderheit. Ein Kreativ-Coach soll dafür sorgen, dass alle Beteiligten auf Augenhöhe miteinander diskutieren können. So sollen Werksstudenten ermutigt werden, ihre Ideen auszusprechen, die sonst oft frühzeitig unterdrückt werden. Einen Platz für innovatives Denken geben, einen Fluchtpunkt aus festgefahrenen Strukturen im Alltag, das will der Co-Innovation Campus sein.

Im Fall von Globalfoundries zeigte der Innovationsprozess schon mal Erfolg. Das entwickelte Überwachungs- und Wartungssystem soll an allen Standorten des Chipherstellers eingesetzt werden. Ein anderes Format ist der Thin(gk)athon, wo Unternehmen konkrete Probleme in die Runde geben. Programmierer und Elektronikspezialisten können in einem drei- bis viertägigen Denk- und Entwicklungsmarathon an Lösungskonzepten tüfteln. So lobte zum Beispiel Zeiss Digital Innovation einen Thin(gk)athon – den Namen hat sich der Smart Systems Hub schützen lassen – zur Überwachung der Spaltmaße in der Automobilproduktion aus.
Das sind nur zwei Veranstaltungsformate. Michael Kaiser und seine Mitstreiter wie Mitstreiterinnen haben noch viele Ideen im Kopf, wie der Co-Innovation-Campus wachsen kann – nicht nur inhaltlich, auch räumlich.
 

 

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