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Mehr als ein Buchladen

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 11.10.2018
Seit 25 Jahren behauptet sich die Buchhandlung Findus in Tharandt. Wie geht das?


Auf Reisen zieht es sie in fremde Buchläden. „Mich interessieren Einrichtungen und deren Konzepte“, sagt Annaluise Erler, die Chefin der Tharandter Buchhandlung Findus. Kürzlich war sie mit einer Gruppe ausgewählter Buchhändler aus Deutschland in Norwegen, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse 2019.

Sie traf norwegische Schriftsteller, Illustratoren und Verleger. „Zwei Autoren, die Deutsch sprechen, werden im nächsten Jahr in unserem Ladenlokal lesen“, kündigt Annaluise Erler an. Fürs hauseigene Magazin fährt Sohn Julius Erler bald zu Fotoaufnahmen nach Norwegen. Die ganze Familie unterstützt die Arbeit. Die aktuelle Buchmesse in Frankfurt lässt die Findus-Chefin ausnahmsweise aus. Aus gutem Grund: Die Buchhandlung feiert am Freitag ihr 25-jähriges Bestehen in Tharandt.

Auch Literatur des diesjährigen Messe-Gastlandes Georgien liegt im Laden aus. „Die aus der Hauptstadt Tiflis stammende Schriftstellerin Nino Haratischwili liest auch im Januar bei uns“, erzählt Erler. Bereits 2015 habe sie ihre Saga „Das achte Leben (für Brilka)“ hier vorgestellt. Im Tresor ihrer Großmutter bewahrt Annaluise Erler die Gästebücher auf. Bis zu 120 Besucher haben im Laden an der Schillerstraße 1 bei Lesungen Platz. Seit 2007 befindet sich das Geschäft im einstigen Professorenhaus der Stadt auf rund 150 Quadratmeter Verkaufsfläche. Es ist der dritte Standort.

Im Oktober 1993 begrüßte Annaluise Erler die ersten Kunden in der Schillerstraße 3 auf 38 Quadratmetern. Kurz zuvor hatte das langjährige Buchgeschäft der Kleinstadt geschlossen. „Mir riet der Business-Berater aus der Buchbranche im Vorfeld zwar ab. Unter 20 000 Einwohnern rechne sich ein Buchladen nicht, betonte er.“

Annaluise Erler, die damals 33 war und Buchhändlerin gelernt hatte, ließ sich nicht beirren. Es war die wilde Nachwendezeit. Ihr Mann Jörn Erler lehrte schon ein Jahr lang als Forstprofessor in Tharandt. Sie war im Juni 1993 aus der niedersächsischen Universitätsstadt Göttingen nachgezogen, als sich endlich eine Wohnung fand. Das Ehepaar hatte schon vier Kinder. „Unser Jüngster wuchs in den ersten Jahren sogar noch bei mir im Laden auf.“

Bestellung nur mit viel Kleingeld

Das Geschäft hatte einen eigenen Charme: Die Ikea-Regale unter der niedrigen Decke waren mit Vielfalt gefüllt. Im Schein einer urigen Beleuchtung fanden die Lesungen statt. „Für telefonische Bestellungen musste ich anfangs zum Markt laufen“, erzählt Erler. Sie nahm viel Kleingeld mit, denn in der Telefonzelle rauschten Münzen oft klackernd durch.

Ganz anders sieht es heute aus. Seit etwa 15 Jahren hat die Buchhandlung einen Online-Shop, auch per App können Kunden bestellen. Im Laden empfiehlt Annaluise Erler Bücher auf persönliche Weise. Dabei wirkt mancher Band, wie beiläufig hingelegt. „Ich wähle gründlich aus und lese sehr viel.“ Kleinen inhabergeführten Verlagen gibt sie ein Podium. „Das sinnliche Erlebnis gewinnt bei der Lektüre an Bedeutung. Es gibt schon eine Gegenreaktion zur digitalen Buchwelt“, so die Findus-Chefin.

Sie nutzt aber auch Internet-Plattformen, wie Facebook und Instagram. Mit der Bloggerin Binea alias Bianca Steinhagen von „Literatwo“ arbeitet sie schon länger zusammen. „Wir ergänzen uns“, sagt die Buchhändlerin. Zum Erfolgsgeheimnis gehöre, dass sie oft Neues ausprobiere. So sei auch die Schmökerschatulle entstanden oder die Lesenacht. „Ich habe mich nie ausgeruht.“

Für Grundschüler rief Annaluise Erler den Lesekönig-Wettbewerb ins Leben. Einmal monatlich liest und bastelt sie mit Kindern. Zum Tag des Buches übernehmen Schüler den Verkauf. „Das ist bundesweit einmalig.“ Mit Gymnasiasten trifft sie sich zum Leseclub. In der Reihe „Konzetti“ wird der Laden mit Mitstreitern zur Galerie, inklusive Auktion für soziale Zwecke. Auch das Bürgerkochbuch oder die Idee zum lebendigen Adventskalender entstanden in ihrem Geschäft.

Die Krönung im Jahr 2017

Mehrfach wurde die Buchhandlung auf Bundesebene ausgezeichnet. Die höchste Auszeichnung erhielt sie 2017 mit dem Deutschen Buchhandlungspreis. Er war mit je 25 000 Euro dotiert und ging an die drei besten Buchhandlungen Deutschlands. „Vom Preisgeld fertigen wir unser Magazin. Außerdem habe ich im September eine Buchhändlerin in Vollzeit eingestellt“, sagt Annaluise Erler. Auch an einer Nachfolgeregelung arbeite sie bereits.

 

Von Dorit Oehme

Foto: © Andreas Weihs

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