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Mehr zu tun für Sachsens Elbehäfen – nicht mit Schiffen

Dresden 12.02.2020
Wasser fehlte im vorigen Jahr, trotzdem konnte der Hafenbetrieb des Freistaats eine Rekordmenge an Gütern verladen.

Ein Schiff wird kommen: Heiko Loroff blickte zwar auf ein leeres Hafenbecken in Dresden, als er am gestrigen Dienstag die Bilanz des Landesunternehmens Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH vorstellte. Doch der Geschäftsführer erwartet in den nächsten Tagen zwei Schwerguttransporte, die große Anlagenteile wie etwa Turbinen aus den Hafenlagern abholen und auf der Elbe nach Hamburg und Bremerhaven bringen. Solche Schiffs-Ankünfte sind inzwischen seltene Ereignisse: Der Dresdner Alberthafen zählte voriges Jahr 63 Schiffe, Riesa 77 und Torgau gerade mal zwei.

„Wenn wir nur mit Wasser arbeiten würden, wären wir heute wohl schon nicht mehr da“, sagte Loroff. Seit Anfang Mai hatten die Oberelbe-Häfen voriges Jahr mit sehr niedrigem Wasserstand in der Elbe zu kämpfen. Nach fünf Monaten Pause in der Binnenschifffahrt war im Oktober endlich wieder genügend Wasser unterm Schiff – aber nur für kurze Zeit, sodass die Elbetransporte bis Ende Januar 2020 erneut zum Erliegen kamen.

Trotzdem meldete der Geschäftsführer ein Rekordjahr für 2019: Der Verbund aus sechs Binnenhäfen kann laut Loroff auf die größte Umschlagmenge seit 1990 zurückblicken. Denn der Hafenchef misst seinen Erfolg vor allem in Tonnen, und diese Zahlen sind dank des Wirtschaftsbooms gestiegen. Um 16 Prozent wuchs der Güterumschlag in den Häfen, auf 3,06 Millionen Tonnen. Der Rückgang im Schiffsumschlag in Dresden, Riesa und Torgau wurde demnach kompensiert – durch eine Verlagerung auf die Bahn. Am stärksten nahm aber der Lastwagenverkehr zu.

Rückschlag wegen neuer Verordnung

Die Hafenkräne bedienen je nach Wasserstand Schiffe, Güterwaggons und Lastwagen. Lastwagen nahmen voriges Jahr zwei Drittel der Tonnage aus den Häfen auf, die Bahn 30 Prozent und Schiffe gerade mal gut vier Prozent. Im ebenfalls trockenen Jahr zuvor waren in Dresden 34 Schiffe mehr in den Hafen gekommen, in Riesa in beiden Jahren gleich viele. „Ab 1,20 Meter Wassertiefe können wir fahren“, sagte Loroff. Niedrigwasserphasen habe es immer gegeben, voriges Jahr habe das Unternehmen vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Der Umsatz stieg um 1,5 Millionen auf 23 Millionen Euro.

Einen Rückschlag erlebte der Hafenchef allerdings in Dresden, als er wegen neuer Vorschriften einen wichtigen Auftrag verlor: „Aus blauem Himmel“ sei Flussspat von der Wassergefährdungsklasse 0 neu in Klasse 1 eingestuft worden und durfte nicht mehr in Haufen ohne Dach an der Kaimauer gelagert werden. Der Empfänger des billigen Bergbau-Nebenprodukts, die Fluorchemie Dohna, habe nicht 3,5 Millionen Euro für einen Neubau ausgeben wollen und beziehe ihren Flussspat jetzt per Lastwagen aus Antwerpen. Loroff setzte daraufhin zeitweise Mitarbeiter nach Riesa um, weil dort mehr zu tun war.

Der Hafenverbund hat 150 Beschäftigte, zudem arbeiten laut Loroff etwa 1.500 Menschen in anderen Firmen in den Häfen. In drei bis vier Jahren will Loroff noch etwa zehn zusätzliche Beschäftigte in Dresden und fünf bis zehn in Riesa einstellen. Der Firmenchef sieht einen Vorteil des Unternehmensverbundes darin, Mitarbeiter zwischen den Standorten versetzen zu können. Daher macht ihm eine Formulierung im sächsischen Koalitionsvertrag Sorgen: Demnach steht auf dem Prüfstand, ob Sachsen auch künftig Häfen außerhalb des Freistaats betreiben soll. Denn das landeseigene Unternehmen mit seinen drei Häfen Dresden, Riesa und Torgau hat eine Tochterfirma, die Hafenanlagen in den tschechischen Städten Decin und Lovosice betreibt. Außerdem ist das Dresdner Unternehmen am Industriehafen Dessau-Roßlau beteiligt und führt den Betrieb im städtischen Hafen Mühlberg in Brandenburg, der allerdings nicht einmal einen Gleisanschluss besitzt.

Containerhafen Riese stark ausgelastet

Der Dresdner Alberthafen mit seinen fünf Portalkränen und einem 600-Tonnen-Schwerlastkran jenseits der Hafenbrücke verlädt beispielsweise Siemens-Energieanlagen aus Görlitz oder Lieferungen der Elbe-Flugzeugwerke. Riesa kümmert sich vor allem um Container und erzielte voriges Jahr zum dritten Mal nacheinander eine Rekordmenge: 44.343 Container wurden in Riesa umgeschlagen. Fünfmal wöchentlich verkehrt ein Güterzug namens Albatros-Express vom Hafen Riesa nachts nach Hamburg und Bremerhaven. Wacker-Chemie ist ein wichtiger Kunde. Die beiden tschechischen Häfen und Torgau dienen vor allem Agrarprodukten. In Roßlau war wegen Bauarbeiten voriges Jahr wenig für die Hafenarbeiter zu tun. Loroff betont jedoch, noch nie Kurzarbeit angeordnet zu haben und es weiter vermeiden zu wollen.

In Riesa bietet der Hafenverbund seinen Kunden eine Containerservicehalle, die laut Loroff „mehr als ausgelastet“ ist. Bis zu drei Wochen mussten Transportfirmen dort auf Reparaturen waren. „Wenn es boomt, dann boomt es“, sagte Loroff. Auch eine neue Lagerhalle in Lovosice sei schnell komplett ausgelastet worden.

Loroff wirbt für den Wasserweg als den ökologischsten und bedauert, dass Lastwagentransporte günstig angeboten werden. In Sachsens Koalitionsvertrag steht allerdings ein klares „Nein zum Elbeausbau“: Die Vorteile des Flusses als Transportweg wiegen demnach nicht die Nachteile für Natur und Hochwasserschutz auf. Ausdrücklich betont wird im Vertrag, dass der Hafenstandort Riesa erhalten bleiben soll. Das landeseigene Unternehmen plant dort schon länger den Ausbau mit neuen Kränen, hat aber wegen Verzögerungen durch das öffentliche Beteiligungsverfahren erst einmal als Zwischenlösung neue Großstapler anschaffen müssen.

 

Von Georg Moeritz

Foto: © Jens Büttner/dpa

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