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Mehrere Bewerber für Kamenzer Krankenhaus

Landkreis Bautzen 21.01.2020
Die Oberlausitz-Kliniken haben ernsthaftes Interesse – bisher aber noch keine Reaktion auf ihr Angebot.

Niemand hatte damit gerechnet, als die Nachricht vor gut acht Wochen wie eine Bombe einschlug: Die Malteser wollen sich von ihrem Krankenhaus in Kamenz trennen. Inzwischen gibt es  mehrere Bewerber. Darunter mit der Sana Kliniken AG aus Insmaningen bei München offenbar ein Schwergewicht. Zu der Gruppe gehört das Lausitzer Seenland Klinikum. Die AG gilt als drittgrößte private Klinikengruppe Deutschlands. Sana selbst teilte jetzt auf Sächsische.de-Nachfrage knapp mit: „Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Marktgerüchte grundsätzlich nicht kommentieren.“ Offensichtlich ist es aber mehr als ein Gerücht: Der Hoyerswerdaer Bürgermeister Thomas Delling ist Aufsichtsratsvorsitzender des Lausitzer Seenland Klinikums. Er bestätigte in einem Interview, dem Aufsichtsrat sei bekannt, dass sich die Sana Kliniken AG um das Malteser Krankenhaus bewirbt: „Dadurch könnte man in der Region zusätzliche Synergieeffekte erzielen, Und die medizinischen Spektren der beiden Kliniken sinnvoll verbinden.“ 

Krankenhaus muss bleiben

Sana ist nicht der einzige Krankenhausträger, der ein Angebot abgegeben hat. Reiner E. Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken (OLK) mit Sitz in Bautzen bestätigt, dass auch sein Haus unter den Bewerbern ist. Fest stehe für ihn, so Rogowski: Der Krankenhausstandort Kamenz, in einer Stadt mit 17 000 Einwohnern und mit Wachstumstrend, könne nicht infrage gestellt werden. Diese Sorge formulierte der Stadtrat. Verunsichert seien im Besonderen Patienten und Belegschaft des Klinikums. Eine Schließung wäre unverantwortlich, heißt es im Positionspapier. Gerade im ländlichen Raum. Denn auch dort hätten Menschen einen berechtigten Anspruch auf eine gute Krankenhausversorgung. Die Erklärung gipfelt im Appell an alle Beteiligten, das Kamenzer Krankenhaus an seinem jetzigen Standort zu erhalten. Er kenne das Haus ganz gut, so Reiner Rogowski, es sei eine sehr gute Mannschaft. Allerdings fehlten noch einige wichtige Daten, um sich ein umfassendes Bild für eine Übernahme machen zu können. Falls es allerdings nur um die Übernahme des Gesamtpaktes mit allen sechs vakanten Malteser-Kliniken gehe, wären die OLK kein Partner. Er sei sich aber sicher, Kamenz würde gut zu den Oberlausitz-Kliniken passen. Es gebe allerdings noch andere Krankenhausgruppen unter den Bewerbern.

Klaus Walraf von der Malteser Deutschland gGmbH räumt zum Klinikverkauf ein, dass er gerade Fragen zu den Bewerbern nicht beantworten könne. Um die Gespräche mit geeigneten neuen Trägern vertrauensvoll führen zu können, sei vertraglich Vertraulichkeit unter den Gesprächspartnern vereinbart worden. Zu den Auswahlkriterien erläutert Walraf: „Als neuer Eigentümer kommen ausschließlich in Deutschland tätige und auf dem deutschen Gesundheitsmarkt erfahrene und renommierte Krankenhausträger in Betracht.“

Gespräche mit Bewerbern

Wichtig sei den Maltesern in den Gesprächen, dass die hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung langfristig am Standort gesichert ist „und unsere Mitarbeitenden einen Arbeitsplatz mit Zukunft behalten“, so Walraf. Der Kamenzer OB Roland Dantz erwarte, dass dieses Versprechen eingelöst wird, sagte er gegenüber Sächsische.de. Es dürfe tatsächlich nicht nur um den Erhalt gehen. Es müsse eine Perspektive für den Standort und seine Weiterentwicklung gegeben werden. Kritik übt der OB am früheren Landkreis. Der habe bei der Übergabe der Aufgabe an die Malteser versäumt, sich ein Mitspracherecht bei einem neuerlichen Trägerwechsel einzuräumen. Denn es gehe um die öffentliche Daseinsfürsorge für Kamenz: „Die Menschen erwarten eine hohe medizinische Qualität und die Nähe zum Patienten.“

Die Gespräche mit den Bewerbern würden noch laufen, heißt es aus der Malteserzentrale in Köln. Bei den Oberlausitzer Kliniken habe es seit der Bewerbung noch keine Rückmeldung gegeben. Betroffen sind zwei Krankenhäuser in Sachsen und vier im Rheinland. Die Gründe würden in der Situation der stationären Krankenversorgung liegen, erklärt Klaus Walraf. Er spricht zum einen von Vergütungen, die die Kostensteigerungen nur teilweise abdecken. Zum anderen sei die Förderung erforderlicher Investitionen unzureichend. Dies macht es insbesondere für Betreiber kleinerer Gruppen und einzelner Krankenhäuser schwierig, einen kostendeckenden Betrieb aufrechtzuerhalten und zusätzlich die notwendigen Investitionen in die einzelnen Häuser zu stemmen. „In den etablierten Strukturen und mit der finanziellen Ausstattung können die Malteser daher an den sechs Standorten eine hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung nicht nachhaltig sicherstellen“, so Walraf. Ein neuer Träger für das St. Johannes und die anderen Häuser soll in den ersten Monaten dieses Jahres feststehen. An dem Zeitrahmen halten die Malteser fest. Man sei sich bewusst, dass dieser Zeitraum für die Belegschaft mit Fragen gespickt sei, so Klaus Walraf. Auf die gebe es „schnell leider keine Antwort“. In der Belegschaft ist unterdessen schon Enttäuschung über die Malteser da. „Die Entscheidung ist uns Maltesern sehr schwergefallen“, so Walraf. Um den Veränderungsprozess „gut zu gestalten, haben wir uns um schnelle Information bemüht“, so Walraf und „die Mitarbeitenden umgehend nach der Entscheidung des Aufsichtsrates der Malteser Deutschland informiert“.

Es sei traurig, dass die Malteser das Krankenhaus abgeben wollen, aber nachvollziehbar, schätzt Reiner Rogowski ein. 2019 sei auch für die OLK ein schwieriges Jahr gewesen, räumt er ein. Er sehe aber keine so dramatischen wirtschaftlichen Probleme. Das Modell der OLK mit 14 Standorten in der Region funktioniere. Die Malteser seien dagegen ganz anders strukturiert. Er denke, so Rogowski, dass sein Haus gegenüber den ganz großen Kliniken gute Chancen habe. Sana zum Beispiel sei eine Aktiengesellschaft. Es gehe um den Grundwert. Da sei die OLK als gemeinnütziges Unternehmen nahe bei den Maltesern.

 

Von Reiner Hanke

Foto: © Matthias Schumann

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