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Minister Günther startet Kampagne für Windstrom

16.11.2021
Sachsens Umweltminister will für die sächsische Energiewende werben. Akzeptanz braucht er auch innerhalb der Landesregierung.

Von Georg Moeritz 

Bernsdorf. Ein kreisrunder Raum, darin ein Stahlkasten mit Kabeln und Stromzähler – und ein Holzpodest für Sachsens Umweltminister: Im Fuß einer Windkraftanlage hat Wolfram Günther (Grüne) am Montag in Bernsdorf bei Zwickau eine Werbekampagne gestartet. Bei vier Grad Kälte hatten Mitarbeiter sogar ein paar Kerzen in dem sonst verschlossenen Technikraum aufgestellt.

Die neue sächsische Kampagne soll „Aufwind“ für die Ökostrom-Produktion bringen. Grünen-Minister Günther hofft auf mehr Akzeptanz für Windkraft-Anlagen, um die er selbst innerhalb der Landesregierung ringt. Der Minister bekommt Unterstützung: Als er ein Werbeplakat vor der Windanlage enthüllt, fasst auch Karen Kutzner mit an.

Die Finanzchefin von Volkswagen Sachsen sagt, dass die sächsischen VW-Werke seit Jahren nur „Grünstrom“ verbrauchen – aber der werde in Österreich ins Stromnetz eingespeist. „Wir würden uns freuen, wenn der Grünstrom aus Sachsen käme“. Ziel müsse es sein, „den von Menschen gemachten Klimawandel zu begrenzen“.

In Glasgow global gedacht, in Sachsens Stadtwerken lokal

Auch Florian Gräßler, der den Stadtwerke-Verband VKU in Sachsen vertritt, betont den Bedarf an Ökostrom. In Glasgow bei der UN-Klimakonferenz sei global gedacht worden, aber „wir Stadtwerke wollen lokal handeln“. Mehr Flächen für Wind- und Solarkraftwerke müssten genehmigt werden, um mit dem Strom Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge anzutreiben oder Wasserstoff als Speichermedium herzustellen.

Das BMW-Werk in Leipzig deckt einen großen Teil seines Strombedarfs mit vier großen Windrädern, so steht es als gutes Beispiel auf der neuen Internetseite des Umweltministeriums zur Werbekampagne. Plakate und Informationen in vielen Medien sollen die Botschaft in den kommenden Wochen verbreiten: „Energieland Sachsen. Gemeinsam erneuern“, heißt die Kampagne.

Für Minister Günther ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien „die Schlüsselfrage für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts und des Energielands Sachsen“. Es gebe Druck aus der Wirtschaft, die Ökostrom brauche. Erst auf Nachfrage räumt der Minister ein, dass in diesem Jahr mehr Windkraftanlagen ab- als aufgebaut wurden.

Wenn der Minister alleine vor sein Plakat tritt, darf er die Maske abnehmen: Umweltminister Wolfram Günther (Grüne).
Wenn der Minister alleine vor sein Plakat tritt, darf er die Maske abnehmen: Umweltminister Wolfram Günther (Grüne). © Georg Moeritz

Mindestabstand für Windkraft in Sachsen noch zu klären

Vor wenigen Tagen hatte der sächsische Ökostromverband VEE sächsischen Gemeinden Verhinderungsplanung vorgeworfen – und der Staatsregierung Zerstrittenheit. Günther äußert „Zuversicht“, die strittigen Themen parallel abzuarbeiten. Dazu gehört die Frage, ob künftig 1.000 Meter Mindestabstand zwischen neuen Windkraftanlagen zu geschlossenen Ortschaften eingehalten werden müssen oder, noch strenger, auch zu einzelnen Gehöften.

Laut Günther liegen dazu verschiedene Formulierungen auf dem Tisch. Es gebe wieder Gespräche mit dem CDU-geführten Ministerium für Regionalentwicklung. Auch die interministerielle Arbeitsgruppe für Maßnahmen zum Energie- und Klimaprogramm tage, aber es seien „nicht immer alle“ Mitglieder dabei.

Mit der Werbekampagne sucht Minister Günther nun Rückhalt in der Bevölkerung. Dazu soll auch die neue Dialog- und Servicestelle Erneuerbare Energien beitragen, die zur Sächsischen Energieagentur Saena gehört. Ihre Experten sollen vermitteln, wenn Planer einen geeigneten Standort für Windkraftanlagen finden, aber in der Gemeinde auf Skepsis stoßen. Fünf Vollzeitstellen soll diese Servicestelle bekommen.

Sabowind-Geschäftsführerin Mandy Bojack plant von Freiberg aus Windkraft-Anlagen. Sie wünscht sich mehr Planungssicherheit. Es dauere drei bis vier Jahre von der Planung bis zur Errichtung.
Sabowind-Geschäftsführerin Mandy Bojack plant von Freiberg aus Windkraft-Anlagen. Sie wünscht sich mehr Planungssicherheit. Es dauere drei bis vier Jahre von der Planung bis zur Errichtung. © Georg Moeritz

Kampagne soll "schweigende Mehrheit mobilisieren"

Laut Günther gibt es eine große Akzeptanz für die Energiewende, aber „vor Ort“ bei konkreten Projekten oft Gegenwind. Davon berichtet auch Mandy Bojack, Geschäftsführerin des Freiberger Unternehmens Sabowind GmbH, das etwa 120 der 900 bestehenden Windkraftanlagen in Sachsen geplant hat und auch ein Büro in Polen unterhält.

Bojack sagt, in Sachsen entwickle sich die Energiewende derzeit rückwärts. Planungssicherheit fehle. Zwar habe sie in einigen Orten mit Bürgerinitiativen gegen Windkraft zu tun, aber Gespräche hätten oft geholfen. Die Kampagne solle dazu beitragen, die „schweigende Mehrheit zu mobilisieren“.

Bojack erinnert daran, dass die Gemeinden nicht nur von der Gewerbesteuer profitieren, sondern künftig auch bis zu 40.000 Euro pro Jahr pro Windkraftanlage von den Betreibern bekommen können. Nächstes Jahr will sie in dem Windpark in Bernsdorf eine alte Anlage mit 70 Metern Nabenhöhe durch eine neue mit 166 Metern ersetzen. Wegen der neuen Abstandsvorschriften werden Anlagen am Rand von Windparks zunehmend verschwinden. Ältere Anlagen werden durch höhere ersetzt, die bis zu zehnmal soviel Strom liefern.

Die 13 Windenergieanlagen in dem Windpark in Bernsdorf liefern laut Bojack pro Jahr etwa 60 Millionen Kilowattstunden und versorgen so rechnerisch etwa 20.000 Haushalte mit Strom. Mit den Gemeinden werde derzeit über Verträge zur Zahlung von 0,2 Cent pro Kilowattstunde verhandelt. Dazu wird ein Radius von 2,5 Kilometer um die Windkraftanlage gezogen, umliegende Gemeinden sollen je nach Flächenanteil davon profitieren. So bekommt auch die Gemeinde Gersdorf etwas ab.

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