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Mit neuen Eigentümern aus der Insolvenz

Landkreis Mittelsachsen 30.11.2019
Die Firma Nico Fahrzeugteile hat eine schwere Zeit hinter sich. Doch der Abschluss des Verfahrens ist ein Neuanfang.

Das Schlagwort Insolvenz weckt wohl bei jedem, der es hört, unangenehme Empfindungen. Auch den Mitarbeitern der Firma Nico Fahrzeugteile, die damals Bestandteil einer Firmengruppe war, ging das im Jahr 2014 so.

Jetzt, über fünf Jahre später, ist das Verfahren abgeschlossen. In dessen Ergebnis haben Markus Rütz und Andreas Vogel das Unternehmen zum 1. November übernommen. „Ganz oft haben wir von außen gehört, dass es eine schlimme Zeit für alle gewesen sein muss“, sagt Markus Rütz. 

Doch so sei es nicht gewesen. „Vom ersten Tag der Sanierung an haben sich die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter verbessert“, so Rütz. Zu diesem Zeitpunkt sei die Firma nur noch am Markt gewesen, weil die Angestellten jeden Tag alles gegeben haben.

Das Konstrukt der Firmengruppe mit vielen GmbH war zu groß und unübersichtlich geworden. Das Unternehmen geriet in Schieflage und musste Anfang 2014 Insolvenz anmelden.

Leistungsträger bleiben

Andreas Vogel beschreibt die Zeit vor der Insolvenz als immer größer werdenden Spagat. „Man hatte keine Ressourcen, sollte aber das Gleiche leisten wie andere Firmen, in denen permanent investiert wird“, sagt er. Selbst in dieser Zeit sei aber die Stimmung unter den Kollegen immer gut gewesen. Zudem seien sie dem Unternehmen gegenüber immer loyal gewesen. Selbst nach Beginn der Insolvenz seien alle Leistungsträger dageblieben.

Rütz selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht im Unternehmen. Er hatte bis 2011 als Assistent der Geschäftsleitung der Nico AG gearbeitet. 2014 kehrte er auf Anfrage des Geschäftsführers zurück. Der damalige Firmenchef hatte aufgrund der Eigenverwaltung immer noch volle Handlungsfähigkeit. 

Bei der Aufarbeitung seien aber immer mehr Unstimmigkeiten zutage getreten, in deren Folge der damalige Chef zurücktrat. Da aber ein Geschäftsführer gebraucht wurde, fragte Insolvenzverwalter Jürgen Wallner bei Markus Rütz an. „Jemand von außerhalb hätte viel zu viel Zeit gebraucht, um das Unternehmen kennenzulernen“, sagt Andreas Vogel.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Der Insolvenzverwalter habe von Beginn an das Ziel unterstützt, die Firma Nico Fahrzeugteile GmbH wieder auf gesunde Füße zu stellen. Bestandteil der Sanierung war die Konzentration auf das Kerngeschäft, den Ersatzteilhandel für Pkw-Anhänger. Das bedeutete, dass andere Unternehmensteile wie die Nico Fahrzeugteile Produktions GmbH und die Westfalia Trailer Systems GmbH aufgelöst wurden.

Dabei sei keiner der Angestellten von heute auf morgen in die Arbeitslosigkeit geschickt worden. „Auch die Mitarbeiter in den aufgelösten Gesellschaften der Firmengruppe sind wenigstens drei Monate vorher über diesen Schritt informiert worden“, so Markus Rütz. Die meisten Mitarbeiter hätten problemlos eine neue Arbeit gefunden.

„Wir haben darauf geachtet, fair gegenüber den Kollegen, aber auch gegenüber den Gläubigern zu handeln. Das funktioniert aber immer nur im Zusammenspiel mit dem Insolvenzverwalter. Alle Beteiligten müssen den Weg mitgehen wollen“, so Rütz. Explizit spricht der Geschäftsführer die Sparkasse Döbeln an, die das Unternehmen auch in Zeiten der Insolvenz immer unterstützt hat. 

So wurden auch notwendige Investitionen nicht zurückgehalten. Das wiederum hatte positive Auswirkungen für die Gläubiger. Die Existenzberechtigung in der Branche ist immer da gewesen, sagt Andreas Vogel. Die Nico Fahrzeugteile GmbH ist nach dem Insolvenzverfahren nicht mehr Bestandteil einer Unternehmensgruppe mit vielen Töchtern, sondern eine betriebswirtschaftlich eigenständige Firma.

Gutes Arbeitsklima schaffen

Insgesamt sind 35 Mitarbeiter beschäftigt, davon zehn in Bad Rappenau-Fürfeld. Für dieses Jahr rechnen die Geschäftsführer erneut mit einer Umsatzsteigerung.

Das Ende der Insolvenz ist für Geschäftsleitung und Mitarbeiter ein wichtiger Meilenstein, aber gleichzeitig auch ein Neuanfang. „Wir wollen das Unternehmen im Kernsegment, dem Handel mit Ersatzteilen, stärken“, so Markus Rütz. „Ziel ist es aber auch, ein gutes Umfeld zu schaffen. Die Kollegen sollen gern in die Firma kommen“, ergänzt Andreas Vogel. Auch Lehrlinge werden bei Nico Fahrzeugteile ausgebildet. In diesem Jahr sind zwei Azubi eingestellt worden, einer für den Großhandel, einer für den Bereich Logistik.

 

Von Frank Korn

Foto: © Lars Halbauer

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