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Moor bringt Bad Muskau keinen Gewinn

Landkreis Görlitz 27.02.2020
ie Touristik GmbH ist fürs Moor zuständig. Es ist eine von vielen Aufgaben, die Zuschussgeschäfte für die Kurstadt sind.

Wer an rheumatischen und Gelenk-Erkrankungen wie Arthrose leidet, findet oft Linderung durch Behandlungen mit Naturmoorpackungen. Dabei werden betroffene Körperteile für 20 Minuten komplett von einer 51ºCelsius warmen Moorpackung bedeckt. Moorbäder sind 41ºC warm. Angeboten werden solche Behandlungen im Kulturhotel Fürst Pückler in Bad Muskau in Form ambulanter Badekuren, Privatkuren, zertifizierter Wellness-, Gesundheits- und Präventionsangebote.

Das Hotel führt mit etwa 10 Kubikmetern Moor pro Monat als Hauptabnehmer damit die 1822 von Fürst Pückler gegründete Kurtradition in der Stadt fort und sichert Bad Muskau zudem das 2005 verliehene staatliche Prädikat „Ort mit Moorkurbetrieb“. Genutzt wird das in der Kurstadt durch einen Dienstleister aufbereitete Moor auch für (Rezept)Behandlungen in der dem Hotel angegliederten physiotherapeutischen Praxis und in zwei Praxen in Weißwasser. Verwendet wird es außerdem als Zusatz in Salben, Seifen, Bädern. Das gesicherte Moor reicht voraussichtlich noch 30 Jahre. Doch statt eines Gewinns hat Bad Muskau durch das Moor bislang nur Zusatzkosten. So, wie Moor und Kurbetrieb schon Hermann Fürst von Pückler-Muskau nur finanzielle Schwierigkeiten einbrachten.

„Die Moormühle, in der das Moor vor dem Transport zu Abnehmern zerrissen wird, müsste saniert werden. Um dies über Fördermittel zu finanzieren, sind aber mehr Abnehmer nötig. Wir konnten im Vorjahr zwar zwei Mal eine Klinik in Bad Düben beliefern. Auch andere Interessenten, die bisher aus Bad Schmiedeberg ihr Moor bekommen, gibt es. Noch bestehen aber keine Verträge. Letztlich brachte das Geschäftsfeld im Vorjahr 7.730 Euro Einnahmen und 11.376 Euro Ausgaben“, informierte Dirk Eidtner kürzlich im Stadtrat. Er ist Geschäftsführer der Bad Muskau Touristik GmbH (BTM), eines 2011 gegründetem Tochterunternehmens der Stadt, welches sich seither mit den aus dem Kurort-Status resultierenden (Geld)Sorgen plagt. Denn Aufgaben sind die Betreibung der städtischen Tourist-Information als Grundlage der Anerkennung als Kurort sowie der Stadtbibliotheks-Betrieb. Seit 2016 stellt die GmbH nach Gesellschafterbeschluss zudem die verlustbringende Bademoorversorgung sicher, die von der kreislichen Entwicklungsgesellschaft ENO (die bereits das ebenfalls verlustreiche Bad Muskauer Solegeschäft betreibt) übertragen wurde. Übernommen hat die BTM Mitte 2018 auch die Betreibung des ENO-Wohnmobilstellplatzes (nach dem Tod dessen vormaligen Pächters), um den Stellplatz zu erhalten. Doch Sanitäranlagen, Fäkalannahmestation, Gebäude und Platz sind renovierungsbedürftig. Allein für ausreichende Stromversorgung wären 37.000 Euro nötig. Geld, welches die BTM nicht hat, obwohl 2020 die Platzgebühren erhöht wurden.

Grund für die schlechte finanzielle Lage der GmbH und ihre fehlende Investitionskraft ist ein Stammkapital von nur 25.000 Euro. Auch die Einnahmen der Tourist-Info von etwa 35.000 Euro im Vorjahr – die unter anderem aus der Vermittlung von Kutsch- und Kremserfahrten sowie Parkführungen resultieren – oder 875 Euro aus Bibliotheksnutzungsgebühren und rund 52.000 Euro Kurtaxe durch 40.665 Übernachtungen reichen nicht aus, um die GmbH vom städtischen Finanztropf abzunabeln. Denn den Einnahmen stehen, neben den Kurort-Aufgaben, auch Stadtmarketing, Interreg-Projekt-Betreuung und Kosten für fünf Mitarbeiter in unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen gegenüber. Die BTM ist somit ein komplettes Zuschussgeschäft für die verschuldete Stadt. Dennoch beziehungsweise deshalb musste der Stadtrat erst im Januar eine einmalige Ausgleichszahlung in Höhe von 41.300 Euro in die Kapitalrücklage der GmbH beschließen, um Verluste aus 2018 auszugleichen.

Zwar könnten die BTM-Einnahmen höher sein: Immerhin stehen 27.928 Tourist-Info-Besuchern in 2019, die wegen Informationen, Ansichtskarten, Souvenirs oder Toilettenbesuchen kamen, rund 350.000 Parkbesucher gegenüber. Doch Mehreinnahmen könnten in Bad Muskau vorrangig aus noch mehr und 2,1 Tage übersteigenden Übernachtungen erzielt werden. Dazu mangelt es, laut Dirk Eidtner, aktuell an Pensions- und Hotel-Zimmern. Um die Gesellschaft und ihre Aufgaben nicht zu gefährden, braucht es daher langfristig eine ausreichende Finanzierung. Einen Lichtblick sieht Eidtner im sächsischen Koalitionsvertrag: Der sieht einen sogenannten Kurpfennig für 15 Kur- und Erholungsorte vor. Kommt er, werden auch Bad Muskau die Mehraufwendungen pauschal vergütet.

 

Von Sabine Larbig

Foto: © Joachim Rehle
 

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