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Nach drei dürren Jahren diesmal dickere Kartoffeln

24.11.2021
Sachsens Knollen-Experten sind mit der Ernte ganz zufrieden. Sie werben für "regionale" Kartoffeln - die Landesregierung bietet ihr Wappen an.

Von Georg Moeritz 

Dresden. Dieses Mal ohne Verkostung: Wenn sich die Erdäpfel-Experten von Oberlausitz bis Vogtland zum Sächsischen Kartoffeltag treffen, dann liegen normalerweise Feldfrüchte auf ihren Tellern. Doch beim Kartoffeltag am Bildschirm konnten sich die Landwirte am Dienstag vom Sortenfachmann Dr. Wolfgang Karalus nur beschreiben lassen, dass die Sorte Lea mit einer „intensiven gelben Fleischfarbe“ erfreut.

Marion und Gunda wiederum haben den Vorteil, einen geringen Anteil an Übergrößen hervorzubringen – denn dicke Kartoffeln schätzt der Landwirt nicht. Auch wenn Sprichworte anderes behaupten.

Im Gegenteil: Üblicherweise stoppen die Bauern das Wachstum der Knollen rechtzeitig, indem sie das Kraut entfernen. Das gelang aber in diesem Jahr nicht überall pünktlich, weil die Trecker nach Regengüssen manches Feld zunächst nicht befahren konnten.

Bauern bekommen 18 Euro für 100 Kilo Erdäpfel

Der Regen führte auch zu Krautfäule. Insgesamt waren Sachsens Kartoffelbauern aber mit dem Wetter in diesem Jahr zufrieden: Nach drei Dürrejahren war es im April noch ausreichend trocken fürs Auspflanzen. Danach fiel genügend Regen zum Wachsen.

Das Ergebnis: Pro Hektar Kartoffelacker ließen sich 15 Prozent mehr als im trockenen vorigen Jahr auflesen. Nach ersten Schätzungen lag die sächsische Kartoffelernte mit 393 Dezitonnen pro Hektar im zehnjährigen Mittel. 234.000 Tonnen kamen zusammen.

Im Laden sind Kartoffeln laut Statistischem Landesamt in diesem Jahr etwa elf Prozent teurer als vor einem Jahr – und 16 Prozent teurer als vor sechs Jahren. Die Bauern bekommen etwa 18 Euro für 100 Kilo. Das sei ein „mittleres Niveau“, sagte Gastgeber Egbert Thierbach vom Landesamt für Landwirtschaft – mehr als voriges Jahr, aber weniger als vor zwei Jahren.

Sachsen gaben nach der Wende das Einkellern auf

Beliebter wird die Knolle dadurch bei Sachsens Landwirten nicht: Sie bauen immer weniger an und nutzen ihre Felder lieber für teurere Früchte wie Getreide und Raps. Erstmals ist die Kartoffelanbaufläche Sachsens unter 6.000 Hektar gefallen. Zum Vergleich: 1985 wurden noch 75.000 Hektar in Sachsen für Kartoffeln genutzt.

Nach der Wiedervereinigung wurde die Fläche rasch mehr als halbiert – aber „immer noch viel, viel zu viel produziert“, sagte Ariane Weiß, Geschäftsführerin des Sächsischen Kartoffelverbandes in Leipzig. Die Nachfrage schrumpfte, die Sachsen kellerten kaum noch Kartoffeln ein.

In den Nachwendejahren glich sich der Pro-Kopf-Verbrauch an die westdeutschen Zahlen an. Voriges Jahr ist er allerdings ein wenig gestiegen: „Das Corona-Jahr hatte nicht nur Schlechtes“, sagte Weiß dazu.

Sachsen gründet Agentur für Regionale Lebensmittel: Agil

Ihr Verband hat in 30 Jahren Bestehen immer wieder versucht, die Nachfrage zu steigern – mal mit Werbeplakaten mit schönen Menschen, mal mit Pflanzgut für Schulgärten. Ein Kochbus war dieses Jahr zu Projekttagen an 20 Schulen.

Für Ariane Weiß ist es keine grundlegende Neuerung, wenn das Landwirtschaftsministerium nun regionale Produkte voranbringen will. 1994 ließ der Verband die Premiummarke „Erdäpfel – Kartoffeln aus Sachsen“ eintragen und groß auf die Säcke zu 2,5 Kilo drucken. Ob Händler regionale Produkte in die Regale nehmen, das hängt nach Weiß‘ Erfahrung „von Gunst und Plänen der einzelnen Einkäufer ab“.

Derzeit sind Bio- und regionale Produkte in vielen Märkten willkommen. Damit können Bauern mehr verdienen, sagte Bernhard Jansen, im Landesamt für Vermarktung zuständig. Ab Januar soll die neue Sächsische Agentur für Regionale Lebensmittel (Agil) in Leipzig für Produkte aus dem Freistaat werben. Nahrungsmittelhersteller dürfen das Landeswappen aufdrucken, wenn sie ihre Erzeugnisse beim Verein „Regionalfenster“ anmelden. Direktvermarkter können 1.000 Euro Subvention für ein Hoffest bekommen. Eine Internetseite des Landwirtschaftsministeriums über regionale Produkte aus Sachsen gibt es längst.

Zeitpunkt zum Spritzen gegen Pilze steht im Internet

Einen großen Teil des Kartoffeltages nahmen Vorträge zum Pflanzenschutz vor Viren und Pilzen ein. Wer möchte schon Schwarzbeinigkeit? Experte Dr. Michael Kraatz riet den Landwirten, den richtigen Zeitpunkt zum Spritzen über die Internetseite isip.de zu bestimmen. Das ist ein Informationssystem für die integrierte Pflanzenproduktion, das den Landwirten "Entscheidungshilfen" anbietet.

Allerdings werde es künftig schwieriger, Resistenzen zu vermeiden, weil weniger Mittel erlaubt sind. Der Wirkstoff Mancozeb dürfe im nächsten Jahr nicht mehr benutzt werden. Fast die Hälfte der bisher verwendeten Kartoffelfungizide stehe nicht mehr zur Verfügung. Auf den Versuchsfeldern in Nossen wachsen auch Ökokartoffeln, die mit Kupferfungiziden behandelt werden. Krautfäule wegen Nässe schadete aber auch ihnen.

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