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Neue Firmen im Gewerbegebiet Weinau

Landkreis Görlitz 02.10.2019
Zwei Unternehmen lassen sich in Zittaus Nordosten nieder und schaffen  Arbeitsplätze. Eine Gemeinde in der Nähe wird darüber nicht froh sein.

Nach dem sich einige Jahre keine neue Firma im Gewerbegebiet Weinau niedergelassen hat, wollen nun gleich zwei im Nordosten Zittaus Betriebe aufbauen: Vor wenigen Minuten hat der Stadtrat den Verkauf der dafür nötigen Flächen abgesegnet. Zuvor hatte Zittaus Wirtschaftsförderin Gloria Heymann, die dafür eigens ihre Elternzeit unterbrochen hatte, die Vorhaben vorgestellt. Demnach kauft die Arno Hentschel GmbH aus Oderwitz von der Stadt für 137.500 Euro plus Nebenkosten 13.750 Quadratmeter in der südlichen Ecke von B99 und B178. Zudem hat sie drei Jahre lang die Option, weitere 21.600 Quadratmeter, die direkt an ihr neues Betriebsgelände grenzen, zu erwerben. Die Sächsische Bio-Dünger Feld und Garten GmbH übernimmt für 110.000 Euro zuzüglich Nebenkosten eine Fläche von 11.000 Quadratmetern an der Leubaer Straße, südlich der B99, kurz vor dem Bahnübergang Drausendorf. Sie wird künftig der nördlichste Betrieb im Gewerbegebiet sein. Auch diese Firma bekommt eine 36-monatige Option, eine angrenzende Fläche in der Größe von knapp 11.600 Euro zu erwerben.

Die Arno Hentschel GmbH ist seit 75 Jahren in Oderwitz ansässig. Die Produktion ist auf drei Standorte im Ort verteilt. "Als metallverarbeitendes Unternehmen mit Umformtechnik ist es der Schwerindustrie zuzuordnen", heißt es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat. Die Standorte der Firma liegen aber im sogenannten Mischgebiet, in dem laut Baunutzungsordnung nur Gewerbebetriebe ansässig sein dürfen, die das Wohnen nicht stören. Neben der Produktion steht aber ein Wohnhaus. "Ein Zweischicht-Betrieb ist heute nicht realisierbar", teilte Geschäftsführer Thomas Scholz auf SZ-Anfrage mit. Und es gibt weitere Probleme und Risiken in Oderwitz, die das angestrebte Wachstum behindern: Die Produktion ist 2010 und 2013 durch das Hochwasser überflutet worden. Zusätzliche Wachstumsflächen gibt es nicht mehr. Das Material, das am Standort an der B96 ankommt, muss umgeladen werden, weil es große Lkw nicht erreichen. Zwischen der Fertigung und dem separaten Werkzeugbau muss gependelt werden. "Dies alles sind Faktoren, die unsere Wettbewerbsfähigkeit im globalen Handel schwächen", so Scholz. "Wir sichern uns mit dem neuen Standort unsere Zukunftsfähigkeit." Das sei ein großer Schritt. Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) betonte während der Ratssitzung, dass die Stadt Zittau das Unternehmen nicht aus Oderwitz abgeworben hat.

Die Arno Hentschel GmbH will komplett nach Zittau umziehen. "Es bleiben keine Funktionen an den heutigen Standorten zurück", so Scholz. Die Firma will sich aber um Nachnutzungen bemühen. "Versprechen können wir nur, dass daraus keine Ruinen entstehen werden, die dem Ortsbild schaden. Interessenten können sich gern bei uns melden", so der Geschäftsführer.

In der Weinau soll eine Fertigungshalle mit einer Fläche von 3.000 Quadratmetern für die Produktion, die Logistik, den Werkzeugbau und ein Bürogebäude errichtet werden.  Das Unternehmen will mehr als sechs Millionen Euro investieren. "Jetzt starten wir in die Planung mit dem Ziel, den Bauantrag zu stellen", teilte Scholz mit. "Wenn alles gut verläuft, sehen wir einen realistischen Starttermin im Frühjahr 2020." Die Fertigstellung ist 2021 geplant. Danach soll die Mitarbeiterzahl von derzeit rund 20 um etwa zehn steigen. 

Ob die Firma die Option auf die weiteren Flächen wirklich nutzt, ist noch unklar. Scholz ist aber optimistisch: "Wir gehen trotz derzeitig abkühlenden Geschäftsklima in Deutschland von einer prosperierenden Entwicklung unseres Unternehmens aus." Denn ihre Produkte gehen in 20 verschiedene Länder, zum Teil über Europas Grenzen hinaus.

Die Sächsische Bio-Dünger Feld und Garten GmbH, noch mit Sitz in Görlitz, ist ein Unternehmen, hinter dem laut Stadtverwaltung "polnisches Kapital" steht. Sie will Dünge- und Pflanzenschutzmittel für die zertifizierte Bio-Landwirtschaft herstellen. "Die Gründer besitzen ein ähnliches Unternehmen in Kowiesy, 60 Kilometer von Warschau entfernt", heißt es im Beschlussvorschlag für den Zittauer Stadtrat. "An diesem Standort beschäftigt das Unternehmen acht MitarbeiterInnen im Einschichtbetrieb." Nun wollen die Investoren den deutschsprachigen Raum erobern und haben dafür ein eigenständiges Unternehmen gegründet. Bei der Standortsuche hat ihnen der Bund geholfen. "Wir haben einige Lokationen analysiert und entschieden uns letztendlich für Zittau", teilte Geschäftsführer Mark Falkiewicz auf Anfrage mit. "Die strategische Lage und die Nähe zu unseren zukünftigen Kunden, Business-Partnern und Lieferanten wird hier garantiert."

Das Unternehmen will mit der boomenden Bio-Branche wachsen. "Unsere Strategie ist es, die Obstbauern und Pflanzer von dem Umstieg auf Bioproduktion zu überzeugen", so der Geschäftsführer und erklärt: "Die Bio- beziehungsweise Öko-Restriktionen richten sich nach der Regelung der EU-Öko-Verordnung. Diese besagt, dass sich ein solches Unternehmen dem Öko-Kontrollsystem unterstellen muss." Dabei wird unter anderem kontrolliert, dass nur bestimmte Düngemittel und Bodenverbesserer verwendet werden. Die will die Sächsische Bio-Dünger Feld und Garten GmbH herstellen. "Der ganze Aufwand bringt Vorteile, weil der Endverbraucher, also wir alle gesünder und auch leckerer essen möchten", so Falkiewicz.

Das Unternehmen will in der Weinau für circa neun Millionen Euro eine Produktionshalle mit einer Fläche von reichlich 6.500 Quadratmetern mit Produktionsbereich, Büroteil, Magazin und Sozialbereich errichten. "Es handelt sich bei uns übrigens um eine Holzhalle/Holzkonstruktion, um den ökologischen Gedanken zu unterstreichen", teilte der Geschäftsführer mit. Gebaut werden soll ab dem Frühjahr in zwei Abschnitten. Die nun gekaufte Fläche ist für den ersten vorgesehen. Die Produktion soll 2022 starten. "Bei Vollauslastung sollen mindestens 30 Arbeitsplätze entstehen", so Falkiewicz.

 

Von Thomas Mielke

Foto: © Harald Anders

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