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Nieskyer Stahlbau: Tauziehen um Zukunft

Landkreis Görlitz 09.01.2020
Ex-Mitarbeiter schreiben auch an den Eigentümer. Und die Politik macht ebenfalls Druck. Der Ausgang ist jedoch ungewiss.

Der Anfang Dezember von früheren Stahlbauern an die Geschäftsführung des Alleingesellschafters DFA Industriemontagen Meerane geschickte offene Brief hat seine Wirkung offenbar verfehlt. 

Nach Angaben von Ulrich Weinhold, einem der Initiatoren der Aktion, gab es keine Reaktion von dem Unternehmen. "Wir hatten zwar nicht mit einer Kehrtwende in der Firmenpolitik gerechnet, ein Antwortschreiben hätte man aber schon erwarten können", ist der Nieskyer enttäuscht.

Allerdings sind die früheren Stahlbauer noch über einen anderen Kanal aktiv geworden. Per E-Mail haben sie den offenen Brief und die Unterschriftenliste mit den Namen von 118 ehemaligen Stahlbau-Beschäftigten auch an die "graue Eminenz" der DFA, den belgischen Geschäftsmann Claude Pirson, geschickt. Der Industrielle, der im schweizerischen Kanton Zug lebt, hat mit seiner DSD Steel Construction AG das Sagen bei Industriemontagen Meerane.

Weinhold und seine Ex-Kollegen äußerten in ihrem Schreiben die "große Hoffnung, dass Sie als der uns bekannte Eigentümer des Betriebes alles erdenklich Mögliche unternehmen, dass die derzeit ergebnislosen Verkaufsverhandlungen unvoreingenommen und ohne restriktive Vorbedingungen wieder aufgenommen werden mit dem unbedingten Ziel, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern." Die Nieskyer appellierten an die "menschliche und unternehmerische Verantwortung" Pirsons gegenüber den Beschäftigten und ihrer Familien.

"Interne Gespräche" sollen helfen

Gleichzeitig wünschten die früheren Stahlbauer dem Firmenboss aus der Schweiz für das neue Jahr "alles erdenklich Gute sowie erfolgreiche und ausgewogene unternehmerische Tätigkeit". Was darauf zurückkam, war aus Sicht Ulrich Weinholds enttäuschend: "Er ist in seinen zwei Sätzen mit keinem Wort auf unser Problem eingegangen, hat unsere guten Wünsche lediglich erwidert." 

Für die Zukunft des Stahl- und Brückenbaus ist dies alles andere als hoffnungsvoll. Auch wenn sich Lokalpolitiker für den Erhalt des Werkes einsetzen. Landrat Bernd Lange appellierte erst jüngst beim Neujahrskonzert des Landkreises im Bürgerhaus an alle Verantwortungsträger, sich für den Erhalt des Betriebes einzusetzen. Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann führt "interne Gespräche", über deren Inhalt sie allerdings nichts verraten möchte. Bis Ende des Monats könne jedoch eine Entscheidung fallen, so die Rathauschefin. Diese Entscheidung muss es dann auch geben, denn nur bis zum 31. Januar läuft die Insolvenz. Dann wird klar, ob es Weiterführung, Neuanfang, Auffanggesellschaft oder das direkte Aus des Stahlbaus gibt.

 

Von Frank-Uwe Michel 

Foto: © André Schulze

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