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Nucao aus Dresden stellt die Schokobranche auf den Kopf

13.06.2022
Bio, vegan, fair und mit wenig Zucker: Nucao-Riegel, die aus einer Dresdner Testküche stammen, haben Deutschlands Bioläden, Supermärkte und Drogerien erobert.

Von Sven Heitkamp

Christian Fenner kann sich noch gut erinnern, wie sie 2016 in ihrer Dresdner WG-Küche auf dem Weißen Hirsch die ersten Rezepturen für ihre Bio-Riegel ausprobiert haben: Er und seine zwei Mitgründer Mathias Tholey und Thomas Stoffels in weißen Kitteln, mit Haarnetzen und schoko-verklebten Kartons in der Hand. Bio und vegan sollten ihre Energieriegel sein, mit deutlich weniger Zucker als in der Branche üblich, mit fair gehandelten Öko-Rohstoffen – und ein echter Booster für Körper und Konzentrationsfähigkeit statt eines marktüblichen Dickmachers.

Die Idee hatten sie schon im Studium in Aachen geboren. Nun, nach ihrem Masterabschluss als Wirtschaftsingenieure, legten sie in Dresden los: mit einem Schokoladen-Selbstmachset, Hanfsamen und Kokosblütenzucker. Wenig später zogen die Gründer in ihre erste Manufaktur samt Ladenlokal in Dresden-Pieschen und starteten eine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext. Mit Erfolg: Ende 2016 kamen ihre Nucao-Schokoriegel auf den Markt.

Sechs Jahre später ist aus dem kleinen grünen Food-Start-up ein international aktives Unternehmen für Schoko- und Protein-Snacks geworden, die allein deutschlandweit in rund 10.000 Märkten erhältlich sind: the nu company. Die Mitarbeiterzahl ist auf fast 100 geklettert. Der Umsatz auf 14 Millionen Euro im vorigen Jahr gestiegen. Und alles ist öko: Der Kakao stammt aus peruanischen Bauernkooperativen.

Neben Riegeln jetzt auch Tafeln von Nucao

Alle Nucao-Produkte werden in einer plastikfreien, kompostierbaren Verpackung aus Zellulose und Papier verkauft, bedruckt mit Bio-Farben. Der Ladenpreis beträgt 1,95 Euro. Vom Umsatz hat die Nu-Company inzwischen rund elf Millionen Bäume in Aufforstungsprojekten in Madagaskar, Nepal und Mosambik gepflanzt. Darunter seien vor allem Mangroven-Bäume, die fast viermal so viele CO2-Emissionen binden wie andere Baumarten.

Jetzt sitzt Christian Fenner in einem offenen, bunten Großraumbüro in Leipzig und schreibt das nächste große Kapitel der Nu-Geschichte. In diesen Tagen kommen neben den bisherigen Riegeln auch Nucao-Schokoladentafeln ins Sortiment: Sechs unterschiedliche Sorten, natürlich Bio-Schokolade, vegan, fair gehandelt und plastikfrei verpackt. Ladenpreis: 2,49 Euro. Und nachhaltig seien ihre Schoko-Tafeln ebenfalls, betont der 31-Jährige. „Mit jeder verkauften Tafel unterstützen wir ein frauengeführtes Aufforstungsprojekt in Nepal.“ Vor allem aber sollen sie nun breitere Käuferkreise erreichen als bisher: mit etwas mehr Zucker, aber immer noch deutlich mehr als 50 Prozent Kakaoanteil, je nach Sorte, außer in der neuen weißen Schokolade.

„Wir haben uns bei unserem Wachstum zuletzt selbst ein Bein gestellt“, sagt Fenner. „Es hilft nicht so viel, wenn ein Unternehmen für Klimafreundlichkeit einsteht, aber sich das Produkt nur in einer kleinen Nische verkauft.“ Gewachsen seien die Nucao-Riegel vor allem durch Erstkäufer, viele Kunden hätten die Produkte dann aber nicht wieder gekauft. Deshalb wolle die Nu-Company nun populärere Geschmacksrichtungen anbieten – mit mehr Genuss und mehr Schmelz.

"Gründer einer neuen Generation“

Damit solle die Idee ein Stück weit aus der eigenen Öko-Blase herauswachsen, um auch im Massenmarkt positive Veränderungen mit umweltbewusstem Konsum herbeizuführen. „Wir werden uns in Zukunft stärker als nachhaltiger Schokoladen-Anbieter präsentieren und konventionellen Marken einen Marktanteil abtrotzen“, sagt Fenner.

Bisher ist das junge Unternehmen vor allem von größeren Investoren aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Lebensmittel finanziert und schreibt planmäßig noch keine Gewinne. Doch das soll in den kommenden Jahren anders werden. Zu den illustren Geldgebern der Nu-Company gehören unter anderem der frühere Formel-1-Weltmeister und heutige Unternehmer Nico Rosberg sowie Develey-Chef Michael Durach, zu dessen Konzern auch Bautzner Senf gehört. In einer sogenannten Series-A-Finanzierungsrunde sammelte die Nu-Company voriges Jahr allein 14 Millionen Euro ein.

In einer ersten großen Finanzierungsrunde 2020 waren es bereits 3,7 Millionen Euro. „Wir sehen uns als Gründer einer neuen Generation“, sagt Christian Fenner. „Unsere Richtschnur ist ein wertegetriebenes, nachhaltiges Unternehmertum.“ Die Nucao-Riegel sollen nun den Beweis antreten, dass es möglich ist, die Lebensmittelbranche auf den Kopf zu stellen.

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