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Nur Note 3 für Bautz’ner Senf

03.06.2021
Das Verbrauchermagazin Ökotest hat 20 Senfsorten getestet. Warum der mittelscharfe aus Bautzen dabei nicht besser abschneidet.

Von David Berndt

Bautzen. Befriedigend. So fällt das Ergebnis des Verbrauchermagazins Ökotest für den mittelscharfen Bautz’ner Senf aus. Wir „haben eine Note für das nachgewiesene Glyphosat abgezogen und eine weitere für die Zutat natürliches Aroma. Zwei Noten Abzug ergeben ,befriedigend‘“, erklärt Ökotest-Redakteurin Meike Rix. Weitere Mängel gebe es beim Bautz’ner Senf nicht.

In den veröffentlichten Ergebnissen von Ende Mai tauchen insgesamt 20 Senfsorten auf. Acht haben mit gut und neun mit sehr gut abgeschnitten. Neben dem Bautz’ner aus dem Haus Develey erhielten noch zwei weitere Senfe die Note befriedigend. Laut Meike Rix fällt zum Thema Glyphosat auf, „dass die meisten konventionellen Senfe es enthalten, und die Bio-Produkte komplett frei davon sind“.

Nur Spurengehalt an Glyphosat nachgewiesen

Glyphosat sei das am meisten verkaufte Pestizid. „Im Bautz’ner Senf hat das von uns beauftragte Labor Glyphosat nur in Spurengehalten nachgewiesen. Wer den Senf gegessen hat, muss sich deshalb also keine Sorgen machen.“ Das gelte übrigens für die Mehrheit der konventionellen Senfe im Test.

Bei Develey ist man sich der wichtigen Thematik um Rückstände von Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft bewusst, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit: „Aus diesem Grund legen wir für unsere Produkte höchste Qualitätsstandards fest und unterziehen sowohl die Rohstoffe, als auch das fertige Produkt einer regelmäßigen und engmaschigen Kontrolle.“

Aus eigenen Untersuchungen wisse man, „dass eine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bei unseren Rohstoffen, insbesondere bei Senfsaat, äußerst selten ist“. Glyphosat sei als Pestizid in der Europäischen Union (EU) zugelassen und weit verbreitet, im Anbau von Senf habe es aber keine Bedeutung. Es handele sich daher um einen zufälligen Fund, und die nachgewiesenen Spuren müssten aus der Umgebung kommen, fügt das Unternehmen hinzu.

Wie der Bautzener Werksleiter und Nachhaltigkeitsreferent bei Develey, Michael Bischof, im April gegenüber Sächsische.de erklärte, kommen etwa 15 Prozent der Senfsaat aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz, weitere 40 Prozent aus Mecklenburg-Vorpommern. Der Rest werde mittlerweile nicht mehr wie früher aus Kanada, sondern aus osteuropäischen Anbaugebieten bezogen. Das ist gut für die CO2-Bilanz, aber bio sei die Saat nicht. „Wir haben den Fokus anders gelegt“, sagt Bischof.

Ökotest empfiehlt Senfe ohne Glyphosat

Was Ökotest festgestellt hat, teilt auch Develey mit: Die nachgewiesenen Glyphosat-Spuren „liegen nur knapp über der analytischen Nachweisgrenze und deutlich unter dem in der EU festgelegten Wert für einen unbedenklichen regelmäßigen Verzehr“. Sämtliche eigene erhobene Proben würden ebenfalls deutlich unter diesem Grenzwert liegen.

Wie Meike Rix von Ökotest weiter ausführt, werde über die mit Glyphosat verbundenen Gesundheitsrisiken seit Jahren gestritten, vor allem, ob es krebserregend ist oder nicht. „Die Internationale Krebsforschungsagentur hat es als ,wahrscheinlich krebserregend‘ für den Menschen eingestuft. Noch besser sind aber aus unserer Sicht Senfe ganz ohne diesen Stoff.“ Rix begründet das mit der Aufnahme von Glyphosat auch durch andere Lebensmittel und sogar die Atemluft. Zudem gefährde der massenhafte Einsatz des Pestizids Insekten und Vögel.

Die Funktion dieses sogenannten Totalherbizids sei es eben, alle Pflanzen bis auf gentechnisch veränderte abzutöten. „Landwirte können damit etwa Felder nach der Ernte von Unkräutern befreien“, berichtet Meike Rix.

Bestnoten im Geschmack für alle Senfe

Neben Glyphosat hatte Ökotest die Senfe auch auf den Inhalt von Bisphenol F geprüft. Dieser Stoff wirke laut ersten Hinweisen auf das Hormonsystem und sei in allen Senfen des Tests nachweisbar. „Im Senf bildet sich dieser Stoff wahrscheinlich im Herstellungsprozess aus einem natürlicherweise in gelben Senfsaaten enthaltenen Inhaltsstoff.“ Die in den meisten Produkten festgestellten Spurengehalte sind unproblematisch, heißt es im Verbrauchermagazin, auch beim Bautz’ner Senf.

Die Qualität der 20 getesteten Produkte wurde auch am jeweiligen Senfanteil gemessen. Eine spezielle Branchenrichtlinie lege fest, wie der Senf beschaffen sein soll. Bei Ökotest liegen demnach zwei Senfe knapp unter der angegebenen Mindestgrenze. Bautz’ner gehört nicht dazu. In der Geschmacksprüfung schneiden dem Test zufolge alle Senfe mit Bestnoten ab.

Über zu wenig treue Kundschaft muss sich Bautz’ner Senf jedenfalls nicht beklagen. 79 Prozent der Konsumenten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen greifen beim Senfkauf zu diesem Produkt. Und dass die Geschmacksfrage eigentlich gar keine ist, steht für viele Bautzener ohnehin fest.

So wurde das Testergebnis bereits ausgiebig in einer lokalen Facebookgruppe kommentiert. Dort gibt es viel Zuspruch - und etliche Mitglieder, die Bautz’ner Senf als Nummer eins oder einzige Wahl bezeichnen. Aber es gibt auch kritische Kommentare zum Umgang mit Glyphosat oder mit dem Verweis auf kleine Senf-Manufakturen, die oft auf künstliche Aromen verzichten würden.

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