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Oberguriger Firma gibt Standbein auf

Landkreis Bautzen 01.04.2019
Bei Raussendorf werden künftig keine Knoter für die Landwirtschaft mehr gefertigt. Dafür baut das Unternehmen andere Sparten aus.

Eine Ära geht zu Ende. Seit Jahrzehnten ist die Geschichte der Firma Raussendorf in Obergurig mit dem Bau von Knotern verbunden. Diese Baugruppen kommen unter anderem in Strohballenpressen zum Einsatz, um Spezialgarn zu binden. „Nach der Wende ist das Unternehmen mit dem Knüpfer- und Knoter-Bau neu durchgestartet“, blickt Hannes Stefan Hannenheim zurück, der seit 2014 die Geschäfte führt. Doch jetzt trennt sich die Raussendorf Maschinen- und Gerätebaugesellschaft von dieser Sparte. „Wir verkaufen den Knoterbau an einen Mitbewerber“, berichtet Hannenheim.

Neue Aufgaben für die Mitarbeiter

Zum heutigen 1. April übernimmt die Firma Rasspe aus Wermelskirchen in Nordrhein-Westfalen, die zur Group Schumacher gehört, das Geschäftsfeld der Knoter für Ballenpressen. Sie ist laut Aussagen des Raussendorf-Chefs ein erfahrener international tätiger Spezialist auf diesem Gebiet, fertigt davon etwa zehnmal mehr, als es die Oberguriger bisher taten. Ihm sei sehr wohl bewusst, dass man damit eine Tradition aufgebe, betont Hannes Stefan Hannenheim. Doch der Schritt sei gut überlegt und wichtig, um Kompetenzen bündeln zu können. „Wir verschaffen uns so größere Flexibilität in den drei anderen Bereichen, auf die wir uns nun konzentrieren“, sagt der Chef und verweist auf den allgemein üblichen Trend zur Spezialisierung.

Entlassungen seien mit dem Verkauf nicht verbunden, versichert Hannes Stefan Hannenheim. Alle Mitarbeiter, die bisher in der Knoter-Produktion gearbeitet haben, bekommen ein Angebot, in einem der drei anderen Bereiche am Standort in Obergurig tätig zu werden. In den Arbeitsverträgen sei ohnehin kein spezieller Einsatzbereich festgelegt. Gegenwärtig sind rund 60 Leute bei der Firma Raussendorf beschäftigt, inklusive Teilzeitkräften, Auszubildenden und Studenten.

Künftig konzentriert sich das Unternehmen, das seinen Sitz in einer ehemaligen Papierfabrik zwischen Schul- und Fortschrittstraße hat, auf seine anderen drei Standbeine. Das ist zum einen die Auftragsfertigung. „Kunden bestellen bei uns Teile, die sie brauchen“, erklärt der Geschäftsführer. Ein großer Abnehmer ist zum Beispiel die Firma Trumpf Sachsen in Neukirch.

Der Anlagen- und Vorrichtungsbau stellt das zweite Standbein dar. Zum Beispiel fertigen die Raussendorf-Beschäftigten für die Flugzeugindustrie Hub- und Arbeitsbühnen, die beim Bau von großen Turbinen zum Einsatz kommen. Sie beliefern auch die Schweizer Bundesbahn. Für Wagen, die das Gleisbett schottern, werden Förderbänder und Rüttelmechanismen hergestellt. „Das ist das erste Mal, dass Raussendorf auf der Schiene fährt“, sagt Hannes Stefan Hannenheim stolz.

Drittes Standbein ist der Bau von Spezialmaschinen, vor allem für die Landwirtschaft. Unter anderem entstehen in Obergurig kleine Traktoren für Baumschulen, Roboter für Obstplantagen und auch spezielle Rasenmäher für Weihnachtsbaumplantagen. Wie der Geschäftsführer berichtet, ist die Firma Raussendorf derzeit an einem Projekt der Technischen Universität Dresden beteiligt, bei dem es um den Einsatz autonomer Fahrzeuge auf Feldern geht. Der Landwirtschaft bleibt das Unternehmen, dessen rund 160-jährige Tradition mit dem Bau von Landmaschinen begann und über Jahrzehnte eng verbunden war, also auch weiterhin treu.

„Durch den Verkauf des Knoterbaus haben wir finanzielle Mittel, um in unsere anderen Bereiche zu investieren“, sagt Hannes Stefan Hannenheim. Zwei neue Werkzeugmaschinen wurden schon gekauft, zwei weitere sollen demnächst folgen. Unter den Neuanschaffungen ist zum Beispiel ein computergestütztes Fräszentrum, bei dem sich das Werkzeug in fünf verschiedene Richtungen bewegt. So können fünf Seiten eines Werkstückes bearbeitet werden, ohne das dieses zwischendurch neu eingespannt werden muss.

Produktionsfläche wächst

Mit den neuen Maschinen erweitert das Unternehmen seine Produktionskapazitäten. Um mehr Platz dafür zu schaffen, soll eine 2012 errichtete Kalthalle, die hinter der ehemaligen Papierfabrik steht und bisher nur als Lager dient, ausgebaut werden, so dass künftig darin gearbeitet werden kann. Dadurch vergrößert sich die Produktionsfläche der Firma Raussendorf um bis zu 700 Quadratmeter. Angestrebt ist, diese Investition in diesem Jahr umzusetzen.

Obwohl das Oberguriger Unternehmen den Knoter-Bau jetzt abgibt, sind solche Geräte noch mindestens fünf Jahre lang unter der Marke Raussendorf erhältlich. Das sei beim Verkauf schriftlich festgehalten worden, sagt Hannes Stefan Hannenheim und unterstreicht: „Gemeinsam mit der Firma Rasspe werden wir dafür sorgen, dass ein nahtloser Übergang gewährleistet ist und dass die Kunden gesichert und kompetent bedient werden.“

 

Von Katja Schäfer

Foto:  © Uwe Soeder

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