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Oberlausitz: Verärgerung über die Länderbahn

08.12.2021
Seit Monaten fallen zwischen Dresden, Görlitz und Zittau immer mal Trilex-Züge aus. "Das geht so nicht", sagt der Verkehrsverbund, der die Leistung bestellt.

Von Tilo Berger 

Bautzen. Der aktuelle Ersatzfahrplan reicht bis zum 11. Dezember - vorerst. Weil der Länderbahn wegen Corona und anderen Krankheiten Personal fehlt, fahren auf den Strecken Dresden-Görlitz und Dresden-Zittau nicht mehr alle Trilex-Züge laut eigentlichem Fahrplan. Eine Situation, die sich in den vergangenen Monaten mehrfach wiederholte.

So fallen einige Züge zwischen Görlitz und Bischofswerda ganz aus, und ein paar Züge der Strecke Dresden-Zittau beginnen erst oder enden schon in Bischofswerda. Dieses Vorgehen sei mit den Verkehrsverbünden Zvon und VVO abgestimmt, teilte die Länderbahn mit.

Deutlicher Appell an die Länderbahn

"Abgestimmt?", ereifert sich Hans-Jürgen Pfeiffer, der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon). "Wir wurden von der Länderbahn über die Einschränkungen lediglich in Kenntnis gesetzt." Der Zvon habe einen "sehr deutlichen Appell" an die Geschäftsführung der Länderbahn gesandt, "dass das so nicht geht. Wir haben einen Vertrag, und der ist von beiden Seiten zu erfüllen."

Bautzens Landrat und Zvon-Vorsitzender Michael Harig (CDU) findet ebenfalls deutliche Worte: "Die Personalsituation bei der Länderbahn interessiert die Fahrgäste nicht. Sie stehen auf dem Bahnsteig und erwarten, dass ein Zug kommt." Es sei auch kein Dauerzustand, vor jeder geplanten Fahrt im Internet nachschauen zu müssen, ob der Zug überhaupt fährt.

Keine Leistung? Dann gibt's auch kein Geld

Und es helfe, so Pfeiffer, den Fahrgästen auch nicht weiter, dass die Länderbahn für nicht erbrachte Leistungen auch kein Geld bekommt. Von Januar bis Oktober dieses Jahres sollte die Länderbahn in Ostsachsen eigentlich rund 2,3 Millionen Kilometer fahren. Davon sind aber etwa 86.000 Kilometer ausgefallen - dafür bekommt die Länderbahn auch rund 800.000 Euro weniger von den Verkehrsverbünden, teilt der Zvon auf Anfrage mit. "Für keine Leistung kein Geld - aber das ist nicht das, was wir wollen. Wir wollen, dass Züge fahren", stellt Pfeiffer unmissverständlich klar.

Immerhin konnte die Länderbahn in den ersten zehn Monaten dieses Jahres für 28.000 ausgefallene Zug-Kilometer Schienenersatzverkehr organisieren. Das hat für die neuerliche Durststrecke noch nicht geklappt. Länderbahn-Sprecher Robert Aschenbrenner zufolge wurde und werde es auch weiterhin versucht. Aber bei den Busunternehmen sei die Personalsituation nicht viel anders, weshalb die Länderbahn keinen Schienenersatzverkehr versprechen könne.

Stattdessen erwägt das Bahnunternehmen, dass einige Regionalexpresszüge übergangsweise auch an kleinen Bahnhöfen halten, wo sie sonst durchfahren. So könnten "zum Beispiel wichtige Schülerströme abgesichert werden". Ansonsten verweist Aschenbrenner darauf, dass trotz der gegenwärtigen Einschränkungen im Fahrplan stündlich wenigstens ein Zug zwischen Dresden und Görlitz unterwegs ist.

Busunternehmen arbeiten am Limit

Zvon-Geschäftsführer Pfeiffer steht ebenfalls in Kontakt mit regionalen Busunternehmen. Und er bestätigt, was die Verantwortlichen der Länderbahn sagen: "Dort ist die Personalsituation ähnlich, die arbeiten am Limit und können nicht noch zusätzlich Schienenersatzverkehr fahren."

So ist es, sagt Johannes Wilhelm vom gleichnamigen Busunternehmen in Großpostwitz. "Der Krankenstand ist sehr hoch, aber es können zurzeit noch alle Dienste abgesichert werden." Bisher sei die Länderbahn noch nicht mit der Bitte um Schienenersatzverkehr an Wilhelm-Reisen herangetreten. Aber selbst wenn sie es täte, müsste Johannes Wilhelm "zurzeit eine zusätzliche Übernahme von Schienenersatzverkehr-Leistung ausschließen".

Vorrang hätten die Touren, die Wilhelm laut Fahrplan absichern muss. Das Unternehmen bedient einige Linien fest und einige im Auftrag der Regionalbus Oberlausitz GmbH.Ähnlich äußert sich die Bautzener Busunternehmerin Heidi Poldrack. "Wir haben aktuell auch Fahrer in Quarantäne und mussten letzte Woche einen kompletten Dienst an Regiobus zurückgeben, weil wir ihn nicht mehr abdecken konnten." Zum Glück habe Regiobus helfen können, "da waren wir sehr dankbar".

Die Länderbahn frage bei Heidi Poldrack regelmäßig nach Hilfe. "Da wir aber mit allen Fahrzeugen für die Regionalbus Oberlausitz GmbH im Einsatz sind, ist Hilfe dahingehend leider nicht möglich."

Auch bei Regiobus sind Busfahrer derzeit knapp

Bei Regiobus-Geschäftsführerin Andrea Radtke war bis Freitagmittag keine Anfrage der Länderbahn wegen Schienenersatzverkehr angekommen. "Aber auch bei uns sind einige Busfahrer erkrankt", sagt die Geschäftsführerin. Bisher habe Regiobus noch alle Aufträge laut Fahrplan erledigen können. "Aber dafür fahren auch alle, die fahren können."

Wahrscheinlich wird auch den Zvon-Verantwortlichen bis auf Weiteres nichts anderes übrig bleiben, als ihre Feststellung zu wiederholen: "Wir sind unzufrieden mit der Situation."

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