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Ohne Ralf läuft die Aida nicht aus

22.11.2019
Ein Großenhainer betreut die Müllverbrennungsanlagen auf allen Aida-Schiffen und neuerdings auch für Phönix-Reisen.

Neulich traf Ralf Pusch aus Großenhain auf Morten Hansen von der MS Artania. Morten Hansen? Das ist doch der smarte Kapitän aus der ARD-Dokuserie „Verrückt nach Meer“? Genau der. Für Ralf Pusch war das Treffen gar nicht so ungewöhnlich. „Ich kenne fast alle Kapitäne aller Aida-Schiffe und bald auch von den Phönix-Reisen-Kreuzfahrtschiffen“, winkt der 57-Jährige gelassen ab. Ralf Pusch ist kein passionierter Kreuzfahrtgast. Er arbeitet auf den großen Pötten – und zwar nur, wenn sie im Hafen liegen.

Seit sieben Jahren ist die gesamte Aida-Flotte – das sind mittlerweile 14 Schiffe – regelrecht auf ihn angewiesen. Denn jedes dieser riesigen schwimmenden Hotels hat eine Müllverbrennung sowie Warmwasseraufbereitung. Ralf Pusch ist als gelernter Industrieofenbauer für deren Wartung zuständig. Seine Firma Dresdner Schornsteine und Feuerfestbau gewann 2012 die Ausschreibung der Servicegesellschaft Carnival Maritime aus Hamburg.

Seitdem sind Ralf Pusch und vier seiner Kollegen verantwortlich für einen sehr sensiblen Bereich dieser gigantischen Passagierschiffe. Denn aller Abfall muss hier verbrannt werden. „Das sichert auch die Wärme- und Warmwasserversorgung auf den Schiffen“, sagt Ralf Pusch. Fällt eine Anlage aus, müssten die Schiffe die Müllsäcke sammeln und im nächsten Hafen entsorgen. 

„Doch das kann teuer werden.“ Aller zwei, drei Jahre kommt so ein Defekt vor. Aller drei bis vier Jahre müsse in der Regel auf jedem Schiff etwas repariert werden. „Je mehr Leute an Bord sind, desto größer ist die Beanspruchung dieser Anlagen“, weiß Ralf Pusch.

Mit Inspektionen wird solchen Ausfällen vorgebeugt. Aller zwei Jahre ist der Großenhainer daher im Durchschnitt auf jedem Schiff. Das ist dann der Fall, wenn die Gäste gerade nicht an Bord sind. „Ich muss dann punkt 8 Uhr morgens im Hafen sein“, so Ralf Pusch. Dann kommen alle möglichen Servicebereiche und tun ihre Arbeit auf dem Schiff. Die von Pusch und seinen Mannen ist ein „Knochenjob“.

 Der Großenhainer: „Wir arbeiten in engen Kanälen, wo es durch die Asche schmutzig und heiß ist.“ Am häufigsten bekommen die Wände der Müllverbrennungsanlagen durch die Beanspruchung Risse oder brechen ganz auf. Eine Inspektion von Pusch, der Montagebauleiter und technischer Berater ist, kann sechs bis acht Stunden dauern. 

 

 

Dann legt er einen Reparaturplan fest, und seine Mitarbeiter reparieren später während der Weiterfahrt. Unter Deck. Bei großer Hitze. Auch Ralf Pusch hat sich schon mal die Augenbrauen versengt. Oder die Haut verletzt. „Ich bin so bekloppt, ich mache das alles“, witzelt der Großenhainer. Das Schwierigste aber sei die Logistik. Da darf nichts fehlen oder verschwinden.

An der Bergakademie Freiberg hatte der gebürtige Riesaer studiert. Bis zur Wende war er im Rohrwerk Zeithain tätig. Dann wechselte er zum Industrieschornsteinbau. Nach der Pleite seines Arbeitgebers ging Ralf Pusch ins Betonwerk Oschatz, war dort bis vor zehn Jahren Montagebauleiter. Dann wieder Wechsel, jetzt nach Dresden. 

So kam der Großenhainer seinem Kindheitstraum nahe: Er wollte mal Nautischer Offizier werden. Dabei machte er damals nur ein Mal Ostseeurlaub mit den Eltern. Heute kennt Pusch alle deutschen Häfen und auch viele ausländische. Denn wenn ein Notfall auftritt, muss er sofort los: per Auto oder mit dem Flugzeug.

Egal, ob Feiertag ist oder Wochenende. „Aida organisiert alles“. Bis zu 65.000 km im Jahr ist er unterwegs. Nun sind mit einem neuen Auftrag auch die fünf Schiffe von Phönix-Reisen für ihn dazugekommen. Unter anderem das ehemalige Traumschiff. Ralf Pusch freut sich, denn auf den Pötten treffe er immer viele Sachsen und Thüringer, sagt er.

Auch in der Freizeit und im Urlaub hat er’s mit Wasser. Zu Hause an der Radeburger Straße steht ein großes Aquarium mit schönen Skalaren. Zum 50. Geburtstag hat ihm seine Kerstin einen Tauchkurs geschenkt. „Ich gehe nun bei fast jedem Urlaub tauchen“, sagt Ralf Pusch, der seit 2003 in Großenhain lebt. Seine Frau hat ihn mit diesem Job kennengelernt. Man ahnt vielleicht, wo die beiden heirateten: auf einem Schiff: der Kogge Wissamara.

 

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Fotos: ©  dpa, privat

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