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Omikron dünnt Fahrpläne in Sachsen aus

13.01.2022
Wegen Corona-Infektionen und Quarantäne fehlt es den Bahnen derzeit an Lokführern und Schaffnern. Jetzt ist die Politik am Zug.

Corona ist seit fast zwei Jahren Schwarzfahrer im öffentlichen Nahverkehr. Die hochansteckende und sich rasant ausbreitende Omikron-Variante hinterlässt nicht nur Spuren in der Infektionsstatistik, sondern auch auf den Anzeigetafeln der Bahnhöfe.

„Aufgrund eines stark erhöhten Krankenstands kommt es vom 10. bis zum 23. Januar zu Fahrplanabweichungen auf der Linie RB 30 bei der Mitteldeutschen Regiobahn“, meldet die MRB. Demnach entfallen einzelne Fahrten zwischen Chemnitz und Zwickau. Auch auf anderen Strecken macht sich der akute Personalmangel durch Infektionen, Quarantäne und Kinderbetreuung bemerkbar. Die SZ fragte bei den großen Akteuren im Freistaat nach.

DB Regio streicht S-Bahn-Abschnitt

„ Zurzeit läuft der Betrieb ruhig und weitgehend reibungslos“, heißt es von DB Regio Südost. „Wir beobachten, wie überall in Deutschland zwar derzeit etwas erhöhte Krankenstände, die Mehrheit unserer Kunden spürt momentan keine Auswirkungen“, sagt eine Sprecherin. Es gebe „leichte Anpassungen des Fahrplans, um den hohen Dispositionsaufwand zu reduzieren“. So fällt die Dresdner S-Bahnlinie S2 zwischen Dresden und Pirna noch bis einschließlich Samstag aus, müssen Reisende dort zum und vom Flughafen die S1 nutzen. „Wie in den letzten Monaten sind wir vorbereitet, unseren Betrieb anzupassen und auf die jeweilige Situation in enger Abstimmung mit den Experten zu reagieren“, heißt es.

Seit 12. Dezember bedient DB Regio neben S-Bahn und Saxonia-Express Dresden–Leipzig auch das VVO-Dieselnetz mit den Linien Dresden–Königsbrück, Dresden–Kamenz, Pirna–Sebnitz, Heidenau–Altenberg und den Wanderexpress Dresden–Altenberg. Die Deutsche Bahn hat in Sachsen rund 13.000 Beschäftigte.

MRB meldet Ausfälle Dresden–Chemnitz

Die Mitteldeutsche Regiobahn verzeichnet „bereits seit November einen sehr hohen Krankenstand“. Deshalb könnten nicht alle Leistungen durch Leihpersonal und Verwaltungsmitarbeiter abgedeckt werden, schreibt das Unternehmen. Bis voraussichtlich Ende Januar gebe es auf Teilstrecken der Regionalbahnline Dresden–Chemnitz–Zwickau teilweise Busersatzverkehr.

Die MRB fährt den Regionalexpress Leipzig–Chemnitz, die Regionalbahn Leipzig–Döbeln und bedient im Elektronetz Mittelsachsen die Linien Dresden–Hof, Dresden–Chemnitz–Zwickau sowie Chemnitz–Riesa–Elsterwerda. An ihren Standorten in Leipzig und Chemnitz sind gut 350 Mitarbeiter beschäftigt. Nach der Pleite der Städtebahn und bis zum Einstieg von DB Regio hatte das Unternehmen zwei Jahre lang auch das VVO-Dieselnetz betrieben.

Odeg fährt „100 Prozent Leistung"

„Die Situation ist nicht dramatisch“, heißt es von der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH, nach eigenen Angaben größte Privatbahn in den nicht mehr ganz so neuen Ländern. „Wir haben eine leicht erhöhte Krankenquote in Vergleich zu Vorjahren, können dies aber derzeit noch abfedern“, sagt Geschäftsführer Roland Pauli. Die Odeg fahre keinen Notfallplan, sondern „100 Prozent Leistung“, es gebe kaum Ausfälle. Grundsätzlich sei man, je nach Standort und den dort geltenden gesetzlichen Bestimmungen, aber vorbereitet, falls es zu einem deutlich erhöhten Krankenstand unter den 680 Mitarbeitenden kommen sollte.

Die Odeg bedient mit 50 Zügen 13 Linien, darunter Görlitz–Niesky–Hoyerswerda und Zittau–Görlitz–Cottbus. Bei Ausfällen würden „vorzugsweise Züge auf fahrgastschwachen Relationen“ ausfallen. „Dann reagieren wir sofort mit einem Ersatzverkehr mit Bussen“, sagt Pauli. Ferner werde die 3G-Regel mit stichprobenartigen Kontrollen durchgesetzt. Angesichts einer Auslastung von derzeit 45 bis 60 Prozent seien überfüllte Züge kein Thema.

Trilex nimmt Einschränkungen zurück

Auch bei der Länderbahn, Ableger der italienischen Netinera-Gruppe, waren Ausfälle wegen Krankheit bis Mitte Dezember „so hoch, dass das Fahrplanangebot beim Trilex im Ostsachsennetz etwas reduziert werden musste“. Nach Firmenangaben entfielen Verstärkerzüge, wurden im grenzüberschreitenden Verkehr Görlitz–Zgorcelec Fahrten gestrichen. Seit Mitte Dezember sei der Krankenstand leicht rückläufig und der Anteil an Corona-Infektionen und Quarantäne gesunken, sodass die Einschränkungen zurückgenommen werden konnten. Auch wenn mehr Leute als in den Vorjahren fehlten, würden alle Dienste besetzt, sagt Sprecher Robert Aschenbrenner. Derzeit sei kein Notfahrplan vorgesehen, schon gar nicht die Einstellung ganzer Strecken. Konzepte in der Schublade würden „vordergründig Taktausdünnungen vorsehen“, schreibt er.

Die Länderbahn, die in Sachsen als Trilex und Vogtlandbahn unterwegs ist, versuche, „mit allen Mitteln den vollen Fahrplan umzusetzen“. Dabei kämen auch Lokführer aus anderen Netzen, der Verwaltung und Leihpersonal zum Einsatz. Notfalls gebe es Busersatzverkehr. Das Unternehmen mit Sitz im niederbayerischen Viechtach hat rund 1.000 Beschäftigte, 264 Züge und fährt u.a. von Dresden nach Görlitz, Löbau, Zittau und weiter ins tschechische Liberec (Reichenberg) sowie die Linie Seifhennersdorf– Zittau–- Liberec.

Politik will Quarantäne-Zeit verkürzen

Die Politik hat Personalmangel durch Quarantäne als Bedrohung für die kritische Infrastruktur erkannt, darunter Transport und Verkehr. Sie gilt derzeit – je nach Virusvariante, Impf- und Genesenenstatus – bis zu 14 Tage. Bei Omikron gibt es auch für Geimpfte keine Ausnahmen. Künftig soll eine Isolation nach zehn Tagen enden und die Fristen zur Freitestung auf fünf Tage für Beschäftigte der kritischen Infrastruktur und auf sieben Tage für andere symptomfreie Personen verkürzt werden. Wer geboostert ist, muss als Kontaktperson nicht mehr in Quarantäne – so der Plan der Gesundheitsminister der Länder und der Tenor der Bund-Länder-Schaltung vom Freitag.

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