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Operieren in neuer Dimension

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 14.02.2019
An Freitals Klinik geht ein neuer OP-Saal in Betrieb. Für Mediziner und Patienten bringt er viele Erleichterungen mit sich.

Den nächsten Dienstag haben sich die Gefäßchirurgen in der Freitaler Klinik ganz dick im Kalender markiert. Dann beginnt in ihrem Haus eine neue Zeitrechnung. In Betrieb geht ein Operationssaal, wie es ihn bisher nur gut 30-mal in Deutschland gibt. Der sogenannte Hybrid-OP klingt noch ein bisschen nach Zukunft. In Freital ist er nun Gegenwart: Am Montagnachmittag wurde er nach neunmonatiger Bauzeit im Rahmen einer Feierstunde der Öffentlichkeit vorgestellt. Zahlreiche Vertreter aus der Politik ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, den Saal in Augenschein zu nehmen und zu schauen, was sich in Freital entwickelt hat.

"Ich bin hocherfreut, dass nun endlich der Zeitpunkt gekommen ist, wir haben lange darum gekämpft", sagte Hans-Joachim Florek, Chefarzt der Gefäßchirurgie. Florek, seine Kollegen und das gesamte Team sind Spezialisten für Operationen an den Blutgefäßen. Insbesondere führen sie komplexe Eingriffe an der Hauptschlagader durch, wenn diese zu platzen droht. Dabei werden per Schlüssellochtechnologie Stents in die Aorta eingesetzt, um deren Gefäßwände zu stabilisieren. Solche Operationen sind nur unter Durchleuchtung möglich und bisher äußerst zeitaufwendig. Sie dauern im Schnitt fünf bis sechs Stunden, weil die Mediziner sich an herkömmlichen zweidimensionalen Röntgenbildern und Ultraschallaufnahmen orientieren müssen. Zudem sind alle - Patienten, Ärzte, Schwestern - während der OP einer massiven Röntgenstrahlung ausgesetzt.

Mit dem Hybrid-OP stoßen sie nun sprichwörtlich in eine neue Dimension vor. In dem Raum steht ein Röntgenapparat, hergestellt von Siemens, der an einem riesigen Arm sitzt. Die Apparatur fährt um den Patienten und liefert scharfe Bilder. Sie werden dreidimensional und in Farbe auf einen riesigen Bildschirm projiziert. Mithilfe der Aufnahmen können die Chirurgen schneller und präziser arbeiten. "Damit verringern wir die OP-Zeit um etwas mehr als die Hälfte", erklärt Hans-Joachim Florek. Auch die Röntgenstrahlung wird reduziert - um etwa 60 Prozent. Der Name Hybrid-OP ist darauf zurückzuführen, dass hier auch nach wie vor ganz klassisch operiert werden kann - also mit großen Schnitten und Eingriffen in den Körper.

Bisher gibt es solche Hybrid-Operationssäle nur an etwa 30 Einrichtungen in Deutschland, vor allem Universitätskliniken. Nun ziehen kleinere Kliniken wie eben Freital, die zum Helios-Konzern gehört, nach. Die Investitionskosten liegen bei 3,5 Millionen Euro.

"Wir haben mit Dr. Florek einen der führenden Gefäßchirurgen Deutschlands vor zehn Jahren nach Freital holen können. Die Eröffnung des neuen OP-Saals ist das Ergebnis der zehnjährigen Aufbauarbeit dieser Abteilung", sagt Klinik-Geschäftsführer Dirk Köcher. Und der Helios-Regionalgeschäftsführer Ost, Roland Bantle, ergänzt: "Das ist die Zukunft der Medizin. Wir wollen diesen Weg auch mit kleineren Kliniken gehen, die ja ebenfalls hochprofessionell aufgestellt sind."

Der neue Operationssaal sorgt zudem für Entlastung bei den anderen fünf Sälen. Deren Belegung ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. 2002 lag die Zahl der Eingriffe bei 4 000. 2018 wurden bereits 7 000 Operationen durchgeführt. Zudem ist er nicht nur dem Chef-Gefäßchirurgen vorbehalten. Hier können beispielsweise auch Operationen an der Wirbelsäule durchgeführt werden.

Die Entscheidung für die Millioneninvestition fiel Ende 2017. Die Bauarbeiten begannen im März. Für den neuen Saal wurde ein Anbau errichtet, der aufgrund der Platzverhältnisse einen trapezförmigen Grundriss hat.

Für die Operationsteams in Freital brachten die Bauarbeiten in den vergangenen Monaten erhebliche Belastungen mit sich. Alle Eingriffe fanden hinter Staubschutzplanen statt. Noch bis Ende vergangener Woche arbeiteten die Handwerker und Techniker im neuen Hybrid-OP. Jetzt ist das Personal der Firma Siemens vor Ort, um die Technik zu hochzufahren, sodass am kommenden Dienstag alles funktioniert, wenn der erste Patient in den Hybrid-OP gerollt wird.

 

Von Annett Heyse

Foto: Egbert Kamprath

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