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Ostsächsische Sparkasse „offen für Fusionen“

Dresden 17.04.2019
Das Geldhaus verteidigt Filialnetz, Jobs und seinen Platz unter den Top 10 in Deutschland.

Wer die Filiale der Ostsächsischen Sparkasse Dresden am Altmarkt betritt, erfährt sofort, womit Deutschlands achtgrößtes kommunales Bankhaus einen guten Teil seines Geschäfts macht: An den Wänden hängen Immobilienangebote in der Stadt und im Umland.

Das Einzugsgebiet der OSD, die Kommunen und dem Freistaat gehört, erstreckt sich über die Landeshauptstadt, den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und den Westen des Landkreises Bautzen. Vorstandschef Joachim Hoof nennt es bei der Präsentation der Bilanz 2018, „einen der prosperierendsten Wirtschaftsräume“. Von der starken Region profitiere sein Geldhaus, auch weil die positive Entwicklung den Wunsch nach den eigenen vier Wänden erfüllbar mache, sagt er. 382 Immobilien, zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor, hat die Sparkasse 2018 verkauft. Das Volumen bei Baufinanzierungen kletterte von 370 auf 421 Millionen Euro.

Zusammen mit Firmen- und Konsumentenkrediten steht beim Neugeschäft ein Rekord von 1,55 Milliarden Euro. Hoof spricht von nachhaltiger Entwicklung. Der Sachse tilge brav und schnell, „manchmal für ein Kreditinstitut auch zu schnell“, sagt er und lacht. Das große Vertrauen in die Sparkasse würden die, trotz niedriger Zinsen, auf über 10,6 Milliarden Euro gestiegenen Kundeneinlagen belegen. Das sei „Segen und Fluch zugleich“, denn das Geld müsse wieder angelegt werden, um Strafzinsen bei der Bundesbank zu vermeiden. 2018 habe die OSD „einen mittleren sechsstelligen Betrag“ zahlen müssen.

Der Jahresüberschuss liegt mit gut 20,7 Millionen Euro auf Vorjahresniveau und wird wie damals ins Eigenkapital gesteckt. „Unseren Eignern sind nachhaltiger unternehmerischer Erfolg, Jobs, 3,5 Millionen Euro an Spenden und Sponsorings für Vereine und Initiativen sowie langfristige Steuereinnahmen wichtiger als eine einmalige Gewinnausschüttung“, sagt der Vorstandschef. 2018 seien gut 34 Millionen Euro in die Kassen öffentlicher Haushalte geflossen, fast die Hälfte davon als Gewerbesteuer unmittelbar an die Kommunen.

Auch trotz der 28 Millionen Onlinezugriffe im vergangenen Jahr hält die Sparkasse an ihren 100 Filialen fest. „Die Nähe zu den Kunden ist unsere DNA“, betont Hoof. Zwar gebe es via Smartphone auch die Sparkasse für die Hosentasche, „aber das persönliche Gespräch ist damit nicht zu ersetzen“. Die 1 600 Mitarbeiter müssten kein Abbauprogramm fürchten, Kunden 2019 auch keine Gebührenerhöhung. Einzig die Öffnungszeiten wenig nachgefragter Filialen würden angepasst, ergänzt Vorstandsmitglied Ulrich Franzen.

Unlängst startete die Sparkasse die Internet-Plattform www.coyomi.de für den Wertpapierkauf ab 25 Euro. Neu ist auch „Elsa“, der elektronische Safe. Via Online-Banking können dort Dokumente auf Sparkassenservern hinterlegt werden.

„Wir konnten uns mit Bravour behaupten“, sagt Vorstandschef Hoof. Das gelingt nicht allen Geldhäusern. Jedes Jahr werden bundesweit Tausende Filialen geschlossen, bleiben Dutzende Geldinstitute auf der Strecke, fusionieren schwächere Häuser mit stärkeren. Noch gibt es rund 380 öffentlich-rechtliche Sparkassen in Deutschland – halb so viele wie 1990. Im Freistaat sind noch zwölf solcher Unternehmen mit knapp 500 Geschäftsstellen und rund 7 800 Mitarbeitern aktiv.

Zuletzt war über eine Ehe der Sparkassen Meißen und Elbe-Elster spekuliert worden. „Wir schauen uns das ganz in Ruhe an“, sagt der Chef der OSD, die 2004 durch Fusion der Stadtsparkasse Dresden mit der Sparkasse Elbtal-Westlausitz entstanden war. „Wenn jemand meint, seine Zukunft gemeinsam mit uns gestalten zu wollen, ist er herzlich eingeladen“, sagt Hoof, es gebe aber keine Not. Die Sparkasse sei „nicht aktiv auf der Suche“ und gut aufgestellt.

„Was 2018 passiert ist, könnte sich in diesem Jahr wiederholen. Aber mit dieser Art Langeweile können wir gut leben“, sagt der Chef, der aus Pirnas Partnerstadt Remscheid kommt und seit 1991 als Banker in Ostsachsen unterwegs ist.

Langweilig dürfte es ihm kaum werden. Nicht nur wegen der sich eintrübenden Konjunktur und der Fragezeichen um den Brexit und den Handelsstreit USA-China. Auch wegen der laufenden Tarifrunde, die andernorts schon zu Warnstreiks geführt hat. Und wegen des Ungemachs um die Nord-LB. Mit der kränkelnden Landesbank machen die Ostsachsen zwar kaum Geschäfte, allerdings, räumt Hoof  ein, könnte sein Haus nach dem Solidarprinzip der involvierten Sparkassenfinanzgruppe mit einem einstelligen Millionenbetrag in die Pflicht genommen werden. „Wir sind eine große Familie“.

 

Von Michael Rothe

Foto: © Kairospress

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